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Aua1445: +++ EILMELDUNG +++: Hooligans gegen Hunde ist ein Fake - keine "Reichskristallnacht" gegen Tierheime?

 

{TS-Kritik}

[08.11.2014]

[Aktualisierung vom 09.11.14]

Von allen Seiten bekommt die DN-Redaktion schon den ganzen Tag Hinweise auf eine Facebook-Veranstaltung Hooligans gegen Hunde, die für den morgigen Sonntag deutschlandweit zu Protesten gegen Tierheime aufruft. In Anspielung auf die November-Progrome 1938, bekannt als sogenannte Reichskristallnacht am 9. November, wird – stilecht mit Grammatikfehler - dazu aufgerufen, „[in] der kommenden kristallklaren Sonntagnacht“ die Tierheime "in Rauch aufgehen zu lassen".

 

Bildzitat Screenshot Facebook Hooligans gegen Hunde: Aufruf zu Brandanschlägen gegen Tierheime am 9. November 2014!

 

Hier der Originaltext des Aufrufs:

               Am 09. November, also diesen Sonntag, begeben sich deutschlandweit Hooligans gegen Hunde auf die Straße und ziehen mit Fackeln vor jedes Tierheim. Wir haben ja eigentlich nichts gegen diese Heime, doch sie sind überfüllt mit schmarotzenden, verlausten Kötern, welche auf UNSERE Steuerkosten ein Luxusleben führen und es wird Zeit dem ein Ende zu setzen! Lasst uns der kommenden kristallklaren Sonntagnacht diese Heime in Rauch aufgehen lassen... es wird Zeit das Deutschland erwacht!

# HoGeHu zählt auf deine Unterstützung!
... weil Deutschland einen Neuanfang braucht!  

(Facebook: Hooligans gegen Hunde; Hervorheb. d. DN-Red.)
              

Die Tierschützer alarmieren die Szene schon den ganzen Tag über entsprechende Warnmails via Tierschutzverteiler. Darin wird empfohlen, die örtliche Polizei sowie alle Tierheime zu informieren.

 

Die Veranstaltung ist ein Fake!

Die TU Berlin informiert aktuell darüber, dass diese Veranstaltung als Fake bewertet wirdMimikama.at meldet zu dem Vorgang noch nichts.

 

Nur die Tierschützer provozieren?

Die Facebook-Seite Hooligans gegen Hunde wurde am 2. November 2014 gegründet. Der Szeneinsider muss schon lachen, wenn er den Appell dort liest: „Alle Köter nach Rumänien abschieben!“

Hey, ihr Honks: Da kommen die doch alle her!

Darüber prangt der Spruch:

              

Heute fressen sie aus Dosen Schafen und Rinder,
morgen vielleicht Christenkinder

(Facebook: Hooligans gegen Hunde; Info)

              

Die Seite hat bisher 1.144 Gefällt-mir-Angaben. Der Aufruf zur "Reichskristallnacht" für Tierheime wurde bisher 597 mal geteilt.

Aufhorchen lässt das Posting einer Sara Kiefer: „Dummheit beginnt genau an der Stelle, an der Sarkasmus nicht mehr verstanden wird“. Allerdings hat die Ankündigung einer Art Reichskristallnacht für Tierheime mit Sarkasmus nichts mehr zu tun!

Deshalb bleibt die Lesart offen, dass es sich hier „nur“ um eine mehr als geschmacklose Provokation von Tierschützern und Hundefreunden handelt.

Demonstrationen vor Tierheimen wie die angekündigten sind eher unwahrscheinlich. Es wären dann nicht angemeldete Versammlungen, die von der Polizei sofort aufgelöst werden könnten.

Anders sieht es mit möglichen Übergriffen Sonntagnacht aus. Angesichts der aktuellen Gewalteskalation (Köln am 2. November 2014) könnten sich gewaltbereite Spinner durch diesen Aufruf durchaus dazu inspiriert fühlen, Anschläge gleich welcher Art gegen Tierheime durchzuführen?

 

Tierschützer: Reißt euch 1 x zusammen!

