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Aua803: Segensreiche Sachkunde: Sarkoptes-Milben oder wenn RiNler die Krätze kriegen

 

{TS-Kritik}

 

Aus aktuellem Anlass, über den in den  nächsten Tagen zu berichten sein wird, greift Doggennetz.de ein wichtiges Sachkunde-Thema auf: Sarkoptes-Milben.

Diese den Haut- und Grabmilben zugehörigen Makro- und Ekto-Parasiten sind hoch ansteckend und überhaupt kein Spaß. Insbesondere Pflegeplätze und Adoptanten von Tierschlepper-Orgas sollten mit dem leichtfertigen Ausruf „ich krieg die Krätze“ doch eher vorsichtig sein. Sonst wird er schnell Realität.

Wie etwa derzeit für einige Pflegeplätze und möglicherweise auch Adoptanten des Vereins Retriever in Not / Liberty for Dogs.

Bei Hunden dieses massiv in der Kritik stehenden Vereins (Linkliste siehe unten) nämlich wurden die hoch ansteckenden und auch für den Menschen gefährlichen Ektoparasiten festgestellt. Die Laborbefunde dazu liegen dieser Redaktion vor, müssen aber aus redaktionellen Gründen noch einige Tage zurückgehalten werden.

 

Wenn Tierschutz Krätze auslöst

Der Tierpfleger und Buchautor Martin Krause widmet den unappetitlichen Spinnentierchen in seinem Lehrbuch Tierfachkraft (Hunde) ein ganzes Kapitel. Was dort zu lesen steht, klingt beunruhigend.

Besonders beunruhigend klingt es vor dem Hintergrund, dass im aktuellen Fall der verantwortliche Verein von dieser furchtbaren Erkrankung entweder nichts wusste oder dieses Wissen nicht an den übernehmenden Verein kommuniziert hat.

Krause listet die Symptome wie folgt:

              


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starker und heftiger Juckreiz  

              

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büschelweiser Haarausfall
Meistens beginnt der Haarausfall am Kopf   bzw. am Rand der Ohren, auf dem Nasen­rücken und um die Augen.  Später Ausdehnung auf den ganzen Körper mit Ausnahme von Pfoten und Rutenspitze.

-

Durch den Juckreiz kratzt und beißt sich der Hund. Dies führt in der Regel zu einer zusätzlichen bakteriellen Hautentzündung, Rissen in der Haut, offenen Wunden, eitrigen Haut­ver­­än­de­run­gen und Krustenbildung.

(Martin Krause: Lehrbuch Tierfachkraft (Hunde), Kapitel 18 Erkrankungen durch Milben)

Ohne dem geheimnisvollen späteren Aua zu sehr vorzugreifen, dürfen sich die Doggennetz.de-Leser schon einmal ausmalen, was diese Symptomatik zusammen mit einer in diesem Krankheitszustand vorgenommenen Kastration – übrigens bei einer vorliegenden massiven Herzkrankheit - für die betroffene Hündin bedeutet und welche Qualität von „Tierschutz“ das widerspiegelt!

 

Unwissenheit sorgt für Verbreitung der Krankheit

Auch Krauses Ausführungen zum Ansteckungsgrad von Sarkoptes-Milben dürfen beunruhigen unter dem Aspekt, dass im vorliegenden Fall die Pflegestellen des Vereins Retriever in Not / Liberty for dogs vermutlich nicht wussten, dass sie Hunde mit dieser Erkrankung beherbergen. Denn dem übernehmenden Verein wurde davon nichts mitgeteilt und eine Behandlung des mit starkem Juckreiz verbundenen Befalls hat ganz offensichtlich auch nicht stattgefunden.

              

Hautmilben / Grabmilben sind hochgradig ansteckend und durch Körperkontakt von Hund zu Hund übertragbar.

Beachte: Deshalb muss ein Hund mit Haut- bzw. Grabmilbenbefall auch sofort von anderen Tieren isoliert werden.

Hautmilben können auch indirekt durch gemeinsam benutzte Bürsten, Decken, Transport­boxen usw. übertragen werden, weil diese Milbenart bis zu 18 Tage (2 bis 3 Wochen) außer­halb des Hundekörpers über­leben kann.

