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Aua359: Pflegestellen berichten (3): Patras-Hunde

{TS-Kritik}

 
Bitte beachten Sie die Aktualisierung dieses Berichtes unten mit Datum vom 02.11.2011!


In der Doggennetz-Artikel-Serie <Pflegestellen berichten> schilderte in Aua304 eine Tierfreundin ihre Erfahrungen mit dem Tierschutzverein Hundepfoten in Not e. V. In Aua309 ging es um die Organisation ASPA friends Germany e. V., die im Kontext mit den toten Tieren des Tierschützer-Transports von „Karlsruhe“ am 22. Juni 2011 in den Fokus der Aufmerksamkeit geriet.

Nachstehend veröffentlich Doggennetz den Bericht einer Pflegestelle der Organisation Patras-Hunde, über die ich auf CharityWatch.de ausführlicher berichtet hatte.  Neben diesem Artikel besonders aufschlussreich ist dort auch die Chronologie der Leserbriefe und die neuerliche anwaltliche Intervention dabei.

Der jetzt auf Doggennetz neuerlich veröffentlichte Patras-Pflegestellenbericht wurde in einer anderen Textversion schon vor Monaten auf Facebook gepostet. Er wurde dort dann – nach anwaltlicher Intervention – wieder gelöscht.

Apropos Anwalt: Selbstverständlich hat Doggennetz Patras-Hunde die Möglichkeit angeboten, zu unten stehendem Pflegestellenbericht seine Darstellung der Abläufe zu veröffentlichen. Gemäß einem Telefonat mit der Patras-Anwältin am 26.10.2011 wollte man davon auch Gebrauch machen und kündigte u. a. auch tierärztliche Gutachten etc. an.

Bis Redaktionsschluss zu diesem Artikel liegt der DN-Redaktion jedoch nichts vor.

 

1 Faktum reicht

Neben den persönlichen Erfahrungen der Ines J., wie sie nachstehend wiedergegeben werden, bleiben aus tierschützerischer Sicht vor allem drei Fakten, die „beeindrucken“:

  1. Wie kann man einen Hund in dem vom deutschen Tierarzt am Einreisetag nach Deutschland attestiertem Gesundheitszustand (das Gutachten liegt der Redaktion vor) überhaupt auf eine Flugreise von Griechenland nach Deutschland schicken? Und wenn man das tut: Was sagt das über die Kooperationspartner in Griechenland aus? Und wie kann ein griechischer Tierarzt die Reisetauglichkeit dieses Hundes in diesem Gesundheitszustand attestieren? Ist Dusty diesbezüglich für die griechischen Verhältnisse symptomatisch oder doch eher eine Ausnahme?

  2. Von der Pflegestelle und ihren Angehörigen wird belegt, dass die verantwortlichen Tierschützer dem Hund am Einreisetag die tierärztliche Versorgung, wie sie von zwei voneinander unabhängigen Tierärzten (Tierärztin in Warendorf UND Tierklinik) für dringend erforderlich gehalten wurde, in der Klinik versagt hätten. Nach Doggennetz-Meinung führt das zu der Frage: Was hat das mit Tierschutz zu tun?

  3. Und unbestritten und bezeugt bleibt das Martyrium, welches man Dusty zumindest am 15. Juli 2011 zugemutet hat: Ein schwerkranker Hund wird auf eine Flugreise von Griechenland nach Düsseldorf geschickt. Von dort geht es im Auto zum Tierarzt nach Warendorf. Nach den Untersuchungen dort geht es weiter in die Tierklinik nach Greven. Nach den Untersuchungen dort geht es zur Pflegestelle nach Hause in Bielefeld. Dort wird der Hund nachts um 23 Uhr von einer Beauftragten von Patras-Hunde der Pflegestelle abgenommen. Wohin er dann von dort aus – und nach der Odyssee, die er für diesen Tag schon hinter sich hatte in seinem Gesundheitszustand - transportiert wurde, ist nicht zu erfahren. Doggennetz-Meinung: DAS ist KEIN Tierschutz!

