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Aua1274P: Ralf Hewelcke (9): Alles ziemlich vergiftet

 

{TS-Kritik}      [im DNPA erschienen: 18.03.14; online verfügbar ab: 23.04.14]

 

DN setzt die Dokumentation der Zeugenaussagen zur Tierhaltung Ralf Hewelcke in Brandenburg fort. Eine vollständige Liste der bisher in dieser Serie erschienenen Artikel findet sich am Ende vom Text.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, zeichnet sich dieser Tierschutzfall durch eine ungewöhnlich gute und umfassende Dokumentenlage aus. Allein dieser Redaktion liegen bisher insgesamt zehn schriftliche Aussagen früher Mitarbeiter von Ralf Hewelcke vor. Dazu kommen noch Berichte und Dokumente von Kunden der Hundepension Sirius und ihren eindrücklichen Erfahrungen.

Im offenen Brief der DN-Redaktion an den Landrat des Kreises Oberhavel, Karl-Heinz Schröter, wurden auch schon einige Mitarbeiter zitiert (Aua1260). Aua1268 veröffentlichte den Bericht einer Mitarbeiterin für den Zeitraum September 2010 bis August 2011. In Aua1271P berichtete eine Auszubildende, die von November 2011 bis Juni 2012 in der Tierhaltung des Bezirksschornsteinfegers Ralf Hewelcke, Kremmen, tätig war. Ihr wurde der Ausbildungsvertrag gekündigt.

 

Nicht nur ausgelegtes Rattengift belastet das Klima

Nachstehend veröffentlich DN den Bericht einer weiteren Auszubildenden des kritisierten Betriebs, der rund 200 Tiere umfasst, die von nur zwei Vollzeitkräften betreut werden (Angabe von Ralf Hewelcke). Die nachstehend veröffentlichte Aussage bestätigt im Wesentlichen die Angaben anderer Mitarbeiter: katastrophale hygienische Zustände, Unter- und Fehlversorgung der Tiere mit Wasser und Futter, Gewaltaktionen gegen Tiere, Beißereien mit Todesfolge, bauliche Mängel, fehlende Arbeitsmittel und ein offensichtlich unerträgliches Arbeitsklima mit zahlreichen Schikanen.

Ralf Hewelcke nimmt zu den erhobenen Vorwürfen keine Stellung. Das hat er schon in dem Fernsehbeitrag von rbb klartext am 19. Februar 2014 nicht getan. Und er beantwortet auch die Presseanfragen der DN-Redaktion nicht (vgl. Pav4, Pav5). Bisher liegen lediglich zwei Zeitungsberichte vor, in denen sich der Beschuldigte artikuliert (hier und hier).

Die DN-Redaktion kann die im nachstehenden Bericht (kursiv, blau) gemachten Angaben nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Deshalb wird der Bericht als Inhalte Dritter veröffentlicht. Die Verfasserin ist dieser Redaktion namentlich bekannt. Das schriftliche Einverständnis zur Veröffentlichung liegt vor. DN macht sich den Text nicht zu eigen.

Interesssant an dem Bericht ist auch die Erwähnung des Tierheim Berlins! Erster Vorsitzender dort ist nach wie vor und gefühlt seit der Eiszeit Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes (DTB). Auch mit heutigem Datum noch wird Ralf Hewelcke mit seinem Verein Nordische in Not auf der Homepage des DTB als Mitgliedsverein geführt.

Die im Text vorkommende Abkürzung „EQJ“ bedeutet: Einstiegsqualifizierung Jugendlicher.

Eine Auszubildende von Ralf Hewelcke berichtet für den Zeitraum von September 2009 bis Juli 2011 (1 Jahr EQJ und Auszubildende 1. Lehrjahr):

 

Listenhunde aus dem Tierheim Berlin

Alle Hunde hatten kaum bis gar keinen Kontakt zu den Pflegern, da die Zeit dafür, aufgrund der minderen Besetzung es nicht zuließ. An den meisten Tagen wurden die Privathunde innerhalb von 30 Minuten gefüttert und der Kot entfernt.

Die in Obhut genommenen Listenhunde aus dem Tierheim Berlin, die zum Großteil schon auffällig geworden waren wurden im Haus III untergebracht. Die Schieber von den Innenräumen zu den Außenbereichen waren des Öfteren nicht gängig oder nur von außen zu erreichen.

Das Wasser der Hunde wurde aus Zeitgründen und auch oft aus Sparmaßnahmen aus Wasserauffangbehältern entnommen. Dieses war nicht vor Sonneneinstrahlung geschützt und stand oft mehrere Wochen.

Alle Hunde sollten in deren Augen [gemeint: nach Anweisung der Betreiber – Anmerkg. der DN-Red.] nicht dick gefüttert werden. Leider lief es meistens darauf hinaus, dass wir die Hunde zu mager ernähren mussten. Durch den leidenden Hunger und die mangelnde Beschäftigung kam es sowohl bei den Privathunden als auch bei den Hunden bei „Nordische in Not“ und den Listenhunden (Haus III) zu Koprophagie.

