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Aua72: Die ARD und der illegale Hundehandel

{TS-/DS-Kritik} 

Der Tiervermittlungssendung Tiere suchen ein Zuhause (TseZ) des Westdeutschen Rundfunks (WDR)  kommt im Themenbereich Auslandstierschutz eine ganz besondere Multiplikatorfunktion zu. Hier finden viele Vereine und gelegentlich auch Einzelpersonen die mediale Plattform, Hunde und Katzen zur Vermittlung vorzustellen.

Nach Meinung vieler Experten, insbesondere Behördenvertreter von Veterinärämtern, Polizei und Zoll, finden sich im Bereich Auslandstierschutz inzwischen (teilweise) „mafiöse“ Strukturen. Immer wieder ist von organisierter Kriminalität die Rede. In den letzten Jahren wurden viele von Tierschützern durchgeführte Tiertransporte angehalten und von den Behörden kontrolliert. In dramatisch vielen Fällen wurden dabei verheerende Missstände sowohl in tierschutzrechtlicher wie auch in tierseuchenrechtlicher Hinsicht festgestellt.

Das Fazit belegt: Viele Tierschutzorganisationen führen Tiere illegal in die Bundesrepublik ein. Auch weitere Straftaten im Kontext mit Tierschützer-Aktivitäten sind belegt. Unter anderem wurden in einer Futtermittelsendung für ein Tierheim im Ausland Substanzen (Effedrin) gefunden, die für die Herstellung bestimmter Drogen verwendet werden.

 

Alarmwort "Mafia" – übertrieben?

Der Vorwurf „mafiöser Strukturen“ wiegt schwer und klingt dramatisch. Semantisch ist er unter Umständen auch nicht ganz korrekt, gibt Wikipedia als Unterscheidungsmerkmal zur sonstigen organisierten Kriminalität die streng hierarchische Gliederung an.

Die meisten Tierfreunde schütteln bei der ersten Konfrontation mit dem angstbesetzten Wort im Kontext von Tierschutz ohnehin nur den Kopf. Das ist mehr als verständlich!

Aber auch berechtigt?

 

Mafia-Experte Jürgen Roth

Der Journalist und Autor Jürgen Roth gilt als der Experte zum Thema Mafia schlechthin. Zwei Bücher hat er veröffentlich, eines mit dem markanten Titel „Mafialand Deutschland“.

Für das Tierschutzthema unmittelbaren Aufschluss gibt sein Blog-Beitrag „In Italien ein großer Skandal ..... Hier tauchen Namen hochrangiger Ndrangheta-Bosse auf. Zwei dieser Namen finden sich auch in der Tierschutzszene wieder. Zufall?

Ein weiterer Roth-Artikel, in dem die besagten Namen vorkommen, hier!

 

Verbindungen

Es gibt Hinweise. Folgende Fakten lassen sich belegen:


  1. Ein von Tierschützern durchgeführter Transport wird in Italien von den Behörden gestoppt. Von 100 Hunden werden zehn Hunde geröntgt. Bei zwei von diesen zehn Hunden stellen die Amtstierärzte subkutan (unter der Haut) im Schulterbereich angelegte „Taschen“ fest. Diese „Taschen“ sind zu diesem Zeitpunkt leer.
  2. In Italien wird ein Tierheim im Kontext mit Drogen von den Behörden geschlossen. Das Tierheim gehörte einem Unternehmen, dessen Name gleichlautend ist zu einer Firmenbezeichnung, die im offiziellen Organigramm zu Tarnfirmen der kolumbianischen Drogenmafia auftaucht. Weitere Unternehmen mit diesem Namen gibt es in Spanien und anderen Ländern. 
    Von diesem Tierheim aus wurden seit Jahren von deutschen Tierschutzorganisationen Hunde nach Deutschland verbracht. Mindestens und belegt einer dieser Hunde tauchte dann wieder bei der Beschlagnahmung der Hunde des Gnadenhof M. in Dörrieloh auf.
  3. Eine bekannte deutsche Tierschützerin, die auch in der Doggenszene aktiv ist und unter anderem den Gnadenhof M. unterstützt und dort auch Tiere hingebracht hat, bedankt sich auf ihrer Website namentlich bei einem Mann für die Unterstützung ihrer internationalen Beziehungen. Der Name dieses Mannes ist identisch mit dem eines hochrangigen Ndrangheta-Bosses.
  4. Der deutsche Kooperationspartner einer seit Jahren sehr bekannten Auslandstierschützerin trägt denselben Namen wie ein weiteres Mitglied der kalabrischen Mafia.  

Es gibt also zumindest Hin-, wenn auch keine Beweise, dass sich ein gründlicherer Blick von den Behörden und Multiplikatoren der Auslandstierschutz-Aktivitäten lohnt.

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Bilddokument einer der Tierschützer-Tier-Transporte, der von Behörden mit dem Ergebnis gravierender Missstände kontrolliert wurde. Hundetransport aus Spanien am 25.10.2009. Bild: Stadt Düsseldorf/AHO Redaktion

Was nun setzt ein so wichtiger Multiplikator wie die Tiervermittlungssendung „Tiere suchen ein Zuhause“ dem entgegen?

