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Aua144: Kein Überraschungsei für PETA an der Kasse

Dieser Beitrag bezieht sich auf Vorgänge um die Tierrechtsorganisation PETA, die in Aua142 beschrieben wurden.
 

{TS-/DS-Kritik}

 

Eine der Doggennetz-Thesen ist die der dramatisch defizitären Professionalität im Tierschutz. Und dieser Mangel bezieht sich ganz offensichtlich nicht nur auf den direkten Umgang mit den Tieren und deren Besitzer. Er erstreckt sich auch auf ganz lebensweltliche Themen und auf in einer Demokratie völlig selbstverständliche Vorgänge – wie zum Beispiel eine Presseanfrage.

Wie wollen die „großen“ Tierschutzorganisationen der Republik eigentlich die dicken Tierschutzthemen bewältigen, wenn sie schon an einem so formalen Vorgang wie dem einer Presseanfrage scheitern?

Aktuell nehmen wir ein PETA-Beispiel; strukturell ließe sich das Thema ebenso gut am Beispiel Deutscher Tierschutzbund e. V. illustrieren, der es – bitte: von der Allgemeinheit mit Steuerprivilegien ausgestattet – für völlig normal hält, mit den Pressevertretern nicht kommunizieren zu wollen, von denen kritische Berichterstattung zu erwarten ist. Zum Beispiel von Doggennetz! Oder von ... ?

 

Ein „ungeheuerlicher“ Vorwurf

Recherche-Anlass: Zoo Zajac. Eine authentische Quelle behauptet, die Demonstranten der Tierrechtsorganisation PETA würden zehn Euro pro Demo-Stunde erhalten. Dieses Wissen wird vom Informanten explizit als allgemein bekannt markiert. Beweise kann die Quelle dafür nicht vorlegen.

Was dem folgt, ist so etwas von normal und selbstverständlich, dass es schon mehr als Signalcharakter hat, wenn die Adressaten dieses Normalselbstverständlichen vor lauter Empörung nicht zur Reaktion finden: Formal korrekt und doppelt verschickt (Mail und Fax) erfolgt eine ordnungsgemäße Presseanfrage im Rahmen meiner Tätigkeit für CharityWatch.de an PETA, in dem dieser Vorwurf zitiert und um eine Stellungnahme dazu gebeten wird.

Nichts. Keine Reaktion. Kein Anruf. Keine Mail. Kein Fax.

Also der Versuch telefonischer Nachfrage. Unter der PETA-Sammelnummer meldet sich bei mehreren Versuchen zu offiziellen Geschäftszeiten nur ein Anrufbeantworter. Durch besondere Umstände steht die Direktwahl von Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater von PETA Deutschland e. V., zur Verfügung und wird genutzt.

Es klappt. Telefonat mit Dr. Edmund Haferbeck, der den Eingang der Presseanfrage bestätigt. Mit kaum zu überhörender Empörung klassifiziert Haferbeck diese Anfrage jedoch als „ungeheuerlich“. PETA empfinde diese Anfrage gar als so ungeheuerlich, dass man eine Reaktion nicht für erforderlich halte.

aua144elefantIm weiteren Verlauf des kurzen Gesprächs wird auch noch der Elefant ins Zimmer geschoben, dass Stellungnahmen ja ohnehin nicht berücksichtigt würden.

Nicht?

Um strafbewährten Unterlassungsverpflichtungserklärungen schon im Vorfeld die Gurgel abzudrücken: Fummelt man all die Empörung, die Konsternation, die Insubordinationsresonanz aus dem Töpfchen und kondensiert das erbärmliche Bisschen, was da an Aussage übrig bleibt, muss ganz klar formuliert sein:

PETA bezahlt seine Demonstranten nicht!

 

Privilegierter Größenwahn

Bei der Bewertung solcher Aussageverweigerungs-Phänomene muss im Auge bleiben: Alle gemeinnützigen Vereine, die großen derer im Besonderen, werden von der Allgemeinheit mit besonderen Privilegien – steuerrechtlicher Art – ausgestattet. Zuwendungen zu diesen Organisationen können, Gemeinnützigkeit vorausgesetzt, steuerlich mindernd geltend gemacht werden. Von bestimmten Steuerarten sind diese Organisationen befreit.

