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TL62/15: Nordrhein-Westfalen: Jedes zweite Tierheim steht vor dem Aus

 

[21.02.15]

Die Zeitung DerWesten greift ein seit Jahren bekanntes Problem auf: den Untergang der Tierschutzinfrastruktur in Deutschland, namentlich der Bankrott deutscher Tierheime. In dem Artikel wird die Situation der Vereine in Essen und Krefeld geschildert und dabei auch besonders die Rolle der Kommunen benannt und beziffert. Die entgelten den Tierheimen die Übernahme der kommunalen Pflichtaufgabe Fundtierverwaltung nicht annähernd kostendeckend. Oder ein Vertrag kommt gar nicht zustande wie derzeit zwischen der Stadt Krefeld und dem Tierheim. Die Folgen tragen die Bürger und die Tiere, ein Teil derer als Interimslösung von der Tierrettung Duisburg aufgenommen wurden.

Die „gravierende Schieflage“ zwischen der Leistung der Vereine und der Bezahlung der Kommunen für diese Leistung erläutert Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes, und spricht von deren Verantwortungslosigkeit. Auch der Dachverband Deutscher Tierschutzbund (DTB) wird mit der düsteren Prognose zitiert: Jedes zweite Tierheim (in Deutschland) stehe vor der Pleite. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der DTB warnt seit Jahren; hier ein Aufruf aus dem Jahr 2010. Parallel dazu macht ein deutsches Tierheim nach dem anderen dicht.

Da sind die Potsdamer besser dran: Obwohl Landeshauptstadt haben die nicht einmal ein Tierheim (vgl. TL58/15) und die Stadt setzt offensichtlich alles dran, dass das auch so bleibt!

Ralf Unna nennt (auch aus den für den Landestierschutzverband strategischen Gründen) als Ursache neben der Verantwortungslosigkeit der Kommunen unter anderem die Zinskrise, die zum Rückgang der Spenden und Beiträge geführt habe.

Auch die Plattform FeelGreen.de greift aktuell das Thema drohender Insolvenz für deutsche Tierheime auf der Grundlage einer dpa-Meldung auf. Dort wird die Wirtschaftskrise für das Desaster verantwortlich gemacht, der Begriff Fundtier definiert und es werden die Kosten für dessen Aufnahme, Pflege und Betreuung aus den beiden divergierenden Perspektiven (Tierschutz vs. Kommune) beispielgerechnet.

 

DN-Senf: Unna macht die Zinskrise verantwortlich. Im FeelGreen-Artikel wird weitergreifend die Wirtschaftskrise benannt. DN-Stammleser wissen es besser: Neben allen von Unna & Co. genannten und sicherlich auch relevanten Faktoren ist es nach Meinung dieser Redaktion nicht zuletzt der Auslandstierschutz, der die deutsche Tierschutzinfrastruktur komplett zerstört. In den großen rumänischen Städten gibt es überall Tierheime en masse, wahlweise in städtischer Trägerschaft oder der deutscher "Tierschützer"; in Potsdam gibt es keins. Der sogenannte Auslandstierschutz, der sich de facto auf den puren Hundehandel begrenzt, zieht den inländisch agierenden Tierschutzvereinen die Aufmerksamkeit, das Geld, die Adoptanten und die Manpower ab! Und der DTB sagt das nur deshalb nicht, weil diese Wahrheit so unpopulär ist!

 

Zu dem wichtigen Thema Tierschutzinfrastruktur siehe auch:

Aua1365P sowie die Artikelserien

Fundtierverwaltung Landkreis Sigmaringen: Aua814 / Aua816 / Aua821 / Aua824 / Aua841 / Aua842 /Aua867 /

Fundtierverwaltung Landkreis Oldenburg: Aua836 / Aua840  /

 





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Samstag, den 21. Februar 2015 um 07:20 Uhr
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