Deshalb müssen bei einer Erkrankung des Hundes an Hautmilben / Grabmilben in Tierheimen und Hundepensionen auch die Zwinger oder „Hundezimmer“ bzw. die Schlaf- und Liege­plätze der betroffenen Tiere sowie Hundekörbe, Bürsten usw. gründlich gereinigt werden.

Für Pflegestellen von Tierschutzorganisationen und Privathaushalte bedeutet dies auch, dass Polstermöbel oder Teppiche mit einem dafür geeigneten Parasitenspray sorgfältig gereinigt wer­den müssen.

(ibid.) 
              

 

Sarkoptes-Milben gehören zu den Zoonosen

Nicht nur alle Hunde, die Kontakt mit Sarkoptes-Hunden haben, sind gefährdet, auch auf den Menschen gehen die Spinnentierchen über. Allerdings weist Krause darauf hin, dass ein Befall für Menschen relativ ungefährlich ist, weil sich diese Milben beim Menschen nicht vermehren und deshalb von selbst absterben!

 

Aufwendiges Behandlungsregime

Auch dazu zitieren wir den Experten:

              

Zur Behandlung gegen Hautmilben / Grabmilben gibt es zum Beispiel wirksame Medikamente zum Auftragen auf die Haut.

Hier helfen unter anderem die Wirkstoffe Selamectin oder Imi­dacloprid und Moxidectin. Die Literatur nennt diesbezüglich beispielsweise die Mittel Stronghold® und Advo­­cate®. 

Beide Präparate sind verschreibungspflichtig und daher nur bei einem Tierarzt oder mit einem Rezept in der Apotheke erhältlich.

Zur Behandlung gegen Haut­milben bzw. Grabmilben (bei Räude) werden auch Medikamente mit dem Wirkstoff Iver­mectin eingesetzt, die dem Hund als Spritze (Injektion) unter die Haut (Fach­begriff: subkutan) verabreicht werden.

Unbedingt beachten: Britische Hütehunde (Collies und Bobtails sowie Colliemischlinge und Bob­tailmischlinge) dür­fen den Wirkstoff Ivermectin jedoch erst nach einem vorher durchge­führten Gen-Test erhalten.  Die genannten Hunderassen haben nämlich oft einen so genannten MDR-1-Gendefekt. Bei diesen Hun­den kann es nach der Verabreichung des Wirkstoffes Iver­mectin zu Unverträglichkeitser­schei­nungen und so­gar zu Todesfällen kommen!

Dies gilt auch für andere Hunderassen, unter an­derem für Shetland Sheepdogs (Shelties), Aus­tralian Shep­herds, Border-Collies oder für Weiße Schwei­zer Schäfer­hunde sowie für Misch­lingshunde der genannten Rassen.

(ibid.)

              

 

Fazit

Sarkoptes-Milben sind eine hochansteckende und für die befallenen Tiere mit quälendem Juckreiz verbundene Krankheit. Hunde unter dem Regime von sogenannten Tierschutzorganisationen, die mehrere Wochen lang ohne jede Behandlung diesen Befall ertragen müssen, legen ein krustiges Zeugnis gegen diese Art von Tierschützer ab! Pflegestellen, Adoptanten und Übernehmer von solchen Hunden, die gar keine Kenntnis von dieser Erkrankung haben, werden den Befall großzügig weiter an Tiere und Menschen verteilen.

Oder noch kürzer: Auslandstierschutz heute!


Dank an Martin Krause

Diese Redaktion dankt Martin Krause, dass er Doggennetz.de das entsprechende Kapitel  18 Erkrankungen durch Milben aus dem neuen Fachbuch Lehrbuch Tierfachkraft (Hunde) komplett als pdf zur Verfügung stellt. So können die DN-Leser alle wichtigen Informationen zu dieser Krankheit noch einmal im Original nachlesen und in den ausführlichen Literaturangaben überprüfen. 

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Satiren:
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Mittwoch, den 14. November 2012 um 11:37 Uhr
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