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Aua438: TIERE SUCHEN EIN ZUHAUSE: Was der WDR dem Zuschauer verschweigt

 

{TS-Kritik}

[18.12.2011]

 

Die WDR-Tiervermittlungssendung Tiere suchen ein Zuhause macht mit der Sendung vom 18. Dezember 2011 auch ohne den nachstehenden Fall keine gute Figur. Einem aktuell nicht gemeinnützigen Verein wie CoSeNot (Cocker und Setter in Not e. V.) eine Bühne zu bieten, der pünktlich zur Sendung eigens weitere Hunde aus Spanien einführt (vgl. Aua434), wie seriös ist das für das Öffentlich-Rechtliche?

 

WDR bewirbt Warnlisten-Verein

Noch schräger jedoch ist die Vorstellung des Hundes Nele des Vereins Dobermann Nothilfe e. V. ganz am Schluss der Sendung vom 18. Dezember 2011.

Damit bietet der WDR einem Verein eine Plattform, welcher aufgrund diverser unklarer Vorgänge um Hundeeinfuhren aus Polen und wegen seiner Intransparenz auf der CharityWatch.de- Warnliste steht.

Zwar tritt Stefan Loipfinger  mit seinem Buch Die Spendenmafia, in dem es auch um unseriöse Tierschutzorganisationen geht, derzeit überall im Fernsehen (HR, MDR, NDR, SWR, ZDF) auf; zwar empfehlen sowohl das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen DZI wie die Verbraucherzentrale Spendern, sich auf CharityWatch.de über Vereine zu informieren, aber die Redaktion von Tiere suchen ein Zuhause (wie auch die von Servicezeit: Wohnen und Garten) schlägt all diese Empfehlungen und Warnungen in den Wind und lädt einen Warnlisten-Verein in die Sendung ein. Nicht zum ersten Mal, wie hinzuzufügen ist, denn die Dobermann Nothilfe ist sehr häufig Gast beim WDR (Überblick hier).

 

Was die TseZ-Zuschauer nicht erfahren

Der Auftritt als solcher wäre nicht zu kritisieren. Aber die Zuschauer erfahren gar nicht, was es mit diesem Verein auf sich hat. Als da wären:

 

  1. Die massiven Proteste polnischer Tierschützer, die im Oktober versucht hatten zu verhindern, dass der Verein Dobermann Nothilfe e. V. weitere Hunde aus Polen nach Deutschland   verbringt (vgl. Aua316, Aua317, Aua320). Die polnischen Tierfreunde hatten sich in offenen Briefen an den Bürgermeister von Mielec, das Tierheim Mielec und zuletzt sogar an Premierminister Donald Tusk (vgl. Aua369) gewandt.

  2. Trotz alledem hat der Verein Dobermann Nothilfe e. V. am 7. November 2011 den Transport durchgeführt und 69 Hunde von Polen nach Deutschland gebracht. Von diesem Tiertransport erschienen in einer polnischen Zeitung Bilder (vgl. Aua341). Das zuständige deutsche Veterinäramt Altenkirchen bestätigte schriftlich, dass die auf diesen Bildern zu sehen Transportbedingungen tierschutzwidrig sind (vgl. dazu den CharityWatch.de-Artikel).

  3. Stattdessen legte das Veterinäramt Altenkirchen der Redaktion ein Bild vor, das angeblich die realen Verhältnisse beim Transport belegen sollte. Erst auf journalistische Nachfrage kam dann heraus, dass dieses eine Bild von Dobermann Nothilfe e. V. selbst angefertigt worden war.

  4. Das Veterinäramt Altenkirchen hat trotz der polnischen Proteste und der Bitte von Journalisten keine Kontrolle dieses Transports durchgeführt mit der wenig überzeugenden Begründung, man habe den Transport "bedauerlicherweise nicht angetroffen".

  5. Der Fall und die Aktivitäten des Vereins Dobermann Nothilfe e. V. haben in Polen einen solchen Wirbel gemacht, dass das polnische Fernsehen dazu sogar eine Fernsehsendung ausgestrahlt hat (Infos und Link zur Sendung sowie eine Übersetzung der Gespräche hier).

  6. Spektakulärste Information der polnischen Fernsehsendung war die Aussage des polnischen Veterinärs, diese zuständige Behörde sei  im Mai 2011 zum ersten Mal von einem Transport des Vereins Dobermann Nothilfe offiziell verständigt worden (wie oben) . Dabei führt der Verein seit Jahren Hunde aus Polen nach Deutschland ein! Diese Aussage bedeutet: Alle Transporte vor Mai 2011 wären ohne die vorgeschriebene amtstierärztliche Abfertigung und damit illegal durchgeführt worden!

 

All das erfahren die Zuschauer der WDR-Sendung Tiere suchen ein Zuhause NICHT!

Warum?

Bei der Vorstellung der Hündin Nele erzählt Claudia Ludwig, dass die Hündin (wohl ein ganz normaler, eventuell sogar deutscher Abgabehund) derzeit in einer Hundepension untergebracht sei. Die Pflegeplätze des Vereins seien alle besetzt!

Das möchte man wohl glauben, wenn der zuständige Verein am 7. November 2011 sage und schreibe 69 Hunde gegen den Protest hunderter polnischer Tierfreunde aus Mielec abtransportiert. Da sind dann keine Kapazitäten mehr für die durchschnittlichen deutschen Tierschutzfälle frei!

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Bildzitat Screenshot aus dem Sendevideo vom 18.12.1011: http://www.wdr.de/tv/tieresucheneinzuhause/sendungsbeitraege/2011/1218/uebersicht.jsp
Die Moderatorin, Claudia Ludwig,  von Tiere suchen ein Zuhause präsentiert am Schluss der Sendung vom 18. Dezember 2011 die Hündin Nele, für die wahlweise ein Endplatz oder auch ein Pflegeplatz gesucht wird. Dass es sich bei dem zuständigen Verein Dobermann Nothilfe e. V. um eine intransparente Organisation handelt, die auf der CharityWatch.de-Warnliste steht, gegen die polnische Tierfreunde protestieren und offene Briefe, sogar an Premierminister Donald Tusk,  geschrieben haben, das erfahren die Zuschauer der WDR-Sendung Tiere suchen ein Zuhause nicht. Warum? Ist das ausgewogene Information? Wie verträgt sich das mit dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Welche oder wessen Interessen vertritt diese Sendung?





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Sonntag, den 18. Dezember 2011 um 19:17 Uhr
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