 

Selbstverpflichtungserklärung

Schon im Oktober des vergangenen Jahres und im Zusammenhang mit dem Zarenhof-Skandal hatte Doggennetz eine Anfrage an die Redaktion der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ gerichtet. Anlass dazu war das Faktum, dass TseZ der Betreiberin und Verantwortlichen des Zarenhofs zuvor eine Plattform für die Präsentation ihrer Hunde geboten hatte. Und dies obwohl es sich dabei um eine Privatperson handelt, was eigentlich gemäß den Richtlinien der Sendung ausgeschlossen sein sollte.

Zum übergeordneten Thema Auslandstierschutz fragte Doggennetz:

         

Überprüft die Redaktion von „Tiere suchen ein Zuhause“, ob die in Ihrer Sendung vorgestellten Auslandstiere gemäß den oben zitierten gesetzlichen Vorgaben eingeführt wurden? Wenn Ihre Redaktion das nicht überprüft, was entgegnen Sie dann der Befürchtung, dass der WDR ohne solche Überprüfungen den illegalen Handel von Hunden fördert?

In einem Schreiben vom 05.11.2010 antwortet die Redakteurin Gina Göss auf diese Frage:

         

Alle Vereine und Organisationen, die an unserer Sendung teilnehmen, werden in unregelmäßigen Abständen von Mitarbeitern der Redaktion besucht, so dass wir einen persönlichen Eindruck von der Tierhaltung vor Ort haben. Des weiteren unterschreiben alle Tierschützer eine Selbstverpflichtungserklärung, in der tierschutzrelevante Fragen rund um die Vermittlung der vorgestellten Tiere zusammengefasst sind. Mit dieser Erklärung bestätigen Tierschützer auch, dass Tiere aus dem Ausland legal eingeführt worden sind. (Stellungnahme des WDR vom 05.11.2010)

Eine Kontrolle hinsichtlich der legalen Einfuhr der Hunde findet also bei der Tiervermittlungssendung „Tiere suchen ein Zuhause“ nicht statt, denn eine Selbstverpflichtungserklärung ist keine Kontrolle. Die Doggennetz-Frage, was die TseZ-Redaktion der Befürchtung entgegnet, der WDR fördere den illegalen Hundehandel, wurde nicht beantwortet.

Strukturen im Auslandstierschutz, welche von den Behördenexperten als zumindest teilweise kriminell bis mafiös beurteilt werden, setzt die Redaktion der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ eine Selbstverpflichtungserklärung entgegen!

Reicht das wirklich aus?

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Oft müssen Hunde auf diesen Tierschützer-Transporten 24 Stunden und länger in den Käfigen ausharren. Keine Bilddokumente gibt es zu den nicht seltenen Berichten aus entsprechenden Foren, dass manche Hunde schon auf der Fahrt sterben. Derselbe Transport wie oben aus Spanien; Behördenkontrolle am 25.10.2009. Bild: Stadt Düsseldorf / AHO Redaktion

Für einen der Tierschutzvereine, die in jüngster Zeit in der Sendung ihre Tiere aus dem Ausland präsentieren durfte, erging eine Anfrage an die zuständige Veterinärbehörde. Nach erster Auskunft war dem Amt der Name dieser Organisation nicht geläufig. Der Fall wird jedoch noch geprüft; Doggennetz reicht das Ergebnis nach.

 

Brisanter Brief an den WDR 2005

Die Vorwürfe gegen die Tiervermittlungssendung „Tiere suchen ein Zuhause“ in Verbindung mit dem Auslandstierschutz sind mitnichten neu.

2005 schon dokumentierte Uwe Holtz, damals Menschen für Tiere Kamp-Lintfort e. V., eindrücklich zwei brisante Fälle von Tierschutzorganisationen, die regelmäßig Gast in der Sendung waren und auch in dem damals noch existierenden „virtuellen Tierheim“ breite Präsenz in Anspruch nehmen durften. Holtz wandte sich in zwei ausführlichen Schreiben direkt an Fritz Pleitgen.

Für die eine Tierschutzorganisation zitierte er behördliche Maßnahmen dahingehend, der verantwortlichen „Tierschützerin“ „den kommerziellen Import von Welpen“ zu untersagen. D. h. hier wurde einer Tierschutzorganisation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten, die gemäß behördlicher Intervention kommerziell mit Welpen handelte.

In dem zweiten, bei weitem schlimmeren Fall beschlagnahmte das zuständige Veterinäramt bei der zuvor als häufiger Gast in TseZ gesehenen Tierschutzorganisation „über 70 Hunde in katastrophalem Gesundheits- und Pflegezustand. Hiervon waren 40 Welpen“ (Zitat aus dem Schreiben von Uwe Holtz an den WDR vom 09.06.2005).

Holtz, der seinerzeit selbst gelegentlich mit Hunden in der Sendung auftrat, artikuliert in dem Schreiben an Pleitgen seine Meinung wie folgt: „Zusammengefasst sieht es so aus, als ob die Sendung Tiere suchen ein Zuhause ein professionelles Verkaufsumfeld für den internationalen Tierimport bietet – ungeachtet der gesetzlichen Bestimmungen und der großen Anzahl an „echten“ Tierschutzorganisationen, die man hier statt dessen präsentieren könnte“ (ibid.).

