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TL60/15: Die Katze Lotti in Bad Tölz: Tierliebe vs. Kommunalrecht und Fundtierverwaltung

 

[19.02.15]

Die Emotionen und Reaktionen der Tier- und Katzenfreunde, welche diesen Artikel in Merkur-Online lesen, kann sich der Szenekenner ziemlich genau vorstellen: Eine schwer kranke Fundkatze wird von Privatleuten aufgenommen und der Kommune zunächst nicht als Fundtier gemeldet (wer dafür auch immer verantwortlich ist). Dann entstehen hohe Tierarztkosten, welche die Verwaltung – im vorliegenden Fall  die Stadt Bad Tölz – übernehmen soll. Auch wenn Tierfreunde das nicht verstehen möchten: Die Kommune hat rechtlich kaum eine andere Möglichkeit als die im Artikel berichtete.

 

Mit Fütterung werden Streunerkatzen zu Besitzerkatzen!

Die DN-Redaktion nimmt den Fall zum Anlass, besonders Katzenfreunde auf das aktuelle Handling vieler Kommunen hinzuweisen. Die nämlich kategorisieren Streunerkatzen ab dem Zeitpunkt als Besitzerkatzen, zu dem Tierfreunde solche Katzen an ihrem Haus oder auf ihrem Grundstück füttern. Das mag moralisch fragwürdig sein, ist derzeit aber gängige Praxis.

Das bedeutet etwa auch, dass solche Katzen dann unter Umständen nicht mehr in von Kommunen finanzierte Kastrationsprojekte aufgenommen werden. Jedem Finder und Katzenfreund sei deshalb dringend empfohlen, solche Tiere der Kommune sicherheitshalber als Fundtiere zu melden. Eine mit der Fundtiermeldung eingereichte schriftliche Erklärung, der Finder sei aus Tierliebe und Verantwortung bereit, das Tier zunächst bei sich zu versorgen, auch um der Verwaltung Kosten zu ersparen, betrachte sich aber deshalb nicht als Eigentümer des Tieres, würde die Mildtätigen für solche Fälle klarer positionieren.

 

Tagesjournaille versagt erneut am Thema Tierschutz

Andreas Steppan von Merkur-Online benutzt den Fall in seinem Bericht geschickt für eine publikumswirksame Opposition moralisch vorzüglicher Bürger vs. erbarmungslose Kommunalverwaltung. Das ist unfair und wird dem Thema nicht gerecht. Die Möglichkeit, dass diese offensichtlich sehr zutrauliche Katze Lotti einstmals vielleicht Besitzer gehabt hat, die durch das Verhalten der von der Zeitung heroisierten Familie gar keine Möglichkeit hatte, vom Verbleib ihres Tieres zu erfahren, lässt er unbewertet.

Darauf verweist im Artikel auch Robert Tölt vom Tölzer Einwohnermeldeamt. Bad Tölz scheint ohnehin schon sehr großzügig in der Übernahme von Tierarztkosten zu sein, wie der Bericht nahelegt. Das handhaben andere Kommune weitaus restriktiver.

Eine andere Sicht auf die Dinge wäre dann die Frage, warum die Fundfamilie nicht das ganze Verantwortungspaket eines Katzenhalters übernimmt? Da gehören die Tierarztkosten mit rein. Und zum guten Schluss wäre sogar eine juristische Konstruktion der Unterschlagung einer Fundsache denkbar.

Merkur Online versagt nach Meinung dieser Redaktion in den journalistischen Pflichten. Das Verhalten der Familie wird nicht hinterfragt, das Thema emotionalisierend behandelt unter Rückgriff auf ein Klischee. Hilfreiche Informationen zu den Grundsätzen von Fundtierverwaltung erhält der Leser nicht. Kurz und knapp: ein weiterer Beleg des Versagens der Tagesjournaille am Thema Tierschutz.

 

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Die DN-Quintessenz oder die Katastrophe, ein Staatsziel dem Ehrenamt auszuliefern:
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Donnerstag, den 19. Februar 2015 um 07:19 Uhr
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