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Aua80: Wellensittich-OP für 150 Euro

{TS-/DS-Kritik}

Auf Aua77 Diskussionswürdige Spendenaufrufe (1): 5000 Euro für Krebsbehandlung erreicht uns eine Leserzuschrift, die auf weitere Fälle fraglicher Verhältnismäßigkeit im Umgang mit Spendengeldern durch Tierschutzvereine verweist.

Der Schreiber möchte ungenannt bleiben.

          

Vor ein paar Tagen sah ich im NDR eine mehr dokumentarische, nicht ganz so seifige Doku über eine Rostocker Tierklinik, die auch Zootiere betreut (der Eisbär brauchte 3 Betäubungen!).

Dort wurde eine Tierschutzkatze an einem eingerollten Lid operiert. Dann kam ein Tierschutz-Wellensittich. Dem wurde eine Geschwulst an der Bürzeldrüse entfernt. Hochrisiko, da so ein Vogel nur 4 ml Blut hat, wie als Kommentar beigesteuert wurde. Aber es ging gut.

Begründung für die OP: So kann man ihn nicht vermitteln.

Kosten für die OP: 150 Euro!

         

Abgesehen von Spontanreaktionen, welche einen solchen finanziellen Einsatz zur Herstellung der Vermittlungsfähigkeit eines Wellensittichs für fragwürdig halten, bleibt das strukturelle Problem des Fehlens jeglicher Orientierungen und gesellschaftlich konsensfähiger Leitlinien für die Tierschützer. Dieser Mangel wurde ausführlich in der Doggennetz-Artikelserie Aua24 bis Aua26 thematisiert.

Viele werden einwenden, dass 150 Euro Spendengelder für einen Wellensittich nicht wirklich effizient eingesetzt sind. Andere könnten erwidern, Ethik sei unteilbar und was ich dem Labi gönne, darf ich dem Wellensittich nicht verwehren? Wo liegen die Grenzen? Und diese Frage ist zentral, denn sie unterscheidet sich strukturell nicht von der, ob ich als Tierschutzorganisation (!) 5000 Euro für die Krebstherapie eines Hundes aufwende.

Link auf die Fernsehsendung (Wiederholung) mit dem operierten Wellensittich:  

http://programm.ard.de/TV/ndrfernsehen/2011/02/25/dr--rudnick-und-das-kranke-vieh/eid_282266222752673?list=main#top

 

 

 





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Donnerstag, den 03. März 2011 um 12:05 Uhr
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