 

Hier der Pflegestellen-Bericht von Patras-Hunde:

                

Ich schildere die Geschichte am besten von Anfang an:

Auf der Seite Patras-Hunde.de habe ich mich am 27.5.2011 entschieden, einen Hund in Pflege zu nehmen, mit der Option, ihn dann eventuell für immer zu behalten.

Ich suchte mir Dusty aus, ein kleiner grauer Mischling, ca. 2 Jahre alt.

Mit der Vorkontrolle und etc. war alles schnell geregelt. Dann sollte nur noch der Hund kommen, aber er kam nicht. Sein Flug wurde immer wieder nach hinten verschoben.  

Am 15.07. 2011 sollte Dusty endlich aus Griechenland zu mir kommen.
Kam er auch ...


Die Ankunft in Deutschland

Ich holte ihn am Flughafen Düsseldorf ab. Schon als er vorsichtig aus seiner Box kletterte, dachte ich: „Hm, der ist völlig durcheinander.“ Er knickte beim Laufen immer nach vorne ein und war völlig kraftlos, Ich habe das auch angemerkt gegenüber den anwesenden Mitgliedern der verantwortlichen Organisation. Man sagte mir, das würde sich geben, das kommt vom Flug.

Ich war total entsetzt über dieses arme Geschöpf. Ich habe noch niemals einen so dünnen, ausgemergelten Hund gesehen.

Wir fuhren erst einmal zu einer befreundeten Tierschützerin nach Warendorf, die bis Mitte Juni auch für diesen Verein tätig war. Auch sie war total erschüttert über den Zustand des Tieres. Sie sah ihn sich genau an und bemerkte eine handtellergroße Geschwulst am Po des Hundes. Dies und der sehr schlechte Allgemeinzustand des Tieres haben uns veranlasst, noch in Warendorf zu einem Tierarzt zu fahren.

 

Entsetzte Tierärztin

Auch die Tierärztin war schockiert, musste aber, um den Hund behandeln zu können, Patrashunde anrufen, um sich die Behandlung genehmigen und eine Kostenzusage geben zu lassen. Ich war ja „nur“ eine Pflegestelle.

Die Tierärztin war sehr deutlich: Der Hund hätte so niemals ausgeflogen werden dürfen, hatte eine Perinealhernie beidseits, total vereiterte Zähne und Kiefer, war in einem superschlechten Allgemeinzustand, hatte total verfilztes Fell voller Flöhe. Er wog nur knappe 8 Kilo bei 45 cm Höhe und das Alter stimmte auch nicht. Sie schätzte ihn auf ca. 10 Jahre. Der EU-Heimtier-Ausweis des Hundes sagt allerdings „date of birth: 07/09“.

Die Angerufene von der Orga diskutierte lange, der Hund wäre nicht krank und was das alles solle? Sie brachte ihre Einwände vor, obwohl sie den Hund nie gesehen hatte. Die Tierärztin sagte ihr, sie würde mich, die Tierschützerin und den Hund nur gehen lassen, wenn sie ihr versicherte, dass der Hund noch heute, also Freitagnachmittag, tierärztlich behandelt werden würde. Alles andere wäre aus tierschützerischer Sicht nicht zu vertreten.

Daraufhin gab Patrashunde endlich das Okay.

 

Tierklinik am selben Tag

Wir fuhren mit dem Hund in die Tierklinik nach Greven, da dort eine bessere Versorgung und eventuell auch eine Operation möglich gewesen wären.

Auch die Tierarzthelferin der Klinik rief die Patrashunde, an um sich die Zusage für Behandlung und Kostenübernahme geben zu lassen. Und da wurde die Genehmigung, den Hund behandeln zulassen, zurückgezogen! Ein weiteres Mal eine schockierte Tierärztin, die alle Diagnosen bestätigte und noch einen Katarakt mit Linseneintrübung beider Augen feststellte.

Während der Behandlung rief in der Klinik ein „Herr“ von Patrashunde an und beschwerte sich über die Untersuchung. Wir sollten sofort die Klinik verlassen, der Hund wäre schließlich gesund.