Die Experten der TU Berlin bewerten den Aufruf als Fake. Die Information darüber sollte die schmale Gratwanderung bewältigen, auf der einen Seite den Hunde-Hassern nicht unnötigen Zulauf zu bescheren (keine Postings auf der FB-Seite!) und auf der anderen Seite trotzdem wachsam zu sein.

Ignoranz ist Dominanz (und gerade diese Redaktion weiß genau, wovon sie schreibt ...). Jeder, der auf diese ungeheure Provokation mit Postings, Teilungen etc. reagiert, gießt Öl ins Feuer und schenkt den bedauernswerten Seelen das, wonach sie so unendlich dürsten: Aufmerksamkeit!

Betreiber von Tierheimen sind sicherlich klug beraten, wenn sie diesen Aufruf zeitnah mit ihrer örtlichen Polizeidienststelle besprechen und dort erfragen, wie sie sich verhalten sollen.

Bezeichnend für Facebook ist die Tatsache, dass dieser eindeutige Gewaltaufruf wieder einmal unbehelligt seine Botschaft verbreiten darf. Stünde Facebook nicht außerhalb geltenden Rechts, würde eine solche Seite sicherlich ratzfatz abgeschaltet. Es ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass gerade das Medium Facebook solchen Provokateuren und Hasspredigern die voraussetzende digitale Infrastruktur bietet. Ohne diese Plattform wären solche Akteure aufgeschmissen, verliefen ihre Provokationen im Sande.

DN hat die Facebook-Veranstaltung selbstverständlich nicht verlinkt, weil dort zu Straftaten aufgerufen wird.

Und die DN-Redaktion wartet gerade von den angeblichen Tierfreunden immer noch auf eine Petition, endlich Facebook abzuschalten ...!

DN wird weiter berichten, sobald valide Informationen vorliegen!

 

[Aktualisierung vom 09.11.2014]
Harald von Fehr gießt üppig Öl ins Feuer

Ausgerechnet! Harald von Fehr baut den Provokateuren eine goldene Brücke. Von Fehr war Vorsitzender des Landesverbands Thüringen der Tierschutzpartei. Im Frühjahr 2013 sorgte er durch rassistische Äußerungen für einen Skandal (vgl. Aua985). Gemäß Homepage der Tierschutzpartei wird der Landesverband Thüringen allerdings, wie andere auch (NRW, Berlin), derzeit kommissarisch vom Bundesvorstand der Partei geleitet. Über von Fehr informiert auch die Seite Tierschutzpartei-Leaks. Der Tierrechtler Colin Goldner schreibt über von Fehr, er habe "tatsächlich eine Schlagseite hinein ins tiefbraune Milieu" (Quelle).

Über Fellbeisser Presseverteiler ruft von Fehr am 8. November 2014 dazu auf, sich mit den Provokateuren so richtig anzulegen und damit deren Reichweite zu vergrößern:

              

Liebe Tierfreunde,

ich will doch hoffen, dass solchen Idioten, die sich an unschuldigen Tieren vergreifen wollen, mal so richtig gezeigt wird – wo es lang geht!!!!

Postet auf Facebook und verbrennt Euch ruhig mal den Mund – eine solche Bande braucht Feuer unterm A….!!!

 

Harald von Fehr
Kooperationsleiter
Unabhängige Tierschutz-Union Deutschlands

[…]

Internet: www.tierschutz-union.de

Mitglied „Allianz für Tierrechte”
Mitglied „Aktionsbündnis jagdfreie Natur”
Ansprechpartner im Netzwerk bundesweiter Tierschutz-Notruf 0700 58585810

              

 

Inzwischen behaupten einige Poster auf der Fake-Seite, es handele sich um ein Satireprojekt. Es seien auch nicht Tierheime und Hunde, sondern Asylantenheime und Asylsuchende gemeint. Die Seite solle beweisen, dass in Deutschland eher Tiere geschützt werden als Flüchtlingen und Asylbewerber.

 

 





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Samstag, den 08. November 2014 um 18:06 Uhr
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