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Aua439: Ukrainisches Fernsehen? zeigt Hunde-Massengrab in Odessa

{TS-Kritik}

 

Quellenlage: Der nachstehend verlinkte Bericht wurde angeblich im ukrainischen Fernsehen ausgestrahlt und bekäme damit zunächst einmal einen höheren Grad an Glaubwürdigkeit.

Der Beitrag Mass burial of dogs in Odessa ("Hunde-Massengrab in Odessa") des „Fernsehsenders“ TCH ist auf YouTube verfügbar.

 

Ist das wirklich offizielles Fernsehen?

Eine Einschränkung erfährt dieser Status allerdings dadurch, dass dieser angebliche Sender TCH zumindest in der Liste der häufiger gesehenen ukrainischen Fernsehsender nicht auftaucht.

Auch in dieser Liste freier TV-Sender in der Ukraine taucht TCH nicht auf:

Das ist bedenkenswert!

Noch einen Glaubwürdigkeitsabzug erfährt der angebliche Fernsehsender dadurch, dass über diesen expressis verbis für den ETN und Prinzessin Maya zu Hohenzollern geworben wurde. Hier!

Nun ließe sich einwenden, dass der Besuch und das Engagement deutscher Tierschützer in der Ukraine auf jeden Fall berichtenswert ist.

Schon, bloß …. Da waren jüngst ja noch andere bekannte große deutsche oder auch österreichische Tierschützer in der Ukraine unterwegs und tätig. Zu deren Aktivitäten finden sich bzw. finden wir nun aber keine Beiträge von „TCH“. (Wer diesbezüglich fündig wird, gerne melden!)

Interessant ist aber auch, dass der „berühmte“ und derzeit häufigst zitierte Beitrag in ARD-BRISANT über die Hundetötungen der Ukraine auch auf Material von „TCH“ zurückgreift, das am Logo deutlich erkennbar in den BRISANT-Bericht eingearbeitet wurde. Aus dem Off wird während der TCH-Bilder kommentiert, "das ukrainische Fernsehen" berichte regelmäßig. Der ARD-Brisant-Beitrag setzt also "TCH" mit "ukranisches Fernsehen" gleich.

aua439ukrainetch50  

Bildzitat Screenshot von 
http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=gwBN69-esPs am 20.12.2011.
Der ARD-Brisant-Bericht zu den Hundetötungen in der Ukraine verwendet ebenfalls Material mit dem Logo "TCH". Die Stimme aus dem Off spricht vom "ukrainischen Fernsehen".

Ein weiterer Punkt ist ungewöhnlich: Fernsehsender wie auch für das offizielle Fernsehen produzierende Subunternehmen stellen aktuelle Beiträge auf gar keinen Fall bei YouTube ein, denn sie wollen ihre Produktionen ja schließlich verkaufen.

Ohne tiefergehende Recherche und ohne Landeskenntnisse lässt sich also im Moment nicht beurteilen, ob es sich bei „TCH“ tatsächlich um einen offiziellen ukrainischen Fernsehsender handelt oder welcher Status diesem zukommt.

Ein anderer Link lässt die Vermutung zu, dass es sich bei TCH lediglich um eine Produktionsfirma von Fernsehbeiträgen handelt, denn in diesem Beispiel wird ausdrücklich hervorgehoben, dass der eingestellte Beitrag von dem offiziellen und auch gelisteten Fernsehsender  TV Channel 1+1 ausgestrahlt worden sei.

Wenn es aber sich nicht um das offizielle Fernsehen handelt, verliert der Beitrag an Glaubwürdigkeit und Aussagekraft (siehe auch die gelisteten Positiva unten).

 

Übersetzung der Aussagen des Beitrags

Über Tierschutzverteiler geht die Übersetzung der Texte dieses Beitrages, die von einer „Olga“ stammen sollen. Diese Übersetzung besagt:  Es seien die Leichen von über 200 Hunden gefunden worden. Die Anlieferung einer weiteren Fuhre Hundeleichen sei von Bürgern beobachtet und gefilmt worden. Dabei hätten sie auch das Kennzeichen des Fahrzeuges notiert. Die Frau vor der Kamera erzählte, dass allen kleinen Hunden das Genick gebrochen wurde. Die großen Hunde wiesen keine offenen Wunden auf. Es bestehe der Verdacht, dass sie erwürgt worden sein könnten.

Die Übersetzung gibt des Weiteren an, dass die Kadaver von der Polizei sichergestellt und zur Feststellung der Todesursache in ein Labor gebracht wurden. Nach dieser Übersetzung solle nach den vorliegenden Pathologieergebnissen ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet werden.

 

Aspekte der Hoffnung?

Vor lauter Entsetzen über den schrecklichen Fund darf man die "positiven" Aspekte dieses Beitrags nicht übersehen:

  1. Das Thema wird offen und kritisch und mit klarer moralischer Haltung im ukrainischen Fernsehen (?) ausgestrahlt.
  2. Gemäß der hier kolportierten Story haben ukrainische Bürger durch ihre Initiative diesen Fall aufgebracht und bekannt gemacht. Wenn das den Tatsachen entspricht, würde dies bedeuten, dass es sehr wohl Ukrainer gibt, die mit diesen Tötungen nicht einverstanden sind.
  3. Die Polizei rückt angeblich sofort an und nimmt den Fall auf.
  4. Die Kadaver werden angeblich sogar sichergestellt.

Nun läge es an den Medien vor Ort, zum Zeitpunkt X nachzufragen, was aus den polizeilichen Ermittlungen geworden ist.

Wenn TCH so einen tollen Beitrag über ein derzeit für die gesamte Ukraine relevantes Thema produziert hat, warum wird dieser dann nicht über Fernsehsender ausgestrahlt, für die man ihren Status als dem ukrainischen Fernsehen zugehörig auch überprüfen kann? Und warum versemmelt sich eine Fernsehproduktionsfirma den potenziellen Verkauf dieses Beitrags dadurch, dass das Video bei You tube eingestellt wird?


Noch mehr Fragen!

Aber damit ist der Informationsgehalt dieses aus welchen Quellen auch immer stammenden Filmbeitrags noch gar nicht ausgeschöpft: Wenn das hier alles stimmt: Bürger empören sich, Polizei rückt an, Ermittlungsverfahren, Strafanzeige - dann können doch die Hundetötungen nicht offizielle Politik der ukrainischen Behörden sein? Handelt es sich dann nicht schlicht und einfach um Kriminelle, abartige Tierquäler, Hundehasser etc., die es überall auf der Welt leider gibt?

Warum aber  fliegen  hohe Funktionäre deutscher Tierschutzorganisationen dann kohortenweise in die Ukraine, um mit den dortigen Kommunalvertretern zu verhandeln?

Ist das alles rund? Ist das stimmig?

aua125katzehngt  


Doggennetz-Senf:

Alle diese Fragen lassen sich vielleicht bündig und schlüssig beantworten. Aber erst einmal muss man sie stellen! Vorsicht ist angebracht, denn die deutschen Hauptakteure auf der Ukraine-Bühne haben in den letzten Wochen durch den Nachweis falscher Bilder und die Information ukrainischer Tierschützer, die Deutschen hätten keine  konkrete Hilfe geleistet, ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem bekommen. Da passt so ein leichenberstender angeblicher Fernsehbeitrag wie gespuckt!

 

 

 





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Dienstag, den 20. Dezember 2011 um 10:01 Uhr
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