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Aua477: Dilettantismus tötet: Parvovirose auf dem Gnadenhof Lehnitz

{TS-Kritik}

 
<<<Bitte beachten Sie den unten stehenden Leserbrief als Aktualisierung vom 20.01.2012>>>


Der Betreiber der Website D
eutschlandsagtnein.com, die schon Thema in Aua474 war, teilt dem verantwortungsbewussten Teil der Tierschützer und Hundehalter mit, was auch die Betreiberin des Gnadenhofs Lehnitz auf ihrer Website in der Rubrik "Neuigkeiten 2012" bestätigt: Dort ist die Parvovirose ausgebrochen!

Um nicht einer Falschmeldung aufzusitzen, hat die Redaktion diese Faktum heute telefonisch beim Gnadenhof Lehnitz nachgefragt: Die Parvovirose wurde bestätigt! Es handele sich um einen Welpen.

Welpen auf einem Gnadenhof?

Die „Profis“ von deutschlandsagtnein.com sind so nett, die Zustände auf dem Gnadenhof Lehnitz eingehender zu schildern, was Sachkundigen das kalte Grausen über den Rücken jagt:  Ein Hund sei schon tot; ein anderer in der Klinik. Durch die Hartnäckigkeit der Parvoviren müssten die Gnadenhofbetreiber jetzt alles an Decken, Bettwäsche und so weiter wegwerfen und erneuern.

Ergo: Die Parvovirose-Hunde waren mitten im Bestand! Keine Quarantäne, keine Absonderung!

Nachdem, was bisher über diesen „Gnadenhof“ bekannt wurde (vgl. Aua251, Aua275, Aua344), ist das keine Überraschung.

Im Übrigen wird dieser Seuchenausbruch als Schicksalsschlag dargestellt, was er definitiv nicht ist. Eine Tierauffangstation, in der Parvo unter oben geschilderten Bedingungen ausbricht, hat ganz offensichtlich gegen bestehendes Tierseuchenrecht verstoßen, vorgeschriebene und dem Schutz der Tiere dienende Quarantänebestimmungen nicht eingehalten und ungeimpfte bzw. kranke Tiere in einen Bestand übernommen. Grob fahrlässig!

Dazu passt auch, dass das zuständige Veterinäramt bis heute über diesen gravierenden Seuchenausbruch nicht informiert war.

Übrigens ist die Information auf oben genannter "Deutschland"-Site, dieser Hof nehme „Viecher“ auf, die sich kein anderer Verein an die Backe nagele, falsch. Der Gnadenhof Lehnitz ist, trotz der Skandale der Vergangenheit, zumindest gemäß den Bekundungen auf der eigenen Website Kooperationspartner folgender Vereine:

-        www.for-animals.de

-          www.respektiere.com

-          www.tierhilfe-marsaalam.org

-          www.prohund.info

-          www.hoffnung-fuer-streuner.de

-          www.stray-einsame-vierbeiner.de (CharityWatch-Warnlisten-Verein!)

-          www.tierhilfe-montenegro

-          www.aktiontier.org (CharityWatch-Warnlisten-Verein!)

-          www.projekt-pusztahunde.de

-          www.muditierhilfeweyer.de.to

-          www.glueck-auf-4-pfoten.de


Adoptanten dieser Organisationen sind gut beraten, sich eingehend zu erkundigen, wo der Hund, für den sie sich interessieren, in Deutschland untergebracht ist.

Auf eine weitere Verbreitung der Parvo können wir alle prima verzichten!


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Leserzuschrift am 20. Januar 2012


Zu diesem Artikel erreicht uns folgende Leserzuschrift:

              

Sehr geehrte, liebe Frau Burger,

ich finde es sehr gut, dass Sie auf Doggennetz wieder auf einen massiven Missstand in der praktischen Tierpflege hinweisen, wie er auch in jedem deutschen Tierheim vorkommen kann (und vermutlich auch vorkommt).

Nicht umsonst habe ich daher in meinem Lehrbuch Tierfachkraft (Hunde) auch mehrere Seiten über Krankheiten von Welpen, Parvovirose, Quarantäne und Hygienemaßnahmen geschrieben.

Letztere sind von ganz entscheidender Bedeutung, weil es sich bei der Parvovirose (Parvo-Viren) um unbehüllte Viren handelt, die man nicht mit "Sagrotan" und "Meister Proper" inaktivieren ("abtöten") kann.

Hier handelt es sich meines Erachtens wieder mal um einen typischen Fall von mangelnder Sachkunde!

Angesichts der Tatsache, dass ein Welpe bereits tot ist, frage ich mich: Wie kann es möglich sein, dass jemand unzählige Tiere auf einem "Gnadenhof" hält, ohne die dafür erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu besitzen? Hier ist dringend der Gesetzgeber gefordert.

Zwar gibt die Betreiberin des "Gnadenhofes" auf ihrer Internetseite an, eine Genehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz zu besitzen, offensichtlich wurden die Themen Welpen, Parvovirose, Quarantäne und Desinfektion aber nicht oder nur ungenügend geprüft.

Eine Pflicht zur Information des Veterinäramtes besteht allerdings nicht, weil die Parvovirose bei Hunden weder zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen, noch zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten gehört (siehe Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen und Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten). Sinnvoll wäre dies allerdings trotzdem gewesen, damit der Amtstierarzt den "Gnadenhof" über geeignete Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen beraten kann (z.B. Verwendung des Präparates Venno Vet 1 super). Ich bin gerne bereit, dem "Gnadenhof" einen Kanister dieses Desinfektionsmittels zu spenden, damit nicht weitere Tiere sterben müssen.

Martin Krause
Tierpfleger für Hunde
Ausbilder für Tierpfleger (Fachrichtung Tierheim und Tierpension)

              

 





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Mittwoch, den 18. Januar 2012 um 20:33 Uhr
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