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Aua528: Doggennetz-Kommentar zum Aus von CharityWatch.de

{TS-Kritik}

 

CharityWatch.de stellt die Arbeit ein. Der Herausgeber, Betreiber und Finanzier Stefan Loipfinger hat es hier verkündet. Ein wichtiges kritisches Medium bleibt nur noch als Archiv enthalten.

Als engagierte freie Mitarbeiterin von CharityWatch.de bin ich, Karin Burger, sowohl persönlich als auch über meine Internetpräsenz www.doggennetz.de von diesem Aus betroffen, denn ein dreiviertel Jahre lang hatte ich bei CharityWatch.de die Redaktion Tierschutz inne.

Der nachfolgende Kommentar  betrifft nur den Bereich von CharityWatch.de, der sich mit Tierschutz befasst hat.

 

Respekt vor dieser Haltung

Zuerst zolle ich meinem Journalistenkollegen Stefan Loipfinger meinen Respekt für die Haltung, mit der er das Ende seines Projektes verlautbart. Uns beiden ist vollkommen bewusst, dass die unlauteren Kräfte, die von Anfang an gegen diesen Informationsort agiert haben, zunächst einmal triumphieren werden.

Doch die Niederlage, falls dieser Begriff überhaupt angebracht ist,  betrifft keine Personen; sie trifft ein wichtiges Thema: den Tierschutz! Nach Meinung dieser Redaktion eignet dem, was die subversiven Kräfte sich jetzt sekttrunken als Bingo  anheften werden, alle Merkmale des Pyrrhussieges.

Das Aus von CharityWatach.de kann keine Personen treffen, denn es ist genuine Aufgabe von Journalisten, über Missstände zu berichten. Stefan Loipfinger und ich haben über einen langen Zeitraum hinweg über gravierende Missstände im Spendenbereich, hier: im Tierschutz, berichtet.

Doch die „Arbeitsbedingungen“, unter denen wir dies getan haben, weichen von denen der durchschnittlichen Journaille ab. Nicht stand hinter uns ein großer Verlag, der das Gesamtprojekt finanziert und auch rechtlich vertritt, sondern Stefan Loipfinger publizierte in eigener Verantwortung. Die üblen Verleumdungen dahingehend, dass sich Betreiber und Autoren auf CW durch ihr als schändlich gebrandmarktes Werk auch noch bereichern würden, waren nie glaubwürdig. Im Artikelabsatz „Finanzen“ beziffert Stefan Loipfinger das finanzielle Defizit für ihn rund um das Projekt CharityWatch.de mit rund 250.000 Euro.

 

Intellektuelle Transferleistung zumutbar

Bei CharityWatch.de ging es immer um das Informationsangebot. Dieses steht und bleibt weiter erhalten.

An irgendeinem Punkt dann aber macht es einfach keinen Sinn mehr, noch diesem Verein und jenem Verein und dieser unter dem Label Tierschutz agierenden Privatperson und jener GbR Intransparenz und andere Kritikpunkte nachzuweisen. Die Dokumentation liegt jetzt für dermaßen viele Vereine und Organisationen vor, dass Lesern, Tierfreunden und Spendern die intellektuelle Transferleistung zugemutet werden kann, bei dem von ihnen unterstützten Verein nach den vielfach genannten Kriterien selbst nach dem Rechten zu schauen und sich eine Grundhaltung freundlicher Skepsis gegenüber den Verlautbarungen und Behauptungen von Tierschützern anzueignen.

 

Sie prozessieren uns in Grund und Boden

Neben dem finanziellen Aspekt, und auch das hebt Loipfinger in seinem Artikel deutlich hervor, ist es aber vor allem die Klage(toll)wut der Kritisierten, die jedem weiteren Einsatz in dieser Richtung den Anstrich des Märtyrertums und der Selbstzerstörung verpassen würde. Nur die ganz schlichten Gemüter lassen sich erfolgreich die Verzerrung indoktrinieren, dass dieser Welle von Unterlassungsbegehren, einstweiligen Verfügungen und Klagen tatsächliche Rechtsverletzungen unterliegen würden. Vielmehr – und vor dieser Aufgabe stehen dann auch immer die Gerichte – ist es fast ausschließlich die Güterabwägung zwischen Pressefreiheit auf der einen und Persönlichkeitsschutz auf der anderen Seite. Dass die deutsche Rechtsprechung aktuell vereinzelt dahin tendiert, dem Persönlichkeitsschutz gegenüber der Pressefreiheit den Vorrang einzuräumen, ist ein Phänomen, das weder exklusiv CharityWatch.de noch Doggennetz.de noch überhaupt unseren Themenbereich betrifft, sondern allgemein und von den Hütern des Grundrechts auf Meinungs- und Pressefreiheit kritisch bewertet wird. In Aua491 wurde dieser Problembereich schon einmal skizziert.

