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Aua379: Auslandstierschlepper und Tierversuche: Eine Einführung ins Thema

{TS-Kritik}

 

Wissen Sie, was Random Source Dogs sind?

Den Begriff sollten all jene kennen, die jeden Verdacht in Richtung Tierversuche bei der Diskussion um den Verbleib der vielen Auslandshunde reflexartig von sich weisen. Sie tun dies gern unter Rückgriff auf den uns allen nachhaltig von der Forschung indoktrinierten Begriff des so genannten genormten Tiermodells.

 

Tschüs dem Kinderglauben an das „genormte Tiermodell“

Wer gar nichts über Tierversuche weiß, der reproduziert aber auf jeden Fall das Totschlagargument des „genormten Tiermodells“, welches angeblich nur und ausschließlich in Tierversuchen zur Anwendung komme: also (nur) für den Versuch gezüchtete Tiere!

Die Realität sieht anders aus. Ganz anders!

Nicht umsonst wurde letztes Jahr die EU-Richtlinie 210/63 „zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere“ im Artikel 11 entsprechend geändert. Und wer sich bei Artikel 11 an Absatz (1) klammert, sollte sich fragen, wozu es dann den Absatz 2 a und b gibt!

              

Artikel 11

Streunende und verwilderte Haustiere

(1) Streunende und verwilderte Tiere von Haustierarten dürfen nicht in Verfahren verwendet werden.

(2) Die zuständigen Behörden dürfen nur unter folgenden Voraussetzungen Ausnahmen von Absatz 1 genehmigen:

a) Es besteht grundlegender Bedarf an Studien über die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere oder ernsthafte Gefahren für die Umwelt oder die Gesundheit von Mensch oder Tier, und

b) es liegt eine wissenschaftliche Begründung dafür vor, dass der Zweck des Verfahrens nur durch die Verwendung eines streunenden oder verwilderten Haustiers erreicht werden kann.

(http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:276:0033:0079:de:PDF)

  
              

 

Gruselige Klassifizierung

Im Tierversuch wird das „Material“ (die Tiere!) nach seiner Herkunft klassifiziert. „Pure breed“ oder „purpose breed dogs“ sind zweckgezüchtete reinrassige Hunde für den Tierversuch. Daneben gibt es die „mixed breed dogs“, also Mischlinge, die durchaus auch „purpose breed“ sein können.

Dagegen bedeutet der Begriff „Random Source Dogs“ oder „Random Source Cats“: aus jeder beliebigen  Quelle stammend.

Und diese „beliebige Quelle“ umfasst ausdrücklich auch Straßentiere.

Wissenschaftler betonen immer wieder, dass die Forschung ohne diese Tiere aus beliebiger Quelle, also auch Straßenhunde und –katzen, nicht auskommt. Welchen Stellenwert diese Quelle an „Versuchmaterial“ für die Forschung hat, darüber ist in den USA jetzt ein Buch erschienen:

              

Scientific and Human Issues in the Use of Random Source Dogs and Cats in the Research

              

 

Die Buchbeschreibung gibt an:

              

Das Buch „Wissenschaftliche und humane Probleme bei der Verwendung von Random-Source-Hunde und –Katzen in der Forschung“ untersucht den Wert der Random-Source-Tiere in der biomedizinischen Forschung und die Rolle der Klasse-B-Händler, die lebende Hunde und Katzen beschaffen und an Forschungseinrichtungen weiterverkaufen. Die Ergebnisse besagen, dass auch wenn einige Random-Source-Hunde und –Katzen nötig und wünschenswert für diejenige Forschung ist, die vom National Institute of Health (NIH) finanziert wird, sich keine eindeutige Notwendigkeit ergibt,  diesen Zufluss an Tieren über Klasse-B-Händler zu erhalten.

