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Aua1419: Starker Tobak: Huffington Post veröffentlicht unmarkierten Plagiat- und Propagandatext von Tierschützern zum Thema Ebola-Hund

 

{TS-und Medien-Kritik}

[11.10.2014]

 

Am 10. Oktober 2014 veröffentlichte die Huffington Post (HuffPo) den Artikel „Warum ein Hund für spanische Propaganda sterben musste“. Angegebene Autorin ist Sabine Ludwig, für deren Seriosität die ergänzenden Hinweise „Journalistin, DAHW, Wahlbeobachterin der OSZE“ angeführt werden.

Inhalt des HuffPo-Artikels ist die Tötung des Hundes „Excalibur“ in Spanien, der auf Anweisung der Behörden und mit Gerichtsbeschluss eingeschläfert worden war, weil er einer in Madrid an Ebola erkrankten Krankenschwester gehörte und Ansteckungsgefahr befürchtet wurde.

DN hatte sich mit dem Vorgang an sich satirisch auseinandergesetzt (vgl. Aua1418).

Zu dem Zeitpunkt war dieser Redaktion jedoch lediglich der Text „Verfehlter Aktionismus – Ana Moto lässt <Ebola>-Hund Excalibur tötenbekannt, wie er auf der Webseite des Blogs SOS Galgos am 8. Oktober 2014 veröffentlicht worden war.

 

Bildzitat Sreenshot der Tierschützer-Seite SOS Galgos: So kommen Artikel der HuffPo zustande: Eine Journalistin stellt ihren Status zur Verfügung, übernimmt den Text der Tierschützer inhaltlich vollständig, stellt einige Worte und Sätze um und fertig ist die Propaganda mit hoher Breitenwirkung für tierschützerische Positionen.!

 

 

Beide Artikel sind inhaltlich vollkommen, lexikalisch weitgehend identisch

Durch die Auseinandersetzung mit dem ersten Artikel auf SOS Galgos kam der DN-Redaktion der HuffPo-Artikel bekannt vor.

Beide Artikel – der von SOS Galgos wie der von Sabine Ludwig/HuffPo – ausgedruckt nebeneinander gelegt - zeigen irritierende Parallelen: Die Texte sind inhaltlich vollkommen identisch. Der HuffPo-Artikel gibt keinerlei Fakten oder Informationen an, die über den Text der Tierschützer hinausgehen würde.

Ganze Absätze des Tierschützers-Artikels wurden für den HuffPo-Beitrag übernommen, wobei nur einzelne Wörter ergänzt wurden:

              

Excalibur, der Hund der an Ebola infizierten spanischen Krankenschwester ist tot. Rechtsanwälte, Tierärzte, die spanische Tierschutzpartei, Aktivisten, tausende Tweeds bei Twitter und fast 400 000 Unterschriften bei Change.org, konnten das Drama nicht verhindern.

(SOS Galgos: Verfehlter Aktionismus vom 08.10.14)

              

 

Diese Angabe erscheint bei der HuffPo dann wie folgt:

              

Excalibur, der Hund der an Ebola infizierten spanischen Krankenschwester, ist tot. Rechtsanwälte, Tierärzte, die spanische Tierschutzpartei PACMA, Aktivisten, tausende Tweeds bei Twitter und fast 400.000 Unterschriften auf Change.org, der führenden Internet-Plattform für soziale Veränderung, konnten das Drama nicht aufhalten.

(Huffington Post 10.1014 Sabine Ludwig: Warum ein Hund für spanische Propaganda sterben musste; Hervorhebg. d. DN-Red.: Der HuffPo-Text unterscheidet sich vom Tierschützer-Text nur durch die fett hervorgehobenen Worte.)  

              

Und so geht es munter weiter:

              

Auch wenn der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy jegliche Kritik am spanischen Gesundheitssystem zurückweist “Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt” und auch die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato sich keiner Schuld bewusst ist, der Fall Excalibur zeigt deutlich, wozu verfehlter Aktionismus führt. Ein Sündenbock war schnell gefunden, man wollte ja diesmal alles richtig machen und entschied sich dazu, dass der Hund der Krankenschwester beseitigt werden muss. Ana Mato hat wohl den Metabolismus des Hundes mit dem der Flughunde verwechselt, die wirklich Überträger von Ebola sind.

(SOS Galgos - wie oben)

              

Aus obiger Textpassage wird im Artikel der „Journalistin“ Sabine Ludwig in der HuffPo:

              

Auch wenn der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mit dem Satz "Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt" jegliche Kritik zurückweist und auch die Gesundheitsministerin Ana Mato sich keiner Schuld bewusst ist, zeigt der Fall Excalibur deutlich, wozu verfehlter Aktionismus führt. Ein Sündenbock war schnell gefunden: Der zwölfjährige Mischling der Krankenschwester musste beseitigt werden.

