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Aua1397P: Der Tierrechtler Colin Goldner und seine kleine Banane

 

{der satirische Kommentar zu einem Südfrucht-Mysterium}

[im DNPA erschienen: 03.09.14; online verfügbar ab: 02.11.2014]

 

In einem Telefonat mit einer Autorenkollegin vor einigen Tagen stellte ich erleichtert fest, dass nicht nur ich seit dem 17. August 2014 und dem Auftritt des Tierrechtlers Colin Goldner in der WDR-Sendung Tiere suchen ein Zuhause nachts nicht mehr schlafen kann. Offensichtlich ist es nicht nur mein Gemüt, das seitdem schwer belastet mit der unlösbaren Frage ringt: Was treibt Colin Goldner da eigentlich mit seiner kleinen Banane?

 

 
Bildzitat Screenshot WDR-Sendung Tiere suchen ein Zuhause vom 17.08.2014: Schlaflos in Sauldorf - und nicht nur dort: Was treibt Colin Goldner bei seinem Auftritt in der Auslandshundeverkaufssendung Tiere suchen ein Zuhause eigentlich da mit seiner kleinen Banane?

 

Dazu sei erwähnt, dass meine Kollegin und ich ausgewiesene Goldner-Fans sind! (Mit dieser publizistischen Präferenz wird man aus jedem akademischen Zirkel ausgewiesen.) Das sei hier einmal klargestellt!

 

Goldners Innovationspotenzial: Themen-Messie

Dreifach gebannt von seinem androgynen Phänotyp mit dem flatternden Flusenhaar (Catweazle reloaded), der intellektuellen Brillanz („Vorsicht: Tierheilpraktiker!“ - auf so einen Buchtitel muss man erst einmal kommen) und der ethischen Vorzüglichkeit (leicht zur Hysterie neigender Schutzpatron von Tierfreunde Niederbayern e. V. plus <Great Ape Projekt>) verabsäumen wir nicht, auch seine publizistische Leistung als Themen-Messie zu würdigen. Im gelungenen Transfer des Animal-Hoarder-Syndroms seiner Tierschützerinnengefährtinnen sammelt er mit konzentrierter Beliebigkeit seine Themen am Straßenrand des Populismus. Auf der gegenüberliegenden Seite, also antagonistisch. Was immer möglichst vielen Menschen lieb und teuer ist, Goldner schreibt es in Grund und Boden: Tierheilpraktiker, Dalai Lama, Bernd Hellinger und überhaupt der gesamte „esoterische Firlefanz“, ach was: die Metaphysik in Gänze!

Als Sendbote der Giordano-Bruno-Stiftung hat er für den Moment seine geistige Heimat bei in Gefangenschaft gehaltenen Affen gefunden. Mit einem befremdenden Gefühl für Prioritäten angesichts der globalen Lage fordert er für diese Menschenrechte ein. Also Grundrechte, von denen ein nicht exakt quantifizierbarer, nichtsdestotrotz Besorgnis erregend großer und derzeit immer größer werdender Anteil der Weltbevölkerung nur träumen kann.

Der Wille zum Schicksal ist bei Goldner nicht nur Vorstellung! Praktizierte Dekadenzethik.

 

 
Bildzitat Screenshot YouTube Catweazle Staffel 1 Folge 3: Ein Blick ins Goldner-Ahnenarchiv erhellt.

 

 

Was will uns die kleine Südfrucht sagen?

Das mit den Affen ist auch enorm wichtig. Aber auf das relevante Thema kann sich der Zuschauer im Filmbeitrag überhaupt nicht konzentrieren – vor lauter Banane. Und der Aufmerksamkeit, die er, der Gerechte, ihr schenkt. Sein Greifen, Betasten, Wenden, Drehen des exotischen Obstes, der stolze Blick nach unten …

 

 
 Bildzitat Screenshot wie oben: Besitzerstolz?

 

Es ist eher ungewöhnlich, dass Tierschützer und verwandte Missionare mitten in den Exerzitien der guten Tat und vor laufender Kamera der Nahrungsaufnahme frönen. Noch dazu im Freilauf. Was also soll sie bedeuten, die kleine quietschgelbe Frucht? Ein Symbol? Wofür?