Während die wissenschaftliche Gemeinschaft die Diskussion zum ethischen Umgang mit Tieren in der Forschung anerkennt und darauf reagiert hat, hat sich die staatliche Aufsicht bisher unfähig gezeigt, das Tierschutzgesetz in Bezug auf Klasse-B-Händler und lebende Tiere durchzusetzen. […]

Dieses Buch ist von entscheidender Bedeutung für die NIH und andere Gruppen, die Random-Source-Tiere in der Forschung verwenden, einschließlich der Veterinär-Schulen und Forschungseinrichtungen. Auch Tierschützer, Politiker und betroffene Tierhalter werden dieses Buch als eine wichtige und informative Arbeit zur Vereinbarkeit der Bedürfnisse der Forschung mit dem Wohlergehen der Tiere empfinden.

(Quelle; Übersetzung: DN-Redaktion; für Holprigkeiten bei der Übersetzung entschuldigen wir uns ausdrücklich. Dolmetsching ist keine Stärke von Doggennetz. Wer uns eine flüssigere Translation anbietet, sei des Redaktionsdankes gewiss!)

              

Für unsere Diskussion momentan lediglich relevant: Tschüs, „genormtes Tiermodell“! Der Abschied liegt schon so weit zurück, dass in Amerika jetzt Bücher darüber geschrieben werden, dass es ethisch wünschenswert und wissenschaftlich induziert sei, den Verbrauch von „Random Source Animals“ zurückzufahren.

 

Auslandstierschlepper – am Beispiel Kroatien

Noch mit der blutenden Wunde des amputierten Kinderglaubens vom „genormten Tiermodell“ wenden sich Doggennetz-Leser folgender Analyse zu:  

S.O.S. abandoned Pets untersucht in einem brisanten Facebook-Eintrag die Ströme tausender Hunde und Katzen, die aus Kroatien (und zu vielen anderen Ländern) nach Deutschland, Österreich, Italien etc.  verbracht werden.

Die Autoren kommen zu denselben Erkenntnissen wie alle denkbegabten Kritiker des Auslandstierschutzes:

               !!!  
Niemand erfährt jemals etwas über den Verbleib der Tiere – abgesehen von plakativ verlautbarten Einzel-Glücksgeschichten. 
  
              
!!!
Es gibt keine legale und institutionalisierte Kontrolle zum Verbleib dieser Tiere.
!!!
Deutsche Tierheime können den Hauptstrom gar nicht aufnehmen.
!!!
Das Argument der privaten Vermittlung in diesem Umfang ist nicht plausibel.


Zum Mythos der privaten Endvermittlung schreiben die S.O.S. abandoned Pets-Freunde:

              

But it does not even cover 1 % of the total number of animals per planned, organized regular weekly routes that are pouring into Germany from the Croatian over Slovenia at the same time und from Serbia, Bosnia, Italy, Spain, Cyprus, Greece, Turkey, Romania, Poland, Ukraine, Hungary, North Africa … (online dana)
(Quelle)

Doggennetz-Holter-die-Polter-Übersetzung:

Aber diese [Anzahl der privat vermittelten Tiere] deckt noch nicht einmal ein Prozent der Gesamtzahl der Tiere, welche in geplanten, organisierten wöchentlichen Transporten nach Deutschland einströmen gleichzeitig von Kroatien über Slovenien und von Serbien, Bosnien, Italien, Spanien, Zypern, Griechenland, Türkei, Rumänien, Polen, Ukraine, Ungarn, Nordafrika …
  

              

Hochbrisante Namen!!!

Mutig sind sie, die Jungs von S. O. S. abandoned Pets. Sie nennen Namen! Namen auch deutscher „Tierschutzorganisationen“, die im Auslandstierhandel quantitative Spitzenwerte erreichen.

Da tauchen bekannte Lautfolgen auf. Bekannt für jene, die sich schon lange mit diesem Thema beschäftigen.

Aber für deutsche Publizisten wäre es unmöglich, diese Namen so zu veröffentlichen, wie sie hier stehen!


Die Diskussion zu diesem Thema wird fortgesetzt.

Weitere Doggennetz-Artikel zu diesem Thema bisher:

Aua306, Aua316, Aua353 (!!!), Aua360

 

 





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Sonntag, den 13. November 2011 um 10:55 Uhr
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