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Aua743: Beißwütige Straßenhunde in Russland: Keine Lösung ohne Massentötungen?

 

{TS-Kritik}

„Die Russische Agentur für internationale Informationen RIA Novosti gehört zu den im In- und Ausland angesehensten und professionellsten Quellen der operativen Information“, so die Eigenwerbung des „offenen Informationspodium“ für die Durchführung von Presseveranstaltungen und die Begegnung von Journalisten.

RiaNovosti veröffentlich mit heutigem Datum in der Rubrik <Meinung> einen auffallend ausführlichen und mit den genannten Fakten eindrücklichen Artikel über Russlands Straßenhundeproblem: Beißwütige Straßenhunde in Russland: Tierschützer vs. Hundekiller.

Der im Ausdruck fast fünf DIN-A4-Seiten umfassende Artikel vom Aleksander Krjaschev beleuchtet das Problem sowohl aus der Perspektive der selbst ernannten Hundekiller wie auch aus derjenigen der (inländischen) Tierschützer. Und die hohe Anzahl von Beißattacken gegen die Zivilbevölkerung bleibt nicht außen vor.

 

2008: 16.600 Moskauer gebissen

Bevor man sich in dem Artikel auf den Passus über die Hundekiller stürzt, sei der kurze Blick auf die erschütternd hohe Anzahl von Beißattacken gerichtet, welche zumindest zum Teil die Energie der Hundetöter erklärt. Vorweg: Die (behördlichen) Angaben seien nicht zuverlässig, bewertet der Autor. Aber er zählt Einzelfälle aus diesem Jahr auf. Darunter auch mehrere Todesfälle, etwa ein 13 Jahre altes Kind, das auf der Flucht vor Straßenhunden zu Tode gekommen sei. Ein 19-jähriger Student und eine Frau, beide seien  totgebissen worden.

Wer bedenkt, was allein der Fall <Wolkan> in der Bundesrepublik  für Hunde und Hundehalter von Grund auf alles geändert hat, muss die Angabe der russischen Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsormit mit 16.600 Beißvorfällen allein in Moskau für das Jahr 2008 bei der Lösungssuche aus tierschützerischer Sicht entsprechend ins Kalkül ziehen!

Klar ist auch: Die Behörden kümmern sich nicht um das Problem. Kein Wunder also, wenn die Bevölkerung es selbst in die Hand nimmt.

 

Internet-Treffpunkt für Hundemörder

Der Autor des RiaNovosti-Artikel konnte Kontakt zu einem Hundekiller herstellen, der im Internet unter dem Decknamen „Dogmeat“ auftritt. Dessen Schlüsselerlebnis:

              

Dogmeat erschoss vor anderthalb Jahren erstmals einen Hund, als Straßenhunde einem Nachbarjungen im sibirischen Krasnojarsk ein Auge beinahe ausgebissen hätten.

(Aleksander Krjaschev: "Beißwütige Straßenhunde in Russland: Tierschützer vs. Hundekiller, RIANovosti, 29.08.2012)  

              

Ein weiterer Insider, Maxim, berichtet von (nur?) 100 Doghuntern in Russland und der Ukraine, die sich auf einer eigenen Website – www.Vredy.org – treffen und  dort ihre Erfahrungen und Techniken austauschen. Zu den Techniken etwa gehöre das Tuberkulose-Medikament Isoniazid:  leicht verfügbar, billig und effektiv. Auf Vredy.org brüstet sich ein Hundekiller, allein mit Isoniazid 1.000 Hunde getötet zu haben.

 

Tierschützer jagen Doghunter

Die Hundeschützer, die im Artikel ausdrücklich als „überwiegend Frauen“ kategorisiert werden, versuchen, diese Doghunter ausfindig zu machen. Gemäßigtere unter diesen bemühen sich, die Doghunter vor Gericht zu bringen; Radikalere exerzieren ihre Bestrafung in Selbstjustiz.

 

Hundetötungen in Europa noch nicht lang her

Ohne direkte Bezugnahme auf die moralische Missionsarbeit europäischer Tierschützer, erwähnt der Autor des Artikels aber auch, dass Hundetötungen in Mitteleuropa noch nicht so lange her sind. Noch in den Jahren nach dem Krieg war die Tötung von Straßenhunde Usus. Und 1987 seien allein in Großbritannien 90.000 Hunde euthanasiert worden.

 

Kastrationsprojekte ohne Erfolg

Erneut wird auch in diesem Artikel auf die Moskauer Erfahrungen zwischen 2002 und 2008 Bezug genommen, als mit einem Investitionsvolumen von fünf Millionen Euro Straßenhunde kastriert und wieder freigesetzt wurden. Diese Aktion habe keinen spürbaren Erfolg gebracht.

