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Aua1446: AG Hundetrainer Sachkunde § 11 Tierschutzgesetz: Fortlaufende Erfahrungsberichte und unterhaltsame Satire-Kompetenz

 

{TS-Kritik}

[09.11.2014]

Das bundesweite Tollstück der Sachkundeprüfung nach § 11 Tierschutzgesetz für Hundetrainer und Tierschützer plätschert weiterhin und in immer skurrileren Wendungen vor sich hin. Die AG-BU11 (vgl. auch Aua1406) schaltet nach ihrem offenen Brief an das Bundesministerium, nach einer unverbindlichen Laber-Antwort darauf sowie einer weiteren Stellungnahme zurück an die Herrschenden erst einmal eine intern-demokratische Orientierungsrunde ein.

Mit weit mehr Esprit und unterhaltend fröhlicher Verzweiflung ging am 1. November 2014 eine Webseite der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Hundetrainer Sachkunde § 11 Tierschutzgesetz an den Start. Die gliedert sich übersichtlich in „News“, „Erfahrungsberichte Hundetrainer“, „Informationsbereich“ und: !!! Satirisches !!! Ein Forum gibt es auch.

 

Bestechende Satire-Kompetenz

Und diese AG hat fett Humor!

Wirklich gute Satire hervorzubringen, das ist für diese Redaktion inzwischen ein grundsätzliches Qualitätsmerkmal für Publizierende. Wer seine Verzweiflung und die beklagten MIssstände in ihren Strukturen so souverän durchdringt, dass das dazugehörige Textendprodukt auch wirklich unterhaltend ist, der verfügt ganz offenbar um die notwendige Analysekompetenzen, die am Schluss zur Lösung beitragen könnten.

Und die Satiren auf www.Sachkunde-Hundetrainer sind wirklich kerngut, weil es ihnen gelingt, die Absurdität der geltenden Regelungen und ihrer Anwendung kraft souveräner Willkür unterhaltsam auf den Punkt zu bringen.

 

Das Märchen vom Tierschutz

In „Ein Märchen vom Tierschutz“ coloriert die Autorin am Beispiel einer Autofahrt durch Deutschland den Stand der Sachkunde des Reisenden:

              

Es ging mal um Tierschutz, der ist auf dem Weg durch die Behörden irgendwie abhanden gekommen. Meiner Sachkunde geht es so, wie den sogenannten Kampfhunden, die wechselt je nach Bezirk. Wenn ich durch Deutschland fahre und die verschiedenen Bezirke der Veterinärämter passiere, dann bin ich mal sachkundig mal nicht, mal sachkundig, mal nicht. Mal hätte ich Bestandsschutz, mal nicht. Mal wird ein Einzelfall geprüft, mal nicht.

(www.sachkunde-hundetrainer.de, Ein Märchen vom Tierschutz)

  
              

Und derlei Highlights sind keine Zufallstreffer, wie gleich die nächste Satire belegt:

              

Heute habe ich wieder was dazugelernt. Während die “kleinen” Hundetrainer nun um ihre Existenz kämpfen, gibt es dann noch ganz andere Hundetrainer – oftmals Tierärzte mit dem Zusatz Verhaltensberatung – die ab jetzt jeden Abend auf die Kasse springen müssen, damit sie diese noch zu bekommen.

Es bilden sich Einnahmequellen, die schier unerschöpflich sind.

(ibid.; Satire: Der Irrsinn geht weiter)

              

 

Sammelporträt der Lobbyisten hinter der Abzocke im Kontex mit der Sachkundeprüfung nach § 11 Tierschutzgesetz Nr. 8f (für Hundetrainer) und auch Nr. 5 (für Tierschlepper).
Grafik: Thommy Weiss / pixelio.de

 

Und der Kampfgeist quillt über die Textform hinaus:

              

Liebe Hundetrainer,

ich mache den Irrsinn nicht mit. Es gibt keine gültige Rechtsverordnung, Ich nehme mir einen Anwalt. Das Geld, was ihr jetzt in Vorbereitungskurse und Prüfungsgebühren steckt, das ist für mich bei einem Anwalt, der wirklich für mich kämpft, sehr viel besser aufgehoben.
Wenn ihr erstmal durch eine Prüfung gefallen seid, dann ist es zu spät oder nur noch sehr schwer.

(ibid.)

              

Nicht nur gelegentlich wird die Satire von der Realsatire überholt:

              

Und aus diesem Grund gibt es jetzt von mir regelmäßig kleine Berichte aus Absurdistan. Damit sich jeder selber ein Bild davon machen kann, wie aussagekräftig so eine Erlaubnis ist.

Da gibt es ein Bildungsinstitut:

Dieses Bildungsinstitut ist nach AZAV §8 Abs.4 zur Konzeption und Durchführung von Bildungsmaßnahmen für Hundetrainer, Hundeausbilder und Hundetherapeuten berechtigt. Dafür kriegt man Geld vom Arbeitsamt und auch die sogenannte Bildungsprämie. Das ganze erhält also eine offizielle staatliche Förderung.