Den Kameramann des WDR jedoch muss Goldner ganz und gar verstimmt haben. Denn man hätte den Fernsehbeitrag ohne großen Aufwand enorm aufwerten können – inhaltlich und ästhetisch. Wenn man die wunderschöne blaue Dogge häufiger ins Bild genommen hätte. Viel häufiger. Oder: nur?

 

 
 dito

 

Mit welchem Stolz er sie nach oben sich reckend in seinen Händen hält!

Sein?

Oder brüllt hier doch (nur) der Phallus? Schwer vorstellbar, Goldner in den Wettbewerb eintreten zu sehen zu seinen Mitbewerbern der Tierschutzszene, die ganz offensichtlich über die imposantere Ausstattung verfügen:

 

 
Dagegen schmiert Goldner mit seiner kleinen Banane natürlich ab! Der „Tierschützer“ Ralf Seeger mit der prächtigeren Wumme!
Ausschnitt Bildzitat Screenshot von: http://www.youtube.com/watch?v=1ZgHqbwOV1o vom 16.08.2012 Copyright (wie im Screenshot auch angegeben): Ps Record Kleve. Herr Pascal Walterfang, Inhaber der Firma und der o. g. Quelle Ps Records, ist nach eigenen Angaben Urheber des Videos, aus welchem das per Screenshot festgehaltene Bild stammt. Das Video ist inzwischen online nicht mehr verfügbar. Aber zur Verwendung dieser Screenshots hat es einen wunderschönen Prozess gegen die DN-Redaktion gegeben, welche diesen gewonnen hat - vgl. dazu Aua1358.

 

Oder symbolisiert das beschwichtigende Befummeln des länglichen Lebensmittels den biografischen Kulminationspunkt der auch schon gerichtlich attestierten Neigung Goldners zum „vulgär Vereinfachend“en? Nicht umsonst gilt Goldners Gesamtepos Liebhabern der deutschen Sprache, Ästheten und Humanisten auch als „Lexikon des Rottwelschen“. Entlädt sich der Frust über „Keiner nimmt ihn ernst“ in dem schonungslosen Entblättern der wehrlosen Frucht? Soll diese Gelbpellerei gar erhellen? Folgt dem „verblendeten Fanatiker“ nun der fanatische Bananenverbieger?

 

Die Agonie eines Lebens in der Hölle einer gottlosen Welt

Halt! (Auch) Goldner ist unserer Empathie bedürftig! Wer möchte jenem kritikunfähigen Kritiker den Trost einer phallusförmigen Frucht versagen, der sich selbst zum Leben in der Hölle einer gottlosen Welt verdammt hat? Ebenso notdürftig wie wortreich versucht er sich dort an der eigenen Göttlichkeit zu trösten.

Und wird uns mutmaßlich auch weiterhin von dieser Herrlichkeit berichten …

Mach was!

 

Für die Affen eher ein Griff ins Klo!

DN möchte das sicherlich nicht artgerechte Dasein von Zoo-Primaten nicht noch weiter beschweren. Aber ob sich diese Kategorie der Entrechteten mit der Wahl just diesen Botschafters einen Gefallen getan hat, darf füglich bezweifelt werden. Dem mangelt es zuvorderst an Sympathie und Glaubwürdigkeit. Gleichermaßen. Denn wer ohne Gnade gegen Gott und Globuli mit unerträglicher, weil vor allem auch witzloser Polemik zu Felde zieht, verliert mit affenartiger Geschwindigkeit an Überzeugungskraft, wenn er genau diese Gnade für unsere Brüder hinter Gittern einklagen möchte. Auf dem Feld der Ehre eines Enfant terrible der Publizistik liegen vom erbarmungslosen Rationalismus hingestreckt Legion von Menschen, deren Glauben verhöhnt und deren Heilung negiert wird. Mit fast metaphysischer Irrationalität stupst der blutbesudelte Fuß des in die eigene Herrlichkeit verliebten Feldherrn im Flusenkranz deren Kadaver an, um Empathie und Barmherzigkeit noch irgendwie herauszuquetschen.

Silberrücken und Silberhaar ergeben bei aller der Alliteration geschuldeten Gefälligkeit eben nicht zwangsläufig ein erfolgreiches Gespann.

 

 
Aus welcher Perspektive man es auch immer betrachtet, das Mysterium löst sich nicht auf. Und die Bäume über Goldner sind unbeafft.

 






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Mittwoch, den 03. September 2014 um 12:25 Uhr
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