Endo- und Ekto-Parasitenbefall bestand bei allen Hunden des Hofes. Besonders bei allen Privathunden, der bei einer Hündin fast zum Tod führte.

Spazieren gehen mit den Hunden des Hofes war unerwünscht, da diese so nach Angaben von Herrn Hewelcke und anderer weisungsbefugter Personen Parasiten auf das Gelände bringen würden.

Die Fellpflege kam bei allen Tieren zu kurz. So fiel auch eine Umfangsvermehrung am Hals bei einem Privathund erst auf, als er die Größe einer Honigmelone angenommen hatte.

 

Beißereien an der Tagesordnung

Alle Hunde neigten aufgrund mangelnder Auslastung zu hohem Aggressionspotenzial. So kam es vor, dass über Nacht bei den Privathunden ein Hund von den Zwingergenossen tot gebissen wurde.

Beißereien zwischen den Hunden waren sowohl bei den Privathunden als auch bei Nordische in Not an der Tagesordnung. Diese mussten von meinen Arbeitskollegen und mir unterbunden werden, wobei es Aufgrund fehlender Arbeitsschutz Möglichkeiten des Öfteren zu Bissverletzungen der Mitarbeiter kam.

Bei „Nordische in Not“ wurden diese sogar provoziert, indem unverträgliche Rüden in eine Zwingeranlage gesperrt wurden. (Kimi/Siux).

Ich habe Katzen und Hunde Medikamente (u .a. Veracin) verabreicht und geimpft.

 

Nicht artgerechtes und verschimmeltes Futter

Die Nutz- und Wildtiere wurden sehr einseitig ernährt mit rohen Kartoffeln und Möhren. Diese waren des Öfteren auch verschimmelt und faulig

Dem Wild, den Rentieren und Elchen wurde ein Mineralzusatz beigefüttert, welches für Wiederkäuer nicht geeignet ist.

 

Ausgelegtes Rattengift für Schadnager

Zur Beseitigung der Nager-Schädlinge wurde Rattengift ausgelegt. Allerdings war dieses zum Teil für die Tiere des Hofes zugänglich (ausgebrochene Ziegen und Hofkatzen).

Aus dem Schweinegehege musste ich mehrmals Schutt, Glas, Plastik, Kordeln und

Asbestplattenstücke entfernen (im besten Fall gab es Arbeitshandschuhe), die die Schweine ausgegraben hatten.

Die Schweine wurden z.T. mit verschimmeltem Obst und Gemüse gefüttert.

Die Pferde wurden oft über mehrere Tage nicht gemistet, da Personalmangel vorherrschte. Ihnen wurde ebenfalls verschimmeltes Heu verfüttert.

Der Schutt, Kompost-Abfall und Fäkalien wurden auf der Pferdekoppel abgeladen.

Mehrmals im Monat kam es vor, dass nur eine Vollzeit- und eine Halbtagskraft als Pfleger zur Verfügung standen.

2-3 Tage in meiner Zeit auf dem Sirius-Hof habe ich diesen vollkommen allein bewirtschaften müssen. Bei diesem Personalmangel war es schier unmöglich die rund 200 Tiere so zu versorgen, wie es von Nöten gewesen wäre.

 

Vergiftetes Arbeitsklima

Herr Hewelcke und seine Familie verbreiteten oft nicht der Wahrheit entsprechenden Dinge, um die Arbeitskollegen gegeneinander aufzuhetzen. Arbeitskollegen, die ein besonders gutes Verhältnis miteinander hatten, wurden so eingeteilt, dass sienicht zusammen gearbeitet haben.

 

Ausbildungsrelevant

Im EQJ besuchte ich nicht die Schule, weil mir von Herr Hewelcke gesagt wurde, wenn ich diese besuchen wollte, könnte ich mein 2. und 3. Ausbildungsjahr nicht bei Sirius fortführen.

Bereits in meinem EQJ wurde mir zugeteilt, sowohl Auszubildende als auch den Tierpfleger Martin L. [Name von DN-Red. entfernt] zu beaufsichtigen und zu kontrollieren.

Ungeheizter Pausenraum mit Quarantänekatzen

Im Pausenraum, der aus Energiespargründen nicht geheizt werden durfte, standen Quarantäneboxen für Katzen. Dort war auch eine alte inkontinente Hündin untergebracht.

Sich von der Arbeit zu erholen, neue Kraft zu tanken und sich im Winter aufzuwärmen war fast unmöglich.

Der Ausbildungsplan wurde in Form von Monatsberichten angeeignet. Arbeitsschutzbelehrungen habe ich keine erhalten. Gelernt habe ich nur das, was ich mir selber angeeignet habe oder von meinen Arbeitskollegen gelernt habe.

 

Ende des Berichts einer Auszubildenden.

 

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Außerhalb der Serie auch: Aua1262 /

 





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Dienstag, den 18. März 2014 um 12:49 Uhr
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