Holtz’ Bewertung „ungeachtet der gesetzlichen Bestimmungen“ deckt sich mit der von Doggennetz kritisierten Diskrepanz zwischen den Befunden behördlicher Kontrollen von Tierschützer-Transporten und dem flauschigen Kontrollinstrument der TseZ-Redaktion in Form einer Selbstverpflichtungserklärung.

 

Nicht nur der WDR

Ein anderer Fall fraglicher Unterstützung des illegalen Hundehandels durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen, auch wenn vielleicht aus Unwissenheit geschehend, ist auf Doggennetz ausführlich dokumentiert.

Im vergangenen September strahlte der Mitteldeutsche Rundfunk eine fünfteilige Doku-Soap über das Tierheim Oelzschau, Tierschutzverein Leipziger Land, aus, wobei völlig unkritisch über – wie im Nachhinein belegt – illegale Hundeimporten aus Rumänien berichtet wurde. Darüber hinaus wurde in dieser Unterhaltungssendung im Vorabendprogramm auch noch ein Hund vor laufender Kamera eingeschläfert.

Doggennetz hat diese Soap und die nahezu haarsträubenden Sachkundefehler umfassend dokumentiert und kommentiert (vgl. Aua10, Aua11, Aua12, Aua15, Aua16 auf dieser Site). In einem offenen Brief an den Intendanten des MDR, Professor Dr. Uwe Reiter, stellte Doggennetz die Frage: „Warum bewirbt der MDR illegalen Hundehandel unter dem Etikett Tierschutz?“ (vgl. Aua18).

Dieser Brief ist nie beantwortet worden.

Es ist schon schwer zu ertragen, was die privaten Fernsehsender wie z. B. VOX mit der Sendung HundKatzeMaus dem Zuschauer als Tierschutz zu verkaufen trachten.

Es ist aber eine ganz andere Frage, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit dem Geld der Gebührenzahler in oben geschriebener Weise dem zunehmend an Brisanz gewinnenden Phänomen des Auslandstierschutzes mit all seinen Implikationen in Richtung gewerblicher Hundehandel und kriminellen Machenschaften derart vorbehaltlos und ohne ein Mindestmaß an zuverlässigen Kontrollmechanismen begegnet.

Holtz verwies im Postskriptum seines Schreibens auf den damals aktuellen Focus-Artikel „Illegale Tierimporte unter dem Deckmantel des Tierschutzes“. Sechs Jahre später hat dieser Artikel nichts von seiner Aktualität verloren. Aber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat sich rund um das Thema Tierschutz und Tiervermittlungssendung(en) offensichtlich nichts geändert.

Tierschützer sind nicht die besseren Menschen. Und die Liste ihrer Straftaten ist lang, so diese denn von den Behörden festgestellt werden. Die Linkliste der AHO-Redaktion zu diesem Thema belegt das anschaulich (vgl. Aua49).

Deshalb ist nicht einzusehen, warum das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Tierschutzorganisationen, denen es die kostenlose Möglichkeit zur Präsentation ihrer Tiere und ihres Anliegen gibt, weniger an Nachweisen verlangt als die nächst gelegene Autovermietung. Dort wird man auch nicht auf eine Selbstverpflichtungserklärung vertrauen. Der Kunde wird den Führerschein tatsächlich vorlegen müssen.

 
Zum Abschluss noch eine kleine (!) Auswahl von Meldungen über "aufgeflogene" Tierschützer-Tiertransporte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich nur um den geringen Bruchteil von Tierschützern zu verantwortendes Tierleid handelt, wo den Behörden und authentischen Tierfreunden der Zugriff gelungen ist.

http://www.animal-health-online.de/klein/2009/09/22/vollig-uberladen-hunde-vor-dem-kollaps-polizei-stoppt-uberladenen-hundetransport-aus-sudeuropa/4428/

http://www.animal-health-online.de/klein/2009/10/27/blutiger-durchfall-frisch-operiert-veterinaramt-dusseldorf-stoppt-hundetransport-aus-spanien/4553/

http://www.animal-health-online.de/klein/2010/05/25/hunde-aus-sud-und-osteropa-angebliche-tierschutzer-oft-nur-windige-hundehandler/5581/

http://www.animal-health-online.de/klein/2010/10/19/rumanienimport-tierschutztransport-endet-im-chaos-sieben-hunde-und-elf-welpen-in-einer-garage/6299/

http://www.charitywatch.de/index.asp?id=1400

http://zergportal.de/baseportal/tiere/News&Id==758

 

Aktualisierung vom 10.03.2011:

Aktuelle Zeitungsmeldung, die einen Bezug herstellbar macht zu der oben unter Punkt 4 angedeuteten Verbindung:

http://www.see-online.info/26269/schlag-gegen-die-ndrangheta-im-kreis-konstanz/

 

 

 

 

 

 

 

 





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Freitag, den 18. Februar 2011 um 11:40 Uhr
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