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Aua1501: Veterinäramt Landkreis Cloppenburg distanziert sich vom PETA-Veterinärämter-Ranking

 

{TS-Satire}

[27.01.2015]

 

In einer klareren Welt gäbe (Konjunktiv!) es diese oder eine inhaltlich ähnlich lautende Pressemitteilung des Landkreises Cloppenburg zum Veterinärämter-Ranking der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. (vgl. dazu auch aktuell TL31/15).

 

              

Eine Pressemitteilung des Landkreises Cloppenburg, die es nicht gibt

27. Januar 2014

 

Sehr geehrte Tierrechtler von PETA Deutschland e. V.,

der Landkreis Cloppenburg und die Mitarbeiter des Veterinäramts daselbst bedanken sich freundlich für die Positionierung auf Platz 1 des PETA-Veterinärämter-Rankings 2014. PETA hat es damit natürlich nicht einfach nur gut gemeint, sondern verfolgt mit diesem Ranking eine pur auf ganz eigene Interessen ausgerichtete Strategie.

Von dieser grenzt sich das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg allerdings deutlich ab!

Wir möchten nicht unhöflich erscheinen, doch aus ganz offensichtlichen Gründen weist der Landkreis Cloppenburg diese doch eher zweifelhafte Ehre zurück! Die Gründe dafür möchten wir Ihnen nicht verhehlen:

 

1. Zurückweisung aus Gründen der Kollegialität, Objektivität und Solidarität

Wir tun einfach unsere Arbeit und bemühen uns unausgesetzt, der exklusiven Garantenstellung unserer Behörde für den Tierschutz gerecht zu werden. Das Aufgabenfeld eines Veterinäramts ist um ein Vielfaches weitreichender als nur die Überwachung der Geflügelindustrie. Wenn PETA Deutschland e. V. das Veterinäramt (VA) des Landkreises Cloppenburg für „tierfreundliche Maßnahmen“ in Bezug auf die Geflügelindustrie extra auszeichnet, trägt das nach Meinung des Verfassers dieser nicht existierenden PM gleich zwei Unterstellungen in sich:

A) „Tierfreundliche Maßnahmen“ von Veterinärämtern in der Bundesrepublik sind eine solche Seltenheit, dass sich PETA überrascht zeigen muss, einer solchen im Landkreis Cloppenburg zu begegnen.

B) Fachbehördliche Stellungnahmen gegenüber der Staatsanwaltschaft im Sinne des Tierschutzes als staatlich beauftragter Vertreter desselben verdienen aufgrund ihrer Exklusivität eine besondere Auszeichnung. Im Umkehrschluss bedeutet das nach unserer Lesart: Alle andere Veterinärbehörden handeln nicht so. Wir möchten ungern in den Ruch kommen, dem schäbigen Rest an Veterinärbehörden in der Bundesrepublik derart unkollegial gegenüberzutreten!

 

 

2. PETA-Ranking-Kriterien sind lachhaft

Vielleicht nicht in Bezug auf den Landkreis Cloppenburg, sicher aber am Beispiel VA Ravensburg (Platz 5) ist deutlich ablesbar, dass PETA Deutschland e. V. sein Ranking auf absolute Einzelereignisse stützt. Ob ein Veterinäramt sich für Fische in einem Aquarium in einer Diskothek einsetzt, das trifft noch keine Aussage darüber, wie engagiert diese Behörde ihre Garantenstellung für den Tierschutz in allen übrigen Bereichen (landwirtschaftliche Betriebe, Schlachthof, Tierversuchsanlagen etc.) ausfüllt. Ganz besonders dann nicht, wenn es in dem betreffenden Landkreis ein Tierheim gibt, dem die zuständige Veterinärbehörde in der Vergangenheit Hunde-Innenzwinger genehmigte, die deutlich unter dem von der Tierschutz-Hundeverordnung geforderten Raummaß liegen (guckst du hier)! Gelle.

PETA Deutschland e. V. zieht also für dieses anmaßende Ranking Kriterien heran, die nachgerade lachhaft sind, wie besonders anschaulich das Beispiel Ravensburg zeigt!

 

 

3. PETA maßt sich die Rolle des Veterinärämter-TÜVs an!

PETA Deutschland e. V. maßt sich mit diesem Veterinärämter-Ranking so ganz nebenbei eine Rolle an, die diesem Verein gar nicht zusteht, nämlich die als eine Art Veterinärämter-TÜV! Dazu aber ist PETA Deutschland weder qualifiziert noch autorisiert!

Zwar hebt die Überschrift des Rankings auf die "Zusammenarbeit" zwischen PETA und den Behörden ab, in der Einzel-Laudatio dann aber tritt die Gesamtbewertung der Arbeit von Veterinärbehörden durch eine Tierrechtsorganisation unseres Erachtens unverhüllt hervor. So belegt es dann ja auch die Zwischenüberschrift "die besten Veterinärämter" (und nicht: "die mit PETA Deutschland e. V. am willigsten kooperierenden Veterinärämter").

 

 

4. Das PETA-Ranking diskreditiert unsere Behörde gegenüber gewerblichen Tierhaltern

Jetzt wollen wir uns einmal nicht die Augen reiben, aber PETA Deutschland e. V. gehört mit seiner bunten Geschichte zu den umstrittensten Tierrechtsorganisationen der BRD ever (hier, hier)! Da nützt es Ihnen auch wenig, wenn der tierschutzkritische Blog DN hier und dort (TL213/14) den Lorbeer über Ihnen ausstreut!