Super, ne?

Das ganze verliert ein kleines bisschen den Glanz, wenn man mit dieser staatlich geförderten Ausbildung zum Veterinäramt geht. Dort wird einem dann nämlich erklärt, dass man mit dieser Ausbildung keine Sachkunde hat und mitnichten einfach als Trainer arbeiten kann.

Die eine staatliche Hand fördert also eine Maßnahme, die die andere staatliche Hand als unzureichend zurückweist.

(ibid.; Jeden Tag eine Nachricht aus Absurdistan)

              

Die Autorin schreckt nicht davor zurück, ganz tief ins Landesinnere zu reisen. Nachstehend die Listung der Auflagen, welche einem erfolgreichen Absolventen der Prüfung schriftlich mitgeteilt wurden:

              

"5. Es ist ein Tierbestandsbuch zu führen. In dieses ist Folgendes einzutragen:

a. Art, Rasse und Geschlecht des Wirbeltieres.
b. Kennzeichnung, z. B. Tätowier- und/oder Chipnummer.
c. Datum des Zugangs in den Bestand sowie Herkunft unter Angabe des Namens und der Anschrift der abgebenden Person und
d. Datum des Abgangs aus dem Bestand sowie Verbleib unter Angabe des Namens und der Anschrift der aufnehmenden Person.

e. Das Bestandsbuch muss gebunden und mit Seitenzahlen versehen sein. Als Bestandsbuch können auch andere zuverlässig nachprüfbare systematische Aufzeichnungen verwendet werden; in diesem Fall sind die Seiten mit fortlaufenden Nummern zu versehen. Eintragungen sind am Tag der Aufnahme bzw. Abgabe der Tiere und in dauerhafter Weise vorzunehmen. Das Bestandsbuch ist drei Jahre aufzubewahren; die Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung vorgenommen wurde. Das Bestandsbuch muss jederzeit auf Verlangen vorgelegt werden können.

Ein Muster für ein Tierbestandsbuch ist als Anlage beigefügt."

Meine Anmerkung: ich weiß ja nicht, wie ihr das seht – aber ich hatte noch nie das Gefühl, als würden meine Kundenhunde in meinen Bestand übergehen?! Über Rückmeldungen freue ich mich. Vll. gibt es eine Erklärung?

Niedlich ist auch: Art, Rasse und Geschlecht. Als Hundeschule trainiere ich doch selten Katzen, Mäuse, Rinder, Kangurus. Aber man weiß ja nie.

(ibid.; Der Irrsinn geht auch heute weiter; Hervorheb. d. DN-Red.)

              

 

Foto: M. Großmann / pixelio.de

 

Und sie lässt nicht nach: „Der Irrsinn kennt keine Feiertage“ heißt der nächste Reisebericht, der den Leser darüber informiert, dass manche Veterinärämter die Prüfung bei den Hundetrainern ZU HAUSE abnehmen wollen!

Die Autorin muss jeden Tag mehrere Texte veröffentlichen, um ihrer Chronistenpflicht auch nur ansatzweise nachzukommen:

              

Der neuste Fall:

eine Hundetrainerin, schon lange tätig, hat die Erlaubnis als Sachverständige Wesensgutachten bei Hunden (schade, ich hätte so spontane Ideen, welche Menschen mal überprüft werden könnten) sowie theoretische und praktische Sachkundenachweise für ihr Bundesland abzunehmen. Der wurde jetzt auch die Sachkunde aberkannt – mit der Begründung

“nur weil sie Sachverständige sind, heißt das doch lange noch nicht, dass sie auch sachkundig sind”!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ja, ne, ist klar.

Und nur weil alle mit Köpfen rumlaufen, ist nicht bewiesen, dass ein Hirn drin steckt.

(ibid.; Schlimmer geht immer)

  
              

 

Riesenspaß, Riesentrost, Riesenchance?

Die DN-Redaktion empfiehlt die Seite Sachkunde-Hundetrainer.de ausdrücklich – und nicht nur für Hundetrainer. Auch wenn sich unsere Auslandsschlepper bisher noch fest entschlossen zeigen, weiterhin illegal und ohne die notwendige Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 5 Tiere aus dem Auslands nach Deutschland zu deportieren, irgendwann wird diese Gesetzesregelung Realität werden.

All jene, die von der Behördenwilkür im Kontext der Sahkundeprüfung § 11 Tierschutzgesetz und der Abzockphantasie der Profiteure gebeutelt sind, lesen bei der AG Hundetrainer Sachkunde in unendlichen Variationen die tröstende Botschaft: „Du bist nicht allein!“

 

Angemerkt:
Der Autorin der phantastischen Texte möchte Karin Burger gern ein Angebot machen, wenn ein Telefonkontakt zustande käme? Das ist der DN-Redaktion heute, am Sonntag und bis Redaktionsschluss dieses Artikels leider nicht gelungen.

Denn: Es gibt Alternativen …

 

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Sonntag, den 09. November 2014 um 12:22 Uhr
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