 

Tierheime seien Konzentrationslager

Auch der neue Weg der Behörden, die Tiere in Tierheimen zu kasernieren, löse das Problem nicht und führe zu weiterer Verelendung. Die Tierschützer vor Ort gehen so weit, diese Tierheime als Konzentrationslager zu brandmarken, in denen lediglich Freiwillige hunderte von Hunden zu betreuen hätten. In einigen Fällen könnten diese Hunde nur einmal pro Woche gefüttert werden. Überdies sei der Betrieb solcher „Tierheime“ ein lukratives Geschäft für Schwindler.

 

Euthanasie: Nur hinter vorgehaltener Hand

Im Zweiergespräch zu hören ist dieses Statement häufiger, auch von Tierschützern mit Vorort-Kenntnis. Doch öffentlich getraut sich kaum einer, die Wahrheit zu sagen: „Hinter vorgehaltener Hand räumen einige Tierschützer ein, dass die Zahl der Straßenhunde ohne Massentötungen nicht verringert werden kann“ (ibid.).

Als internationale Tierschutzorganisation, welche dieses Vorgehen unterstütze, wird mit Bezug auf die Journalistin Nadeschda Worobjowa PETA genannt:

              

Eine Massentötung könnte Russlands Ruf im West beschädigen, obwohl die internationalen Tierschutzorganisationen wie PETA dieses Vorgehen unterstützen, so Worobjowa.
(ibid.) 

              

Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater von PETA Deutschland e. V., erklärt dazu auf Anfrage der Doggennetz.de-Redaktion, dass es eine derartige Stellungnahme, aus der Unterstützung für Massentötungen ablesbar wäre, nie gegeben habe. Die Haltung von PETA Deutschland e. V. zu diesem Problem sei eindeutig und zigfach auf den Websites der Tierrechtsorganisation nachlesbar. Wie auch im Türkei-Straßenhunde-Projekt dokumentiert, sei Kastrieren und Aussetzen Konzept und Praxis von PETA Deutschland e. V.


Zurück zum RiaNovosti-Artikel:  Die  Experten wiesen darüber hinaus darauf hin, dass das Problem durch die staatlich regulierten Tötungen nicht gelöst werde! Wissenschaftler wüssten auch warum: „Es handelt sich um ein soziales und nicht um ein ökologisches Problem“, wird Jelena Kornewa vom Forschungsinstitut für Stadtmilieu zitiert. Wer das Straßenhundeproblem effektiv angehen wolle, müsse sich zunächst um eine funktionierende Müllentsorgung kümmern. Denn auf den frei zugängliche Mülldeponien fänden die Streuner Futter.


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Doggennetz.de-Senf:

Der Artikel gibt jede Menge Informationen. Einige Thesen wie die von dem in Moskau gescheiterten Kastrationsprojekt sind gründlicherer Analyse würdig (vgl. auch Aua599), wurde doch von deutschen Tierschutzorganisationen schon zu einem frühen Zeitpunkt das „halbherzige“ Herangehen der Moskauer Behörden an dieses Projekt kritisiert. Auch das Stichwort Korruption gehört in die nüchternere Bewertung mit hinein.

Der Artikel gibt jede Menge Informationen. Nur eines erwähnt er nicht: Dass die Aktivitäten deutscher und mitteleuropäischer Tierschutzorganisationen, die seit Jahren und Jahrzehnten dafür Spenden sammeln, in irgendeiner Weise zur Lösung des Problems beigetragen hätten, beitragen würden oder in Zukunft möglicherweise beitragen könnten. Aus der Sicht eines fünf DIN-A4-Seiten umfassenden Artikels zum Thema russische Straßenhunde aus der Inlandsperspektive heraus sind deren Bemühungen offensichtlich derart marginal, dass sie überhaupt nicht zur Erwähnung kommen.

Die einzigen, die mitteleuropäischen Tierfreunden dauernd von ihren sensationellen Erfolgen vor Ort vorschwärmen, sind … die Sammler selbst!

Denke, Schelm!

 

Weitere Doggennetz.de-Artikel zu diesem Themenspektrum:

Stefan Hack: EINE Wahrheit über die Hunde in der Ukraine:

Aua543 / Aua544 / Aua546 / Aua549

Hundetötungen in der Ukraine:

Aua415 / Aua418 / Aua424 / Aua430 / Aua435 / Aua439 / Aua471 / Aua480 / Aua492 / Aua541 / Aua552 / Aua577  / Aua 676 / Aua677

 
Proteste polnischer Tierschützer:

Aua316 / Aua317 / Aua320 / Aua341 / Aua369 / Aua372

 

Hundehilfe Russland e. V.:

Aua301 / Aua303 / Aua306 / Aua322 / Aua376 / Aua397 / Aua485 / Aua488

 

Straßenhunde in Moskau:

Aua635 (und Linkliste mit Videos und Literatur dort)





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Donnerstag, den 30. August 2012 um 11:21 Uhr
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