Das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg muss diese eher als zweifelhaft empfundene Auszeichnung von PETA Deutschland e. V. schon deshalb zurückweisen, weil sie unseren Mitarbeitern die tägliche Arbeit im Umgang mit gewerblichen Tierhaltern erschweren wird. Wie sollen wir bei unseren Kontrollen, Auflagen und Maßnahmen denen gegenüber noch glaubwürdig auftreten, wenn diese uns zurecht als PETA-Büttel vom Hof jagen werden?

 

 

5. Tierschutz in einem Rechtsstaat bedeutet Interessensausgleich

PETA Deutschland gibt an, die Interessen der Tiere zu vertreten! Das ist die Aufgabe von Tierschutzvereinen und Tierrechtsorganisationen und ihr gutes Recht. Praktisch dabei ist, dass die Tiere dem selbst behaupteten Mandat dieser Orgas ja auch nicht widersprechen können. Dem Vernehmen nach sind Tiere unter der Fuchtel von PETA in den USA über dieses Mandat nicht ganz so glücklich?

Aber staatliche Behörden haben noch etwas mehr als nur den Tierschutz zu beachten. Denn PETA macht ja auch kein Hehl daraus, dass nach der bei diesen Tierrechtlern herrschenden Ideologie jede Form der Tierhaltung unmoralisch und verwerflich ist.

Deshalb könnte es sein, dass die schwierige Gratwanderung von Veterinärbehörden die des permanenten Interessensausgleichs ist zwischen Tierschutz auf der einen Seite und jenen, die mit Tieren auf die eine oder andere Art umgehen, auf der anderen.

Dieser notwendige Interessensausgleich, der in jedem Einzelfall immer wieder neu versucht werden muss, schließt es aus, dass sich eine Behörde lieb Kind auf einer Seite der Balken macht.

 
              

 

Es gibt eben nicht nur eine Wahrheit! Auch im Tierschutz nicht!
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Zeitblueten.com!

 

              

Das Veterinäramt, welches die Ideologie von PETA unterschreibt, stimmt recht eigentlich für seine eigene Abschaffung.

Welches Finanzamt möchte denn gern auf der Rankingliste des Deutschen Arbeitgeberverbandes stehen mit Auszeichnung für besonders kapitalismusfreundliche Maßnahmen? Und stünde es daselbst, welcher Lohnsteuerzahler hätte dann noch Vertrauen in diese Behörde?

 

 

6. PETA-VA-Ranking zementiert das aversives Verhältnis zwischen Behörde und Tierhaltern

Indem PETA Deutschland e. V. die Veterinärämter der Republik vor seinen Karren spannt, wird das aversive Verhältnis zwischen Behörden und Tierhaltern, ob privat oder gewerblich, weiter zementiert. Nicht nur werden Veterinärbehörden als quasi verlängerter Arm einer höchst umstrittenen Tierrechtsorga ausgewiesen, sondern es wird ein als strukturimmanent fehletikettierter Konflikt zwischen Tierhaltern und Behörden behauptet und vertieft.

Im günstigsten Fall nämlich sind Amtstierarzt und Tierhalter nicht Gegner auf verschiedenen Seiten, sondern Partner einer permanenten Verbesserung des Tierschutzes. Davon sind wir zum Status quo zwar noch meilenweit entfernt, aber das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg möchte sich ungern den Weg dorthin verbauen.

Die Amtstierärzte der Republik haben gerade eben erst einen Kollegen und Mitarbeiter auf äußerst tragische Art und Weise verloren (hier). Auch wenn in dem speziellen Fall in Havelland vermutlich primär seelische Nöte des gewerblichen Tierhalters ausschlaggebend für den tödlichen Exzess gewesen sein dürften, betont die Tragödie einen Trend, wie er auch von der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen, Dr. Madeleine Martin, in diesem Interview (Sendg. v. 16.12.14) konstatiert wird: eine zunehmend von Gewalt und Drohungen charakterisierte Auseinandersetzung zwischen Veterinärämtern und Tierhaltern.

Wir möchten ungern Leib und Leben weiterer Veterinäramtsmitarbeiter riskieren, sehen unsere Chancen dazu aber gesteigert, wenn wir mit dem Schild um den Hals „designed by PETA Deutschland e. V.“ auf die Höfe und in die Ställe gehen!

 

Auch wenn das Veterinäramt Landkreis Cloppenburg nicht wirklich die doch leicht müffelnde Ehre von Rang 1 des PETA-Veterinärämter-Ranking zurückweist und sich davon (leider nicht wirklich) distanziert, seien Sie bitte versichert: Auch in Zukunft darf sich PETA Deutschland e. V. oder jede andere Tierrechtsorganisation, jeder Tierschutzverein und jeder Tierfreund vertrauensvoll mit Hinweisen auf Fische in Discotheken-Aquarien, auf Missstände in der Geflügelindustrie, zum Zwecke fachbehördlicher Stellungnahmen an Staatsanwaltschaften oder jede andere der schier endlosen Aufgaben eines Veterinäramts an uns wenden.

Wir werden unsere Arbeit machen – mit oder ohne PETA Deutschland e. V.

Für Ihr diesbezügliches Verständnis dankend verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

  
              

 

Weitere DN- und CharityWatch.de-Artikel über PETA Deutschland:

hier / hier / hier

Aua962 / Aua1219P / Aua1269 / Aua1373P / Aua1241P / TL18/15 / TL31/15 /





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Dienstag, den 27. Januar 2015 um 12:50 Uhr
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