Aus aktuellem Anlass habe ich mich jüngst mit der Rechtsprechung zum Thema Satire eingehender beschäftigt. Ich wusste bis dahin nicht, dass es so brisant um die Freiheit der Kunst (Satire IST Kunst) und der Presse in unserem Lande steht.

 

Tierschutzgelder für Anwälte und Gerichte

Abgesehen von der juristischen Thematik und den Attacken auf die Pressefreiheit bergen die endlosen Prozesse und Klagen der Tierschutzorganisationen gegen kritische Journalisten, wie auch Loipfinger hervorhebt, den besonders bitteren Aspekt, dass sie diesen enormen und kostenintensiven Aufwand mit den Geldern bestreiten, die eigentlich für die Tiere bestimmt waren. Wenn man das Geld für solche Verfahren nicht selbst aufbringen  oder den Anlass für diese vor einer Rechtschutzversicherung vertreten muss, wird der Gang vor die Gerichte zum sorglosen Spiel ohne eigenen Einsatz. Da spielt es dann auch überhaupt keine Rolle mehr, ob die klagenden Tierschützer für den zurückgewiesenen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung mal eben knapp 2.000 Euro Tierschutzgelder an ein Gericht berappen müssen.

Gerade letzte Woche hat wieder so ein Fiasko vor dem Amtsgericht in Mannheim mit dieser Redaktion nicht bekannten Kosten stattgefunden, die vollständig von dem die einstweilige Verfügung beantragt habenden Kläger getragen werden müssen. Das sind alles Gelder, welche den Tieren verloren gehen. Und trotzdem gibt es genug Claqueure, die dieser sinnlosen und nur dem Ego nicht kritikfähiger Vereinsvorstände dienenden Verschwendung auch noch zujubeln.

Ja, dann!

 

Konsequenzen für Doggennetz – Teil 1

Angesichts dieser Ausgangslage bleiben nur zwei Möglichkeiten: Die Arbeit einstellen, wie CharityWatch.de es jetzt tut, oder die Strategie modifizieren, wie Doggennetz.de es künftig tun wird.

Recht eigentlich ist es keine Modifikation für die DN-Redaktion, sondern die Rückkehr zu früheren Gepflogenheiten, die sich bewährt hatten. Das Grundanliegen von Doggennetz.de ist es von jeher gewesen, auf die unterliegenden Strukturen für die vielfältigen und teilweise (für die Tiere) tödlichen Defizite im Tierschutz zu verweisen. Und dafür ist die Nennung der Namen Verantwortlicher nicht immer zwingend notwendig.

 In über 500 Artikeln auf Doggennetz.de ist bis dato schon  hinreichend dokumentiert, dass es für den Tierschutz insgesamt relativ gleichgültig ist, ob der für ein bestimmtes Vorgehen zu kritisierende Verein XYZ oder ZYX heißt oder gar kein Verein ist. Auf CharityWatch.de war die Situation diesbezüglich anders. Aber Doggennetz.de wird künftig noch viel häufiger auf Namensnennung verzichten.

Und ganz besonders betrifft das die Doggennetz-Satiren. Deren satirische Wucht bleibt dieselbe, ob die bis zur Kenntlichkeit entstellten Vereine und Personen namentlich genannt werden oder nicht. Zwar bedarf es dann für deren Dekodierung eines gewissen Insiderwissens, aber diese Einschränkung nimmt die Satirikerin zugunsten ihrer Lebensqualität gern in Kauf.

 

Konsequenzen für Doggennetz – Teil 2

Aber auch diese Rückbesinnung oder Modifikation wird nur dann stattfinden und möglich sein, wenn diejenigen Leser von Doggennetz, die der Redaktion in vielen E-Mails immer wieder vortragen, wie wichtig dieser Medienort für das Thema und sie persönlich sei, diese Wertschätzung auch in einem lächerlich geringen Lesegeld zum Ausdruck bringen.

Meine Arbeit für Doggennetz.de ist mein Beruf, kein Hobby. Wie bei anderen im Internet veröffentlichenden Journalisten und Publizisten auch (vgl. auch Wikipedia), müssen sich Doggennetz-Leser die Aufforderung gefallen lassen, doch bitte ein kleines Lesegeld zu entrichten, um dieses Informationsangebot auch für die Zukunft aufrechterhalten zu können. Wenn nur der Hälfte der täglichen Doggennetz-Leser dieser Service 5 Euro Lesegeld pro Monat wert wäre, dann wäre die Finanzierung von Doggennetz.de und meiner Arbeit hier gesichert.

CharityWatch.de ist jetzt für weitere Berichterstattung verloren. Es liegt in der Hand der Doggennetz-Leser, wie es mit dieser letzten Bastion nahezu tagesaktuell kritischer publizistischer Begleitung des Tierschutzes weitergeht. (Vgl. dazu auch den DN-Startseiten-Text mit Bankverbindung unten.)





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Montag, den 27. Februar 2012 um 13:47 Uhr
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