 

Wegnahme des Hundes

Da die Tierärzte nun nichts mehr tun konnten, fuhren wir erst einmal zu mir nach Hause, nach Bielefeld. In Bielefeld angekommen (es war inzwischen 23 Uhr) stand  eine Beauftragte von Patrashunde vor unserer Tür, welche mir Dusty weggenommen hat! Der Hund komme woanders hin.

 

Keine Informationen zum Schicksal von Dusty

Ich weiß bis heute nicht sicher, wo sich Dusty aufhält und wie es ihm geht. Zwar gibt es seit kurzer Zeit neuere Informationen auf der Patras-Homepage, aber die sind für mich nicht glaubwürdig.

Die Vorstellung, dass er mit seinen offensichtlichen Schmerzen an jenem Tag beziehungsweise in jener Nacht noch weiter transportiert worden ist, quält mich. Er konnte ja noch nicht einmal Trockenfutter knabbern.

Trotzdem stand am nächsten Tag auf der Homepage von Patrashunde: „Dusty frisst wie ein Scheunendrescher und springt fröhlich über den Rasen, wir sind sicher, Dusty bald als gesund vermitteln zu können!“ Auch ging eine E-Mail rund, in der Patrashunde sich bei allen Beteiligten bedankte, die den Hund vor uns (mir, meiner Mutter, der helfenden Tierschützerin, der Tierärztin und der Klinik) gerettet haben!


Der Fall wurde (nicht von mir!) auf Facebook veröffentlicht. Kurze Zeit später war dann auf der Patras-Homepage dieselbe Diagnose zu lesen, wie wir sie erhalten hatten: Dusty solle operiert werden.

Das hätte er aber auch bei mir haben können.

Nicht von Patrashunde, aber über Dritte hörte ich dann immer wieder von angesetzten Operationsterminen, die jedoch nach den mir vorliegenden Informationen nicht wahrgenommen worden sein sollen.

Stattdessen soll Patrashunde verkündet haben, Dusty werde nun gesundes Futter erhalten, damit würde man die Zähne schon wieder hinbekommen.

 
Letzte Info per SMS

Dann erhielt ich eine SMS: „Hallo Frau J., sicherlich werden sie verstehen, dass nach ihren Affront im web, eine Zusammenarbeit im Sinne einer Pflegestelle mehr oder weniger auszuschliessen ist. Aber ich kann ihnen versichern, dass es Dusty laut meiner letzten Information den Umständen entsprechend gut geht. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich wegen oben genannten Grund keine weiteren Informationen an Sie weiterleiten kann. Aktuelle Berichte entnehmen Sie bitte der HP. MfG.“

Die Frau, Mitwirkende bei Patrashunde, welche diese SMS an mich geschrieben hat, ist dieselbe, die den Hund in der Nacht- und Nebel-Aktion am 15. Juli 2011 von mir weggeholt hatte.

Wir hatten über Kontakte die Zusage einer Kostenübernahme für die Operation von Dusty. Aber auch das war für Patrashunde kein Argument, uns Dusty zurückzugeben.

Ines J.

   
              

 

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Aufnahme von Dusty am 15. Juli 2011 mit Handy-Kamera.
Bild: Ines J.

 


Aktualisierung vom 02.11.2011:

Was sich im Kontext mit dem CW-Artikel über Patrashunde bzw. der dortigen Leserbriefschlacht abspielt, stellt alles in den Schatten, was die Redaktionen bisher an juristischen Interventionen erlebt haben. Interessierte seien insbesondere auch auf den Leserbrief von der Patrashunde-Chefin Renate Düser verwiesen, auch wenn dieser mangels Absätze und aufgrund der extremen Länge schwer zu lesen ist.

Doggennetz wird Passagen dieses Leserbriefes in einem eigenen Aua noch besprechen.

