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Pav19: Erdlingshof (1): Offene Fragen hinter einer hohen Mauer des Schweigens

 

{Presseauskunft verweigert}

[06.02.2015]

Die hier dokumentierte verweigerte Presseauskunft liegt zwei Monate zurück im November 2014. Der Nachtrag erfolgt anlässlich des DN-Artikels Aua1504 über eine Kolumne der Tierrechtlerin und Journalistin Hilal Sezgin, die früher auch als offizielle Unterstützerin des Erdlingshofs aufgetreten ist und in dieser Funktion auf der Webseite des Vereins genannt wurde. Doch nicht nur Johannes Jung vom Erdlingshof beantwortet keine (kritischen) Pressefragen, auch Hilal Sezgin hatte dieser Redaktion den Kontakt verweigert (vgl. Pav18).

Rechercheanlass, wie in Pav18 schon skizziert, war ein Benefizauftritt der „veganen“ Kabarettistin Gabriele Busse Anfang Dezember 2014 zugunsten des Erdlingshofs. Nach einem zunächst sehr regen und guten Kontakt, auch im Kontext mit dem DN-Artikel Aua1435 über die Künstlerin, verweigerte auch Busse Stellungnahmen zu den DN-Fragen, warum sie sich für einen derart intransparenten Verein wie den Erdlingshof engagiere.

Selbst die Veranstalterin des genannten Benefizkonzerts, Veggie-Events, verweigerte jede Presseauskunft.

 

Veränderungen am Impressum NACH DN-Presseanfrage

Nach zwei vergeblichen telefonischen Versuchen schickte die DN-Redaktion am 21. November 2014 eine Pressekontaktanfrage per E-Mail an Johannes Jung. Aber auch dieser Kontaktversuch blieb unbeantwortet.

Allerdings enthielten sowohl die Presseanfragen an Gabriele Busse wie an weitere Unterstützer des Erdlingshofs Hinweise auf die Kritikpunkte der DN-Redaktion. Diese bewertet es dann regelmäßig als eine Art Bestätigung, wenn NACH erfolgter Presseanfrage von den Auskunftsverweigerern dann die entsprechenden formalen Änderungen, zum Beispiel am Impressum, vorgenommen werden.

Das ist beim Erdlingshof der Fall!

 

Freistellungsbescheid für einen Verein in Bayern vom Finanzamt Düsseldorf

Der Erdlingshof ist ein NICHT eingetragener Verein. Das ist zumindest ungewöhnlich und berechtigt zu Fragen nach dem Grund. Des Weiteren gibt Johannes Jung an, der Verein sei als gemeinnützig anerkannt. Dazu verweist er für einen Verein in Bayern auf einen Freistellungsbescheid des Finanzamtes Düsseldorf-Altstadt.

Das ist noch ungewöhnlicher. Und da muss die (Presse-)Frage erlaubt sein, wie ein Verein mit Sitz in Bayern zu einem Freistellungsbescheid des Finanzamtes Düsseldorf-Altstadt kommt.

Aber anstatt diese an sich einfache Frage zu beantworten, verweigert Johannes Jung den Pressekontakt und nimmt stattdessen folgende Veränderung am Impressum vor:

 

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Impressum Webseite Erdlingshof vom 18.11.2014. Ohne weitere Erläuterungen wird hier für einen Verein in Bayern auf einen Freistellungsscheid des Finanztamts Düsseldorf-Altstadt verwiesen.

 

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Impressum Webseite Erdlingshof NACH der DN-Presseanfrage. Jetzt plötzlich wird erklärt, warum es einen Freistellungsbescheid für einen Verein in Bayern vom Finanzamt Düsseldorf gibt. Die DN-Redaktion hat diese Angabe dann übrigens nicht mehr recherchiert.

 

Der Sternchen-Text lautet:

              

* Der Verein wurde zunächst beim Finanzamt Düsseldorf-Altstadt geführt, da sich der Sitz bei Gründung in Düsseldorf befand. In 2014 wurde der Sitz wegen Übernahme des Erdlingshofes von Düsseldorf nach Kollnburg verlegt. Dadurch ist nunmehr das Finanzamt Straubing zuständig geworden. Weiterhin gültig bleibt aber gem. Auskunft des Finanzamtes der Freistellungsbescheid des Finanzamtes Düsseldorf-Altstadt vom 13.06.2013.

