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Aua760: SPIEGEL online und TseZ über die Straßenhunde in der Ukraine

{TS-Kritik}

 

Sehr ausführlich, sehr differenziert und im Synergieeffekt mit der gestrigen Tiere-suchen-ein-Zuhause-Sendung berichtet SPIEGEL online über die aktuelle Situation der Straßenhunde in der Ukraine.

 

Druck aus dem Ausland bringt Tierschutz nach vorn

Die feststellbaren Verbesserungen in der Situation der Straßenhunde zumindest in einigen Städten sind ganz klar auf den internationalen Druck zurückzuführen, der den grauenhaften Bildern der Hunde-Massentötungen vor der Fußball-Europameisterschaft folgte. Inzwischen habe die ukrainische Regierung ein Tötungsverbot verhängt; ein nationaler Aktionsplan zur Beherrschung der unkontrollierten Vermehrung soll ausgearbeitet werden.

Der SPIEGEL-Artikel wie auch der ausführliche Bericht in Tiere-suchen-ein-Zuhause beschreiben die Aktivitäten der verschiedenen vor Ort aktiven Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten und der Deutsche TierschutzbundSPIEGEL erwähnt dabei auch Medienberichte über Angriffe der Hunde auf Passanten und die bestehende Tollwutgefahr.

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Drei Straßen-Junghunde in der Ukraine: Sie sehen nicht schlecht aus. Welche Optionen sie haben, das harte Leben auf der Straße zu bestehen, hängt viel stärker von der ukrainischen Bevölkerung ab als von mit Spenden munitionierten (deutschen) Tierschutzorganisationen. Die können nicht überall sein! Wer den Tierschutzgedanken in die Mitte der ukrainischen Gesellschaft tragen möchte, muss kleinteilige, dezentrale Strukturen (Einzelpersonen!) unterstützen statt dezentrale Verwahreinrichtungen (Tierheime) zu errichten, die lediglich zur Verelendung führen. Absolut kontraproduktiv jedoch ist das sterile Abräumen des "Problems", das Einfangen und Deportieren der Straßenhunde nach Westeuropa, wie es viel zu viele deutsche Tierschutzorganisationen betreiben. Aber die haben auch nicht den Tierschutz im Sinn, sondern nur ihr Geschäft!
Bild: Stefan Hack

 

Gut in Kiew und Odessa, katastrophal in Charkow

Mit TV-Spots und Werbeplakaten würden auch private Hundehalter angesprochen und auf die Bedeutung der Kastration verwiesen.  In den Städten Kiew und Odessa stelle sich die Lage der Straßenhunde deutlich verbessert dar. Katastrophal sei nach wie vor die Situation in Charkow. Das WDR-Team besuchte dort ein Tierheim und wurde in bestimmte, mit Sichtschutz deutlich abgegrenzte Bereiche nicht hineingelassen. Kommentar: „Die werden schon wissen warum!“

Dass sich in Charkow die Lage nicht verbessert, liegt nicht an den Tierschützern, wie auch der WDR-Redaktionstext ergänzend preisgibt. Die dortige Stadtverwaltung habe bisher alle Kooperationsangebote zurückgewiesen. 

Richtigster Ansatz

Ganz besonders viel Hoffnung verströmt die Berichterstattung über die Aktivitäten der ukrainischen Tierschützer, wie der WDR-Redaktionstext ergänzt:

              

Ukrainische Tierschützer

Gegen solche Tötungsstationen, und für eine weitere Verbesserung der Lage der Straßenhunde in der Ukraine kämpfen auch ukrainische Tierschützer schon seit Jahren. Die in Deutschland lebende Ukrainerin Natascha Romanenko beispielsweise hat über eine soziale Internetplattform ein Hilfsnetzwerk errichtet, um ukrainische Tierfreunde, die sich um verwahrloste Straßenhunde kümmern, finanziell zu unterstützen. Jedes Jahr fährt die 37-Jährige in die Ukraine, um sich einen Überblick über die Lage im Land zu verschaffen.