Wie oben schon herausgehoben, hatte die Doggennetz-Redaktion Patrashunde VOR der Veröffentlichung dieses Pflegestellenberichts die Möglichkeit geboten, eine Gegendarstellung zu dem Bericht der Pflegestelle auf Doggennetz abzudrucken. Von dieser Möglichkeit hat Patrashunde bis dato keinen Gebrauch gemacht.

 
Straf- und zivilrechtliche Schritte gegen den Pflegestellenbericht

Dafür erreicht die Redaktion eine E-Mail der Patras-Anwältin, in der sich diese auf nicht vorliegende und nicht belegte Aussagen der Tierärztin Dr. R. in der Tierklinik Greven am 15.07.2011 bezieht. Des Weiteren kündigt die E-Mail an:

              

Auch im Rahmen zivilrechtlicher und strafrechtlicher Schritte gegen Doggennetz wegen des Pflegestellenberichts [Name der Pflegestelle aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes entfernt- K.B.]  wird Frau R. als Zeugin aussagen.
(Zitat aus der E-Mail der Patrasanwältin vom 02.11.2011 an die DN-Redaktion)

 
              

Doggennetz werden hier zivil- und strafrechtliche Schritte wegen der Veröffentlichung des Pflegestellenberichts angekündigt. Da Patrashunde rechtzeitig vor der Veröffentlichung die Gelegenheit zur Stellungnahme bzw. Gegendarstellung eingeräumt wurde, sieht die Redaktion diesen Schritten gelassen entgegen.

Der Mail lag des Weiteren eine Versicherung an Eides Statt von Renate Düser bei.

Es ist nicht klar, warum der Redaktion diese Versicherung zugeschickt wurde. Soll sie die Gegendarstellung ersetzen? Das kann sie nicht, denn sie genügt nicht den formalen Kriterien einer solchen. Auch ist sie nicht veröffentlichungsfähig, da darin lauter Klarnamen genannt werden.

Im Kern jedoch geht es sowohl in der oben genannten E-Mail der Patras-Anwältin wie auch in der eidesstattlichen Versicherung um die im Pflegestellenbericht zitierten Aussagen der Tierärztin der Tierklinik Greven.

Damit sich Doggennetz-Leser einen eigenen Eindruck verschaffen können, seien diese widerstreitenden Angaben zu den Aussagen der Tierärztin Dr. R. der Tierklinik Greven hier noch einmal gegenübergestellt so, wie sie bisher belegt sind.

Renater Düser erklärt an Eides Statt zu dem Telefonat am 15.07.2011 zwischen ihr und der Tierärztin der Tierklinik Greven, wobei die Namen der involvierten Tierärzte aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte abgekürzt werden. "Dr. R." bezeichnet die Tierärztin der Tierklinik Greven; "Dr. P." bezeichnet die erstbehandelnde Tierärztin von Dusty:

              

Ich habe Fr. Dr. R. gesagt, wie Frau Dr. P. Dustys Zustand beurteilt hat und daß diese eine Euthanasie empfohlen habe, aber Frau Dr. R. war der Meinung, daß es so schlimm keineswegs um Dusty bestellt sei, und daß er eine gute Chance habe.
(Zitat aus der Versicherung an Eides Statt von Renate Düser am 01.11.2011; Namen der behandelnden Tierärzte von DN-Redaktion abgekürzt; Hervorhebung: K. B.)

  
              

Dieser Angabe stehen die Auskünfte der Tierärztlichen Bescheinigung der erstbehandelnden Tierärztin entgegen:

              

Aufgrund der Gesamtbefunde habe ich zur Euthanasie geraten, habe den Hund aber in Absprache mit Frau D. F. in die Tierklinik überwiesen. Die untersuchende Kollegin dort hat meine Befunde bestätigt und ebenfalls eine Euthanasie angeraten.

(Zitat aus der tierärztlichen Bescheinigung vom 21.07.2011 der Tierärztin Dr. P. zu der Behandlung des Hundes Dusty am 15.07.2011; Hervorhebung: K.B.)

 
              


Dieser Widerspruch ist nicht weiter zu kommentieren.

 

 





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Samstag, den 29. Oktober 2011 um 08:54 Uhr
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