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Aua21: Tierschutzskandal Zarenhof I: Die Verursacher

{TS-/DS-Kritik}  Seit Ende September 2010 ist er da: Der bisher größte Tierschutzskandal aller Zeiten. Stichworte dazu sind: Zarenhof, die „Tierschützerin“ Gesa K., die Moderatorin Sonja Zietlow, Animal Hoarding. Und dieses Gipfeldesaster ist extrem gut dokumentiert – dank Sonja Zietlow. Eine beeindruckende Übersicht bietet die Website http://www.derzarenhofinfo.com/.

Eine auf vereinsloser Ebene agierende „Tierschützerin“ sammelt in einer ihr von Zietlow vermieteten Immobilie mit Hilfe von Tierfreunden, Tierschützern und Tierschutzvereinen rd. 70 Hunde, die sie vollkommen verwahrlosen lässt. Zum Zeitpunkt der Aufdeckung des Skandals watet man im Haus nahezu knietief durch Dreck und Kot. Die Hunde waren oft ganze Tage vollkommen sich selbst überlassen. In einer Grube hinter dem Haus findet man jede Menge Hundekadaver. Neben Border Collies vor allem auch betroffen: Deutsche Doggen, teilweise auf den Zarenhof verbracht von namhaften Doggenschützern!

Wie die Nacharbeitung zum jetzigen Stand dokumentiert, stammten 27 der 70 Hunde von Tierschützern!

Tierschützer auch haben Gesa K. kurz vor dem Anrücken der Behörden geholfen, die (noch lebenden) Hunde verschwinden zu lassen. Wie Tierschützer sogar handgreiflich mit Dampfstrahler versucht haben, an dem restlos ruinierten Haus noch etwas Kosmetik zu betreiben, beschreibt Sonja Zietlow auf ihrer Site selbst. Einige Tierschützer verteidigen und rechtfertigen immer noch die furchtbare Tierquälerei, die sich auf dem Zarenhof abgespielt hat. Einige Tierschützer, die selbst Hunde dort abgeladen hatten, haben nichts Besseres zu tun, als ihre Kollegen mit Gülle zu überschütten. Andere ergehen sich in Enttäuschung- und Betroffenheitslyrik etwa so:

Hab’ so sehr an Dich geglaubt.
Hab’ zu Dir aufgeschaut.
Wie oft habe ich gedacht: Was für eine tolle Frau!
Ich habe mich neben Dir so klein gefühlt.
(Maria Heil; http://www.doggenschutz.de/doggen.htm;
Artikel “Zarenhof” vom 24.10.2010)

Wer denkt bei „Maria Heil“ nicht gleich an die Heilige Maria?

Welches Unheil aus Menschen erwächst, die sich selbst klein fühlen und klein sind, belegt die Geschichte hinreichend.

Die Kernfrage des Gedichts „Ich denke: Oh Gott, war ich wirklich so dumm?“ kann nur rhetorisch gemeint sein?

Und dann platzt die dünne Haut der übergroßen melodramatischen Geste und enthüllt den blanken Hass dahinter, der dieses Gutmenschentum so unglaublich gefährlich macht – für Mensch und Tier, wie der Zarenhof-Skandal belegt: „Ich hoffe, Du fühlst Dich irgendwann wie diese Wesen: eingesperrt im Dreck, verlassen und einsam.“ (ibid.). In weiteren üblen Versen toben sich kaum verhüllte Lynchjustiz-Phantasien aus und die Enttäuschungslyrik kippt hin zu Vergeltung, Rache, Hass, Niedertracht, Gemeinheit, Bösartigkeit, Voyeurismus. Welch skurrile Ethik!

Der Artikel in Gänze und diese Tränen-Lyrik im Besonderen dokumentieren exakt die Ursachen für Zarenhof-Skandale. So lange solche Verlautbarungen von Tierschützer innerhalb ihrer Peergroup unsanktioniert dahingehen, so lange wird sich nichts ändern! Der geballte und weitschweifige Hass, wie er aus allen Zeilen des zitierten Artikels spricht, ist genau die Art Alarmsignal, die im Vorfeld von Skandalen à la Zarenhof so gern übersehen werden.

Doggennetz wird sich in einer dieser Diktion diametral entgegengesetzten Art und Weise eingehend mit den dem Zarenhof-Skandal unterliegenden Strukturen beschäftigen und dabei versuchen, die Perspektive nach vorn zu eröffnen.

[Textergänzung v. 31.10.10/Anfang] Um das Thema noch einmal auf den Punkt zu bringen: Es geht ausschließlich um die Strukturen, die solche Exzesse wie den Zarenhof möglich machen. Verursacher sind dann diejenigen, die solche Strukturen aufbauen und/oder unterstützen; sei es ideell, sei es materiell. Wer sich auf die Schuld einer Einzelperson in diesem Fall herausreden möchte, der macht es sich zu einfach; ohne diese Einzelperson von dem ihr tatsächlich zufallenden Anteil an Verantwortung zu entlasten. Zu den Strukturen, die solchem Grauen Vorschub leisten, gehört der Personenkult. Kritikloses Anhimmeln von angeblichen Besser-Menschen, wie es eben gerade dieses Gedicht zum Ausdruck bringt, ist fatal. In jedem einzelnen der auf der Zietlow-Seite veröffentlichten Zeugenberichten kommt zum Ausdruck, wie sehr die Menschen, die auf dem Zarenhof waren und/oder Gesa K. begegnet sind, von dem Nimbus der Heiligen, der „Mutter Theresa des Tierschutzes“ in ihrer Wahrnehmung und Bewertung des Wahrgenommenen gehemmt waren. Das ist exakt der Grund, warum Personenkult, fremde und eigene moralische Überhöhung bis in göttliche Sphären (Engel & Co.), Hochstilisierung zu Gutmenschen sowie inszeniertes Märtyrertum so gefährlich sind. All die Pferde- und Hundeflüsterer, die Tierschutzengel, die Mutter Theresas, die Doggenmamas und was sich im Inventar tierschützerischen Personenkults sonst noch finden mag, ist brandgefährlicher Personenkult und bereitet Skandalen wie dem Zarenhof den Weg. Und dabei fällt denen, die sich selbst zur moralischen Überhöhung ausschreiben, ebenso viel Verantwortung zu wie jenen, welche diese Ausschreibung mehr als willig annehmen, andere heilig sprechen und ihre moralische Vorzüglichkeit betexten und bedichten oder – ganz besonders bitter – nach den jetzigen Erkenntnissen von jeder Verantwortung lossagen. [Ende Textergänzung v. 31.10.10]

Doch pointierter als alle Worte bildet Erri Emra das Kernproblem ab:

p15-2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





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Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 08:49 Uhr
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