(HuffPo - wie oben; Hervorheb. d. DN-Red.: identische Passagen fett markiert)

              

 

Die „journalistische“ Leistung von Sabine Ludwig liegt hier in der Umstellung einzelner Satzteile, der Wortumstellung bei „der Fall Excalibur zeigt deutlich“ in „zeigt der Fall Excalibur deutlich“ sowie der Ergänzung, dass der zwölfjährige Mischling der Krankenschwester beseitigt werden musste.

Andere Textpassagen von Sabine Ludwig benutzen das gesamte Wortmaterial des Ursprungsartikels, nur um dieses etwas umzustellen:

              

Aktivisten haben im Turnus die ganze Nacht vor dem Gebäudekomplex in der Avenida del Pinar von Alcorcón, eine halbe Autostunde von Madrid entfernt ausgeharrt, damit der Hund nicht unbeobachtet abgeholt werden konnte. Anwohner brachten Decken und Essen. Sogar in der Nacht kamen Pressevertreter von Zeitung und Fernsehen.

[...]

Leute vor Ort standen über die sozialen Netzwerke im steten Kontakt zueinander, es wurden Fotos von Excalibur auf der Terrasse gepostet, um zu zeigen, dass er noch lebt. Die Tageszeitungen haben laufend berichtet, natürlich das, was die Regierung für wahr verkaufen wollte. Es hat Stunden gedauert, bis die Behörden sich darüber einig waren, wer denn die Tür der Wohnung öffnen darf. Die nationale Polizei, die kommunale Polizei oder die Feuerwehr. Diese drei Einheiten sind weder mit den strengen Sicherheitsmaßnahmen ausgerüstet, noch dafür ausgebildet. Schließlich haben Beamte gegen 18.30 Uhr das Gebäude mit dem getöteten Hund verlassen. Aktivisten wurden von der Polizei verdrängt, ein junger Mann wurde nicht, wie die spanischen Zeitungen zuerst berichtet hat, überfahren und schwer verletzt, er wurde von einem Polizisten nieder geknüppelt! Die sterblichen Überreste von Excalibur wurden verbrannt.

(SOS Galgos - wie oben; Hervorhebg. d. DN-Red.) 

              

Daraus wird in der HuffPo:

               

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verbrachten die Tierschutz-Aktivisten vor dem Gebäudekomplex in der Avenida del Pinar von Alcorcón, eine halbe Autostunde von Madrid entfernt. Sie wollten verhindern, dass das Tier unbeobachtet abgeholt werden konnte. Anwohner unterstützten die Proteste und brachten Decken und Essen.

Pressevertreter von Zeitung und Fernsehen kamen die ganze Nacht hindurch. Am Mittwoch, als Aktivisten ein Interview gaben, schlug die Polizei zu, und löste die Versammlung unter Androhung hoher Geldstrafen auf. Die Unterstützer vor Ort posteten in allen sozialen Netzwerken Fotos von dem Vierbeiner auf dem Balkon als Zeichen dafür, dass er noch lebt.

(HuffPo - wie oben)

              

 

Nur drei Zitate werden ordnungsgemäß als solche gekennzeichnet

Es ist trivial, ausgerechnet auf DN noch einmal darauf hinzuweisen, dass Journalisten und alle anderen seriösen Publizisten Textübernahmen selbstverständlich als solche kennzeichnen und mit einer Quellenangabe versehen müssen (vgl. auch Aua1143P). Nach Meinung dieser Redaktion jedoch ist der gesamte HuffPo-Artikel ein Zitat bzw. eine Textübernahme und mithin ein Plagiat!

Als Textübernahmen gekennzeichnet werden von Sabine Ludwig jedoch nur drei kleinere Absätze zum Ende des Artikels:

              

"PACMA wird alle rechtlichen Möglichkeiten untersuchen, um den Fall vor Gericht zu bringen", sagt Bloggerin Martina Szyska von SOS Galgos. Sie steht in engem Kontakt mit der spanischen Tierschutzpartei.

"PACMA wird weiterhin für die Tiere arbeiten, für alle 'Excaliburs' und denen eine Stimme geben, die keine haben. Der Fall wird die nächsten Wahlen beeinflussen, denn die führende Partido Popular PP steht ab jetzt auch für Grausamkeit, Unmoral und wissenschaftliches Fehlverhalten."

[…]

"Die infizierte Krankenschwester wurde falsch und zu spät behandelt. Es ist allzu offensichtlich, dass das Töten von Excalibur vom Versagen des spanischen Gesundheitssystems ablenken soll. Die verantwortlichen Politiker sind durch ihre Unfähigkeit zu handeln eine Gefahr für die gesamte spanische Bevölkerung."
Martina Szyska

(HuffPo - wie oben, Hervorheb. d. DN-Red.)

              

Und es fehlt auch jeder Hinweis darauf, dass die "Journalistin" Sabine Ludwig mit ihrer "Quelle" persönlich befreundet ist!

