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Aua250: Neues niedersächsisches Hundegesetz treibt Tierheim in den Ruin

{TS-Kritik}

 

Das Tierheim Bückeburg steht kurz vor dem finanziellem Aus. Die Gründe dafür lassen sich konkret benennen: „Zu viele Hunde, zu viele Katzen, zu wenig Geld“. Genau so titelt auch der Notruf-Artikel in der sn-online vom 5. August 2011.

Verantwortlich für die seit kurzem komplett aus dem Ruder laufende Situation macht Monika Hachmeister, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg, Rinteln und Umgebung, u. a. auch das neue niedersächsische Landeshundegesetz (vgl. auch Aua138). Nicht dass die Bückeburger Tierschützer diesem in seinen Anforderungen (Chippflicht, Versicherungspflicht etc.) grundsätzlich ablehnend gegenüber stünden. Aber Hachmeister wirft im Gespräch mit Doggennetz den Gesetzesstrickern vor, nicht darüber nachgedacht zu haben, was dann mit all den Hunden geschehen soll, deren Halter die neuen Anforderungen nicht erfüllen können – etwa aus finanziellen Gründen.

 
Kommunen: abschieben und nicht zahlen

Neben den seit Inkrafttreten des Gesetzes nahezu täglichen Hiobsbotschaften, wie Hachmeister gegenüber sn-online erklärt,  sind es die bekannten Strukturprobleme, welche jetzt auch diesem Tierheim die Luft abdrücken: Die Städte und Gemeinden entledigen sich elegant einer kommunalen Pflichtaufgabe, der Fundtierverwaltung, die sie ins Ehrenamt abdrücken. Auf den Kosten aber bleiben die Tierschützer überwiegend sitzen. Für Bückeburg etwa gibt Hachmeister an, dass nur 16 Prozent der Ausgaben durch die Einnahmen gedeckt seien, die man für die Fundtierverwaltung aus dem Steuersäckel erhalte.

Neben der klassischen  Fundtierverwaltung ist es insbesondere das Katzenpopulationsproblem, das nicht nur Bückeburg zunehmend in die Knie zwingt. Auch hier verweigern sich viele Kommunen. Sie tun dies ungeachtet der Tatsache, dass inzwischen schon über 30 Kommunen bundesweit die allgemeine Kastrationspflicht eingeführt haben (vgl. auch hier).

Dabei ist der Zynismus vieler Gemeinden kaum zu überbieten. So auch im Landkreis Schaumburg: „Und dann erhalten wir von der Stadt Rinteln einen Brief, dass es kein Katzenproblem gibt und die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen daher nicht umgesetzt wird“, dokumentiert Hachmeister diese kommunale Ignoranz gegenüber sn-online.

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Das ist die Art inländischen Katzenelends, welches Kommunen dann mit "Bei uns gibt es kein Katzenproblem" etikettieren!
Bild: mngw


Konsequenz contra Tierschutz

In jedem anderen Gesellschafts- und Tätigkeitsbereich wäre den Bückeburgern dazu zu raten, die Kommune knallhart mit den Konsequenzen zu konfrontieren und aus der Fundtierverwaltung auszusteigen. Das wird kein Tierschutzverein tun, weil nicht abzuschätzen ist, was dann mit den Fundtieren passiert.

Immer wieder gern vorgeschlagen wird: Fundtier-Finder sollen jede rotzende, flohstrotzende, Durchfall verspritzende Katze persönlich beim Bürgermeister auf den Schreibtisch setzen und ihm dazu den aufgrund des Fundstresses leicht aggressiven 50-Kilo-Hund an den Papierkorb binden …

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Denkhilfe für Bürgermeister? So ein kleines Doggenkind am Bein des Schreibtisches angebunden könnte kommunalen Oberindianern beim Nachdenken darüber behilflich sein, ob man diese kommunale Pflichtaufgabe für den Appel-Ei-Gegenwert tatsächlich so bedenkenlos ins Ehrenamt abdrücken darf.
Bild: Claudia Verlande, Hund Oberhausen

 

Ob das der richtige Partner ist?

So schlimm die Not der Bückeburger Tierschützer ist, soll an dieser Stelle aber auch nicht verschwiegen sein, dass sie Partner von Aktion Tier (vormals: Deutsches Tierhilfswerk) sind! Monika Hachmeister äußert sich im Gespräch mit Doggennetz lobend über den Partner.

Das haben andere Partner dieser Großorga schon anders beschrieben – hier!

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Doggennetz-Senf:

Die Kamera fährt ein Stück zurück und nimmt das Gesamtbild in den Fokus: Hachmeister gibt im Gespräch mit Doggennetz an, ihr seien 19 Tierheime bekannt, die in den vergangenen Monaten in Deutschland schließen mussten. Einige dieser, das ist auf Doggennetz dokumentiert, gehören zum Deutschen Tierschutzbund und wurden aufgrund tierschutzwidriger Haltungsbedingungen geschlossen (vgl. Aua95 , Aua226, Aua233, Aua243).

Die Bückebürger Vorsitzende spielt allerdings eher auf die finanzielle Situation der geschlossenen Tierheime ein, wobei das eine mit dem anderen zu tun hat.

Die Kamera erfasst jetzt die wöchentlichen Transporte von Tierschutzorganisationen, die deutsche Tierheime noch weiter mit Hunde und Katzen aus dem Ausland anfüllen. Sowohl so Großorgas wie der Bund gegen Missbrauch der Tiere als auch die im Auslandstierschutz exklusiv tätigen „Tierschützer“ ignorieren tapfer, dass parallel und zeitgleich die gesamte Tierschutzinfrastruktur in Deutschland vor die Hunde geht. Wenn ein Tierheim nach dem anderen schließen muss, wenn viele Tierheime aufgrund der massiven Überbelegung Aufnahmestopps verhängen müssen, ist es schlicht schizophren, wächentlich aus allen Himmelsrichtungen, aus Spanien, Italien, Frankreich, Ungarn, Polen, Kroatien, Serbien, Ägypten, Türkei etc. pp. weitere Tiere nach Deutschland zu schleppen, die hier in der Masse keine Plätze mehr finden!

Es ist nicht nur schizophren, es ist tierschutzwidrig!

 





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Sonntag, den 07. August 2011 um 09:43 Uhr
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