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Aua581: Ukraine, der Tierschutz und Rinat Akhmetov: Was Tierfreunde vielleicht noch wissen sollten?

{TS-Kritik}


 

Aktualisierung vom 2. Oktober 2013:

Der Europäische Tier- und Naturschutz e. V. (ETN) hatte gegen den Doggennetz.de-Artikel Aua697 im Jahr 2012 beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung erwirkt. Bestandteil dieser einstweiligen Verfügung (Az. 28 O 275/12) waren auch Äußerungen in diesem Artikel. Die inkriminierten Textpassagen waren dann von der DN-Redaktion sofort nach Erhalt der einstweiligen Verfügung am 24.09.2012 entsprechend geändert worden.

Die anschließende Klärung des Rechtsstreits zog sich bis vor das Oberlandesgericht Köln, wo der ETN schlussendlich den Antrag auf einstweilige Verfügung zurückzog. (Siehe dazu auch Aktualisierung vom 02.10.2013 in Aua697!).

Sowohl die zuvor inkriminierten Äußerungen in Aua697 wie die inkriminierten Äußerungen in diesem Artikel dürfen alle wieder in der Originalversion veröffentlicht werden.

Der Artikel wurde entspechend von der DN-Redaktion am 2. Oktober 2013 in seine Ursprungsversion zurück versetzt. Um die strittigen Textpassagen für die DN-Leser nachvollziehbar zu machen, sind diese violett markiert.

 

 

Jürgen Roth gehört zu den bekanntest investigativen Journalisten in Deutschland. Er gilt als Spezialist des Mafia-Kapitalismus. Seit 1971 veröffentlicht er brisante TV-Dokumentationen und erfolgreiche Bücher.

Selbstverständlich kommt ein Spezialist dieser Materie an einer Figur wie Rinat Akhmetov, Partner und Sponsor des Europäischen Tier- und Naturschutz e. V. (ETN),  nicht vorbei. Deshalb gibt es einen phantastischen, sehr ausführlichen und hochmutigen Artikel von Roth zum „Pate von Donezk“ und dessen märchenhaften Aufstieg.

Der Artikel ist sehr lang. Deshalb hier für diejenigen Leser, die sich nicht die erforderliche Zeit für diese atemberaubende Biografie eines bedeutenden Partners des ETN nehmen möchten, einige Auszüge:

              

Da ist zum einen Rinat Akhmetov, der auf die eine oder andere Art und Weise die knapp fünf Millionen Einwohner der Industrieregion [gemeint ist: Donzek – Anm.d. Red.]  im Griff hat.

(Jürgen Roth: Die Paten von  Donezk und der märchenhafte Aufstieg des Rinat Akhmetov, 2007; alle Hervorhebungen d. Red.)  

              

Parallelen zur Situation der Pressefreiheit in Deutschland – zumindest hinsichtlich des Themas Spenden sammelnder Groß-Tierschutzorganisationen:

              

Es gab in der Vergangenheit nur wenige Journalisten, die es wagten, andere Wahrheiten als diese offiziell verkündete zu veröffentlichen. Das Donezk-Gebiet war bis vor kurzem ein mediales schwarzes Loch. Presse- und Meinungsfreiheit gab es nicht. Und die Handvoll Journalisten, die mutig waren wie Sergej Tumanjuk sagen: „Diese Dongorbank ist inzwischen die größte im Donezkgebiet, weil sie mit Erpressung fast alle großen Unternehmen als Kunden hierher gezwungen hatte.“
Damit dürfte er ein Problem berührt haben, dass bisher nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird. Schließlich, so munkelte man, habe Rinat Akhmetov seine rasante Karriere ganz anders begonnen und zwar Ende der achtziger Jahre als kleiner Hütchenspieler
. Und mit Schutzgelderpressung in diesen Kreisen dürfte er Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre wohl auch in Berührung gekommen sein.

(ibid.)

              

Dann noch Zitate von Roth, die einen Bezug zu der „Tierliebe“ des Oligarchen haben könnten:

              

Außerdem unterstützt er, ein Tartare, offiziell die Partei der Moslems, die auch in Donezk gegründet wurde, und wirkte an der Gründung der Moslemischen Universität mit.

(ibid.)  
              

Spendenbedarf oder warum deutsche Tierfreunde hochdringend Geld für den Tierschutz in der  Ukraine lockermachen sollten:

              

Auf jeden Fall steht Rinat Akhmetov auf der Liste der hundert reichsten Osteuropäer auf dem 15. Platz. Sein Vermögen wird auf 2,1 Milliarden US-Dollar geschätzt – eine durchaus beachtliche Entwicklung für einen einstigen Hütchenspieler.

(ibid.)  
              