(WDR Tiere suchen ein Zuhause, Sendung vom 23.09.2012; Redaktionstext zu: Ein Hundeleben in der Ukraine

              

 

Tierfreundliche ukrainische Bevölkerung

Beruhigend in beiden Berichten ist der Hinweis auf die in weiten Teilen sehr hundefreundliche Bevölkerung. Die setzten auch den deutschen Tierschützern zunächst Widerstand entgegen, bis sie davon überzeugt werden konnten, dass sie „die Guten“ sind.

Damit bestätigt der SPIEGEL-Beitrag die Beobachtungen von Stefan Hack auf seiner Reise durch die Ukraine, wie sie in Aua543, Aua544, Aua546 und Aua549 dokumentiert wurden.

PETA und der Europäische Tier- und Naturschutz e. V. (ETN), beide Organisationen zu dem Thema Hundetötungen in der Ukraine intensiv zu Spenden aufgerufen hatten,  werden weder in dem WDR-Bericht noch im SPIEGEL-Artikel erwähnt.



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Doggennetz.de-Senf:

Am meisten Hoffnung machen Aktivitäten wie die von Natascha Romanenko. Denn wie segensreich deutsche oder internationale Tierschutzorganisationen auch immer mit ihrer aus dem Wohlstand gespeisten und importierten Tierschutzlogistik wirken mögen, an dem so gern aufgerufenen Bewusstsein der Bevölkerung wird das nichts ändern. Aber mit dem Aufbau von dezentralen und kleinteiligen Strukturen (Unterstützung von Einzelpersonen, welche Straßenhunde betreuen) bleibt das Geschehen in der Mitte der Gesellschaft und kann nur dort auch von anderen wahrgenommen werden. Dabei ist es sicherlich pädagogisch wertvoll, dieses Engagement auch durch einen finanziellen Obulus für die Betreuer interessant zu machen. Die betreuende und versorgende Zuwendung zu Straßenhunden muss sozial aufgewertet werden. Und sie muss für die ukrainische Bevölkerung beobachtbar bleiben. Das von ausländischen Dritten durchgeführte sterile „Abräumen“ der Straßenhunde aus dem Alltag und ihre "Deportation" wahlweise in zur systematischen Verelendung führende Tierheime oder gar nach Mitteleuropa wird die nötige und gewünschte Bewusstseinsveränderung nicht herbeiführen.

Leichte Zweifel persistieren auch ob des tatsächlichen Segens der großflächig durchgeführten Kastrationsaktionen. Nicht wenige Tierfreunde beschleicht ein ungutes Gefühl beim Wissen um die enge Kooperation bestimmter Tierschutzorganisationen mit ukrainischen Kliniken und Universitäten.

Immer wieder auch tauchen Berichte auf, dass selbst mit Ohrmarken als kastriert markierte Hunde getötet werden.

Und nicht zuletzt gibt es immer noch keinen Beleg für die These, dass diese immer nur punktuell durchführbaren Kastrationen die Straßenhunde-Population insgesamt und nachhaltig begrenzen. Allein: Bisher gibt es schlicht kaum Alternativen zu diesem Vorgehen.

Insgesamt jedoch bewegt sich einiges. Und deutsche Spender und Unterstützer haben sich die Meldung solcher positiven Trends mehr als verdient!


Weitere Doggennetz.de-Artikel zu diesem Themenspektrum:

Stefan Hack: EINE Wahrheit über die Hunde in der Ukraine:

Aua543 / Aua544 / Aua546 / Aua549

Hundetötungen in der Ukraine:

Aua415 / Aua418 / Aua424 / Aua430 / Aua435 / Aua439 / Aua471 / Aua480 / Aua492 / Aua541 / Aua552 / Aua577  / Aua 676 / Aua677

 
Proteste polnischer Tierschützer:

Aua316 / Aua317 / Aua320 / Aua341 / Aua369 / Aua372

 

Hundehilfe Russland e. V.:

Aua301 / Aua303 / Aua306 / Aua322 / Aua376 / Aua397 / Aua485 / Aua488

 

Straßenhunde in Moskau:

Aua635 (und Linkliste mit Videos und Literatur dort) / Aua743

 





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Montag, den 24. September 2012 um 08:30 Uhr
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