Diese Vorleistung der Allgemeinheit hin auf solche Organisationen verpflichtet diese im Gegenzug zu einer bestimmten Art von Transparenz. Zehn Merkmale dieser als selbstverständlich zu erachtenden Transparenz hat die Initiative Transparente Zivilgesellschaft formuliert. Die Auskunft über die Mittelverwendung gehört selbstverständlich dazu. Wenn die Frage im Raum steht, ob Demonstranten mit Spendengeldern bezahlt werden, ist es Bestandteil allgemeiner Transparenzkriterien, diese Frage zu beantworten.

Ganz abgesehen davon, dass die Antwort auf eine gestellte Frage Bestandteil zivilisatorischen Miteinanders ist und früher einmal unter dem heute so schwergängigen Begriff „Umgangsformen“ abgelegt wurde.

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Insubordination?

Auf welchem Stern lebt Dr. Haferbeck?

Gliederte man die Kategorie „ungeheuerlich“ aus der Pressearbeit aus, fällt so ungefähr ein sattes Drittel journalistischer Arbeit weg. Keine Berichterstattung über die Ungeheuerlichkeit, dass Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg seine Doktorarbeit zusammenkopiert und -gepastet hat.

Keine Presseanfrage an Schweizer Wetterfrösche und den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds, ob sie es mit ihrem Willi noch irgendwie gesteuert kriegen.

Wegen des exzeptionellen Phänomens von Ungeheuerlichkeit muss eine große Versicherung auch nichts zu den Hoppen- und Poppen-Incentivs für ihre Versicherungsvertreter erklären.

Erde an Haferbeck: Das Ungeheuerliche ist heuer die Norm!

Und dabei wird bei obigen Beispielen nach eher privaten Vorgängen gefragt – nicht wie im PETA-Fall nach einem genuinen Vereinsvorgang.

Wer eigentlich benutzt so ein Adjektiv: <ungeheuerlich>? Etwas antiquiert klingt es, bürgerlich. Und noch weiter zurück in der Zeit neigt es dem Bedeutungsumfeld von Insubordination zu und dem von Majestätsbeleidigung.

Majestäten freilich, jenseits von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, brauchen keine Presseanfragen zu beantworten. Das ist wohl wahr!

 

Infantiler Trotzaua144palme

Nach Doggennetz-Meinung sind Infantilismus und Melodram ohnehin durchgehende Strukturmerkmale des Tierschutzes im 21. Jahrhundert. Zunächst waren damit aber eher kleinere, kritikunfähige Organisationen und Tierschützer gemeint.

Dass diese These die gesamte Szene charakterisiert, zeigen die infantilen Trotzphasen der „großen“ Organisationen. Eine nicht beantwortete Presseanfrage gibt wortlos beredte Auskunft über denjenigen, an die sie gerichtet wurde.

Von den „Großen“ – Deutscher Tierschutzbund e. V., PETA e. V., ETN e. V., bmt e. V. – muss nolens-volens der bmt als einziger der letzten Monate benannt werden, der eine Presseanfrage beantwortet hat. (Zu DTSB und PETA wurde diesbezüglich auf Doggennetz berichtet; zu ETN folgt ein längliches Testat demnächst auf CharityWatch.de).

Für Doggennetz wird es nachgerade zum Fun-Faktor, wieder und wieder auf gestellte und nicht beantwortete Presseanfragen hinzuweisen. Auch für die Doggennetz-Leserschaft werden wir nicht auf die unterhaltsame Beschreibung der Szenen infantiler Jähzornskrämpfe am Boden vor der Tierschutz-Supermarktkasse, an der einem das Überrraschungsei verweigert wird, verzichten. .

Es wird ja keiner gezwungen, sich auf den Boden zu werfen! Und wer unsere Zivilgesellschaft fliehen möchte, darf sich die Tür nach draußen selbst auswählen.

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Die Satire zu diesem Text finden Sie unter Aua145!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





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Sonntag, den 05. Juni 2011 um 07:57 Uhr
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