Interessant ist die Textpassage dazwischen, die im obigen Zitat mit „[…]“ gekennzeichnet wurde, denn die ist auch wieder vom Ursprungsartikel übernommen, wobei lediglich die Wörter umgestellt wurden:

              

Nein, es ist nicht nur die Geschichte eines Hundes, es ist ein Paradebeispiel dafür, wie die spanische Regierung mit der Krise umgeht. Es ist das Ergebnis der Misswirtschaft des spanischen Gesundheitssystems, dass einer korrupten Regierung, die lieber in den Stierkampf investiert und nicht in die Gesundheit der Bevölkerung – verfehlter Aktionismus, Behördenwillkür

(SOS Galgos - wie oben; Hervorhebg. der DN-Red.)

              

Mit wenigen Wortumstellungen und Wortergänzungen wird daraus nach „journalistischer Arbeit“ in der HuffPo:

              

Die Geschichte dieses Hundes ist ein Paradebeispiel für das Krisenmanagement der spanischen Regierung und der Misswirtschaft des nationalen Gesundheitssystems. Sie steht auch für eine korrupte Regierung, die bevorzugt, öffentliche Gelder in den Stierkampf zu investieren, anstatt in die sozialen Angelegenheiten ihres Volkes.

(HuffPo - wie oben; Hervorhebg. d. DN-Red.)

              

 

DN-Meinung: Das ist kein Journalismus, das ist billiges Abschreiben! Und seitens der HuffPo ist es nach Meinung dieser Redaktion eine gravierende Irreführung des Lesers, der nicht darüber informiert wird, dass ihm hier ein Text vorgelegt wird, der mutmaßlich und durch seine Quelle belegt als Produkt von SOS Galgos und mithin parteiischer Tierschützer angesehen werden muss.

Unter diesem Aspekt bekommt die HuffPo-Sabine-Ludwig-Überschrift "Warum ein Hund für spanische Propaganda sterben musste" nahezu realsatirische Züge. Denn der HuffPo-Artikel selbst ist nach Meinung dieser Redaktion übelste Propaganda, bei der der Leser noch nicht einmal sicher sein kann, dass die Fakten entsprechend und mit journalistischer Unabhängigkeit überprüft wurden.

 

Bildzitat Screenshot des Plagiats in der HuffPo

 

 

Beide „Autorinnen“ wollen nicht darüber sprechen

Die DN-Redaktion hat sowohl der „Journalistin“ Sabine Ludwig wie auch der Tierschützerin Martina Szyska Gelegenheit gegeben, zu diesem Vorgang Stellung zu nehmen. Auffallend war bei beiden Damen die stark abweisende Reaktion. Sabine Ludwig wie auch die Bloggerin von SOS Galgos sind nach eigenen Angaben eng miteinander befreundet.

Wer denn nun welchen Text verfasst hat, erklären sie gegenüber der DN-Redaktion nicht. Sie hätten ihn „gemeinsam geschrieben“. Überdies sei das nicht wichtig. Wichtig allein sei, dass solche Informationen (i. e.: Propaganda) verbreitet werden.

Das ist eine überaus erstaunliche Einstellung für eine Journalistin: Verbreitung von sogenannten Informationen ohne Hinweis auf die in diesem Fall parteiische Quelle!

Eine gemeinsame Autorenschaft kann aber nicht sein. Denn wenn eine nicht-journalistische Tierschützerin Mitverfasserin des Artikels in der HuffPo wäre, müsste sie dort als Ko-Autorin genannt sein, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, die Herkunft dieser besonderen Art von „Informationen“ zu bewerten.

Sabine Ludwig beendet ohne Grußformel das Telefonat mit der DN-Redaktion mit dem Hinweis, sie möchte das Gespräch jetzt unterbrechen, ihr wäre das einfach „zu dumm“.

In dem Telefonat war bei DN der Eindruck entstanden, dass Sabine Ludwig ihre Journalistenstatus zur Verfügung stellt, um Propagandatexte von Tierschützern mit großer Breitenwirkung zu platzieren. Ob diese ausdrücklich als "Eindruck" zu markierende These stimmt, konnte diese Redaktion nicht mehr überprüfen, weil die Journalistin Sabine Ludwig die weitergehende Presseauskunft dazu verweigerte.

Die Tierschützerin Martina Szyska behauptet von dem HuffPo-Artikel: „Wir haben den Text gemeinsam gemacht.“

Beide Autorinnen sind äußerst erbost darüber, dass DN diese Art von "Journalismus" in Frage stellt.

An die Redaktion der HuffPo hat DN mit heutigem Datum eine Presseanfrage per Mail mit der Bitte um Stellungnahme gerichtet. Sobald eine solche vorliegt, wird diese an dieser Stelle veröffentlicht und durch einen Aktualisierungshinweis bekannt gemacht.

Sollte sich die HuffPo von dem Vorgang wie oben dokumentiert nicht entschieden distanzieren, ist dieses Informationsquelle für DN obsolet, weil unseriös.





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Samstag, den 11. Oktober 2014 um 11:26 Uhr
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