(Erklärender Sternchen-Text im Impressum Erdlingshof NACH der DN-Presseanfrage)

              

Damit ist die DN-Frage zunächst einmal beantwortet. Als neue Frage erhebt sich die, warum diese vergleichsweise banale Auskunft nicht auf regulärem Wege zu erhalten war?

Allerdings kann zumindest diese Redaktion nicht mehr nachvollziehen, wann welcher Verein zum Erdlingshof gehört/e und auf welcher Basis Spenden sammelte. Denn der Erdlingshof war früher unter „Antitierbenutzungshof“ bekannt. Seinerzeit wurden für mehr als fragwürdige Projekte wie etwa die Beinamputation bei einem Pferd Spenden akquiriert (hier). Allein die Prothese für das Pferd Sissi sollte 13.000 Euro kosten. Im heutigen Bestand des Erdlingshofs kommt dieses Pferd nicht mehr vor. Was wohl aus ihm und den Spenden geworden ist? Dazu kann DN keine Informationen finden und die Verantwortlichen beantworten keine Fragen.

 

Keine Satzung, keine Ämterbesetzung, keine Transparenz

Weiterer Anlass für die Presseanfrage von DN war die Tatsache, dass auf der Webseite des nicht eingetragenen Vereins keine Informationen über diesen zu finden sind. Damit versagt der Erdlingshof n. e. V. schon bei den banalsten Seriositätskriterien.

Welcher Art ist die Mitgliedschaft? Sind es vielleicht wieder überwiegend stimm- und rechtlose Fördermitglieder?

Wer ist der erste Vorsitzende? Wie groß ist der Vorstand? Wer hat welche Ämter/Funktionen in dem Verein? Wie lange ist die Amtszeit des gewählten Vorstands? Wer ist Begünstigter im Falle der Vereinsauflösung?

Auch weitere Fragen beantwortet weder Johannes Jung noch die Webseite des n. e. Vereins: Welche ist die zuständige Aufsichtsbehörde? Welche Genehmigungen für die Tierhaltung liegen vor? Wie sieht der Betreuungsschlüssel in dieser Tierhaltung aus. Diese Frage ist auch deshalb nicht unwichtig, weil die Betreiber dort im Sommer vergangenen Jahres einen tragischen menschlichen Verlust hinnehmen mussten (hier). Bei aller Pietät gegenüber den/dem Hinterbliebenen muss die Frage erlaubt sein, wie jetzt die Versorgung der Tiere gewährleistet ist. Und die Inventarliste auf der Erdlingshof-Webseite dazu ist besorgniserregend umfassend (die Angaben in Klammern beziehen sich auf die aktuell der Webseite zu entnehmenden Bestandszahlen; ohne Gewähr!): Rinder (2), Gänse (3), Hühner (3), Hunde (3), Kaninchen (2), Pferde (2), Schafe (7), Schweine (4), Ziegen (4) – versorgt von einer einzigen Person?

Und wovon bestreitet Johannes Jung seinen Lebensunterhalt, wenn er den ganzen Tag diesen großen Tierbestand betreut, der die Möglichkeiten einer Einzelperson weit übersteigt.

Übrigens fordert auch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt zu Spenden für den (völlig intransparenten) Erdlingshof auf: hier.

 

Jetzige Unterstützerin ist schön weit weg

Ebenfalls interessant: Warum wird Hilal Sezgin nach der DN-Recherche auf der Webseite des Vereins nicht mehr als Unterstützerin genannt? Gut, es muss kein kausaler Zusammenhang zwischen den DN-Recherchen und dieser Veränderung bestehen, aber herauskriegen kann man das nicht. Dazu ist die Mauer des Schweigens rund um den Erdlingshof zu hoch.

Stattdessen wird jetzt die US-amerikanische Sozialpsychologin und Publizistin Dr. Melanie Joy als Unterstützerin benannt. Praktisch: Joy ist schon weit weg und dürfte als US-Bürgerin wenig Einblick in das deutsche Vereinswesen und dessen Seriositätskriterien haben.

Das durchaus nicht unumstrittene Antivegan-Forum, das aber immer wieder durch gute Recherche besticht, beschäftigt sich kontinuierlich mit dem Erdlingshof (zur Deaktivierung des Hyperlinks Leerschritt eingefügt): https:// www.antiveganforum.com/forum/viewtopic.php?f=5&t=10163.

 

Zu Erdlingshof themenverwandte Artikel auf DN:

Aua1504 / Pav18 / Pav19 /

 





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Freitag, den 06. Februar 2015 um 12:11 Uhr
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