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TL19/15: Ein ungewöhnlicher Antrag auf eine Schadensersatzklage: Private Produktwarnung vor Ardap Spot on Katze auf Fellbeisser

 

[17.01.2015]

Über den gestrigen Fellbeisser-Presseverteiler geht eine eigenartige, weil nicht näher belegte und auch nicht von offizieller Seite kommende Produktwarnung. Eine Beate Gries, Initiative Stadttiere Braunschweig, zeichnet die Meldung. Als Kontaktadresse ist darüber hinaus ein Dr. med. Völker mit E-Mail-Adresse angegeben. Das Produkt Ardap Spot on Katze enthalte den Wirkstoff Pyrethrum. Dieser sei für Katzen tödlich, weil ihnen das für den Abbau notwendige Enzym fehle. Es gebe auch kein Gegenmittel. Verlinkt wird in der Meldung lediglich auf die Schweizer Webseite Vetpharm.ch zu Informationen über den Wirkstoff Pyrethrum. Dort heißt es: „Katzen sind wegen der verminderten Aktivität ihrer Glucuronyltransferase besonders empfindlich gegenüber Pyrethroiden und dürfen deshalb nicht mit pyrethroidhaltigen Spot-on Präparaten behandelt werden“ (Quelle).

Im Fettdruck der Fellbeisser-Meldung kommt dann der als solcher bezeichnete „Hammer“: Die Autorin habe am Vortag bei FRESSNAPF (mit Schreibfehler) genau dieses tödliche Produkt gesehen. Ardap habe ein Spot on für Katzen auf dem Markt, in dem 50 g/kg KW Pyrethrum enthalten sei. „Also in einem Spot für 4 kg Katze 200 g Wirkstoff. Eine absolut tödliche Dosis!!!“ (Quelle).

DN-Senf: Puuuh! Das könnte teuer werden? Seit wann ergehen Produktwarnungen von quasi privater Seite? Man möchte Frau Gries nicht zu nahe treten, aber diese Redaktion fragt sich schon, ob sie weiß, was sie da tut? Eine Kurzrecherche ergibt, dass das Produkt von einer Firma Sollfrank KG in Nürnberg vertrieben wird. Warum gibt es keine Stellungnahme von dieser? Ernstzunehmende Produktwarnungen u. ä. gehen normalerweise über die Verbraucherschutzzentralen, die Ministerien oder allenfalls und für die Szene noch über die AHO-Redaktion in die Welt und erhalten dadurch etwas mehr Glaubwürdigkeit (z. B. durch die Tatsache, dass es jeweils ein Impressum mit ladefähiger Anschrift gibt). Auch von der mit beschuldigten Kette FRESSNAPF wird keine Stellungnahme angegeben? Die Gries-Meldung ist zwar in sich plausibel und nachvollziehbar, aber weder ist Frau Gries kompetent für solche Produktwarnungen noch kann sie sich auf offizielle Meldungen o. ä. beziehen.

Leider war die Todesmutige telefonisch auch nicht für eine Stellungnahme zu dieser Wahnsinnstat zu erreichen. Unter Umständen muss sie mit fetten Schadensersatzforderungen des Herstellers und der Vertreiber rechnen. Ihr Kardinalfehler: Den Produktnamen anzugeben. Hätte sie nur allgemein vor Produkten mit dem genannten Wirkstoff gewarnt, wäre das noch einmal eine andere Geschichte. Fragwürdig erneut bleibt für DN auch die Fellbeisser-Redaktion, die solche Meldungen in ihren Verteiler aufnimmt. Die Verantwortlichen dort müssten doch eigentlich wissen, wie gefährlich eine solche Produktwarnung (für Frau Gries) ist und dass so etwas juristisch vorne und hinten nicht zu halten ist?

Die Webseite von Stadttiere-Braunschweig.de häuft weiteren Kummer auf das Haupt des Staunenden und bestätigt Vermutungen: kein Verein, aber Spenden sammeln und das mit einem noch nicht einmal ordnungsgemäßen Impressum. Ergo: die bekannte Kategorie der Übereifrigen! Oder: eine interessante und möglicherweise weitere Recherche verdienende Variante von Dilettantentango

 





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Samstag, den 17. Januar 2015 um 14:14 Uhr
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