Roth beschreibt Akhmetov als Gönner des Wahlkampfs von Viktor Janukowitsch im Jahr 2004. Die Unterstützung sei nicht nur materieller Natur gewesen:

              

Während der orangen Revolution und des Wahlkampfes sorgten Banditen im Donezk dafür, dass die Anhänger von Juschtschenko keine Möglichkeiten hatten ihren Favoriten entsprechend zu verteidigen. Die Miliz schaute zu, wenn Schlägertruppen Anhänger von Juschtschenko verprügelten. Ein Betroffener: „Und danach machten sie sofort Drohanrufe bei den anderen Parteibüros, die in Donezk für Juschtschenko arbeiteten. Wenn Ihr nicht aufhört, sagten sie, dann passiert Euch dasselbe wie Siknajew. Man braucht schon Mut, um hier für die Demokratie zu kämpfen.“
Damit, so wurde vermutet, habe der große Pate sich gegenüber Janukowitsch für seinen Reichtum in dessen Amtszeit als Premierminister in Kiew und Gouverneur im Donezk erkenntlich zeigen wollen. Bis heute ist nicht ganz klar, ob er Viktor Janukowitsch als Strohmann für seine eigenen politischen Ambitionen vorgeschoben hat, was er in der Vergangenheit weit von sich gewiesen hatte.

(ibid.)

              

Wie weitreichend die Macht von Akhmetov in Donezk wahrgenommen wird:

              

Im Donezk jedenfalls kursiert die Erkenntnis: „Eine Fliege kann nicht fliegen, wenn Akhmetov nicht zustimmt.

(ibid.)  
              

Wenn Fliegen in Donezk nicht ohne Akhmetovs Okay fliegen können, warum …

Noch deutlicher zur Machtstruktur in der Region:

              

Die mehr oder weniger korrupten Seilschaften aus Politik und Wirtschaft kontrollierten inzwischen die politische Infrastruktur und begrenzten den politischen Wettbewerb, indem sie alle möglichen Konkurrenten bedrohten und ausschalteten. Öffentliche Institutionen wurden de facto für private Geschäfte eingenommen. Gesellschaftliche Organisationen nur deshalb gegründet, um andere Gruppen zu marginalisieren und die Entstehung zivilgesellschaftlicher Organisationen zu unterbinden.
Die Machtelite beherrscht auch den regionalen öffentlichen Diskurs, denn die staatliche Verwaltung und verschiedene Betriebe und Unternehmensnetzwerke kontrollieren einen Teil der Medien auf der regionalen Ebene direkt oder indirekt.

(ibid.)  
              

Eine besondere Rolle dabei spielt ein Jevgenij Sherban, von dem Roth schreibt:

              

Und er galt als ein Repräsentant der kriminellen Strukturen, in denen langsam aber sicher ein junger ehrgeiziger Mann auftauchte. Seine Name Rinat Akhmetov.

(ibid.)  
              

Immer wieder der Konnex zur Kriminalität:

              

Während der Perestroika schloss er [Rinat Akhmetov – Anm. d. Red.]  sich, gerade mal 22 Jahre alt, in der Millionenstadt Donezk mit einem Akhat Bragin zusammen, der bereits den Schwarzhandel, das illegale Glücksspiel und die Hotelprostitution kontrollierte. Bragin wiederum begann seiner Karriere als Toilettenmann in der Bahnhofsstation Kiew und wurde gleichzeitig vom KGB angeworben. Dann ging er ins Donezk, um dort Fortüne zu machen.
Bragin lobte seinen neuen Partner Akhmetov als Mann mit schneller Auffassungsgabe und der Fähigkeit schnell zu handeln.
Kenner der Szene sprechen davon, dass er für Bragin, Spitzname Alik Grek, anfangs die Drecksarbeit erledigt hatte. Um sich gegenüber anderen kriminellen Syndikaten durchzusetzen wurden die Konflikte ausgeschossen, denn Anfang der neunziger Jahre war Akhat Bragin noch von einigen Konkurrenten umgeben.
Zahllose junge Menschen, die sich den herrschenden Banditen angeschlossen hatten wurden in den blutigen Kämpfen erschossen und sind bis heute verschwunden.

(ibid.)  
              

Die „eigentliche Entstehungsgeschichte des Donezker Industriellen-Clans"  beschreibt Roth mit folgenden Ingredienzien: Erpressung, Korruption, Mord.

Das Verhältnis zur Staatsgewalt enthielt nach Roth eine gewisse "Dynamik": „Sehr oft konnten Bragin und Akhmetov in letzter Minute vor der Verhaftung fliehen.“

An dieser Stelle brechen wir die Zitate auch aus urheberrechtlichen Gründen ab.

 

Fazit

Der Europäische Tier- und Naturschutz e. V. (ETN) gibt als Garanten für den Tierschutz im Gebiet Donezk, als Partner und Sponsor einen ukrainischen Oligarchen an, der von Experten der Szene in einem Atemzug mit organisierter Kriminalität, Schutzgelderpressung, Prostitution, Schwarzhandel, Korruption und Mord genannt wird.

 





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Freitag, den 30. März 2012 um 20:05 Uhr
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