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Aua18: Offener Brief an den MDR

Texthex’ Karin Burger   Reute 10   88605 Sauldorf

EINSCHREIBEN / Einwurf
MDR Mitteldeutscher Rundfunk
Intendanz
z. Hd. Hr. Prof. Dr. U. Reiter
Kantstraße 71 – 73

04275 Leipzig

 

21.10.2010

  

O F F E N E R    B R I E F

  

Doku-Soap Leben für 4 Pfote“ über das Tierheim Oelzschau

Warum bewirbt der MDR illegalen Hundehandel unter dem Etikett „Tierschutz“?

 

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Reiter,

der Mitteldeutsche Rundfunk hat in den vergangenen Wochen in der 5 Folgen umfassenden Sendung „Leben für 4 Pfoten“ die Arbeit des Tierheim Oelzschau des Tierschutzvereins Leipziger Land e. V. dargestellt. Ein zentrales Thema der MDR-Doku-Soap war die Einfuhr von 21 Hunden aus dem angeblich größten Tierheim der Welt in Rumänien, genannt „Smeura“.

 

Illegaler Hundehandel
Wie inzwischen durch schriftliche Auskunft der zuständigen Veterinärbehörde beim Landratsamt Leipzig belegt ist, führt das Tierheim Oelzschau Hunde aus dem Ausland ohne die dafür notwendigen Genehmigungen ein. Das Tierheim Oelzschau besitzt weder eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. b Tierschutzgesetz (gewerblicher Handel mit Tieren) noch hat es eine Registriernummer nach § 4 der Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung beantragt noch werden die Transporte, wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, dem TRACES-System gemeldet. Wie es aussieht, führt dieses Tierheim seit Jahren an den bestehenden Gesetzen vorbei und in Missachtung der seuchenrechtlichen Gefahren Hunde nach Deutschland ein.

Dazu muss man wissen, dass der Gesetzgeber Hunde-Importe durch Tierschutzorganisationen in dem Sinne nicht kennt. Juristisch wird lediglich zwischen der Einfuhr von Tieren im Rahmen des privaten Reiseverkehrs und gewerblicher Einfuhr unterschieden. Entscheidend für die Kategorisierung ist dabei immer der potenzielle Besitzerwechsel im Zielland, was ja bei Tierschutzorganisationen per definitionem der Fall ist. Mithin sind diese Importe immer gewerblich.

Ein besonders spektakulärer Gesetzesverstoß ist auch die in der Doku-Soap dokumentierte Einfuhr von drei Welpen aus Spanien. In der letzten Folge der Soap erklärt der Tierheimleiter Holger Henkel den Interessenten, die Welpen seien „jetzt“ (zum Zeitpunkt der Aufnahmen) 8 bis 9 Wochen alt. Diese Hunde dürften überhaupt nicht in Deutschland sein, weil sie in dem Alter noch keinen bestehenden Impfschutz haben können. Überdies wird in der Sendung kurz zuvor gezeigt, dass die Welpen krank sind; sie hätten Husten.  Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) sagt dazu eindeutig: „Ein Verbringen von unter 3 Monate alten nicht gegen Tollwut geimpften Welpen (auch in Begleitung des Muttertieres) ist im Rahmen des gewerblichen Handels nicht möglich“ (http://zergportal.de/baseportal/tiere/News&Id==715).

Einen guten Überblick über die komplexe Rechtslage zum Thema Hunde-Importe durch Tierschutzorganisationen gibt die aktuelle Ausarbeitung von Dr. Patric Huselstein, BMELV , wie sie auf www.zergportal.de , dort unter „News“ vom 03.10.2010 einzusehen ist.

Unter all diesen Fakten komme ich zu der Einschätzung, dass es sich bei den Hunde-Importen des Tierheim Oelzschau um illegalen Hundehandel handelt.

FRAGE an den MDR:

1. Warum bewirbt das öffentlich-rechtliche Fernsehen illegalen Hundehandel unter dem Etikett Tierschutz in der Sparte Unterhaltung im Vorabendprogramm?

 
Gravierende Mängel in der Sachkunde

Alle fünf Folgen der Doku-Soap dokumentieren meiner Analyse nach gravierende Mängel in der Sachkunde des Tierheimleiters Holger Henkel. Ob es um Quarantänebestimmungen geht, den Umgang mit Pensionstieren und verwilderten Hauskatzen oder die Aufzucht von Katzen-Saugwelpen, die von dem Tierheimleiter gemachten Aussagen stehen im Widerspruch zu jeder Sachkunde.

Die zuständige Veterinärbehörde kann die von mir erhobenen Vorwürfe bis dato auch nicht ausräumen und erklärt auf Anfrage schriftlich zu diesem Punkt:

„Die von Ihnen auf Grundlage der MDR-Fernsehsendung aufgeworfenen Sachverhalte werden wir zum Anlass nehmen, die tatsächlichen Abläufe nochmals konkret zu prüfen und genau zu hinterfragen“ (E-Mail Dr. Vogel, Landratsamt Landkreis Leipzig vom 07.10.2010).

Ohne Zweifel wird diese Doku-Soap einen enormen Spendeneffekt für den Tierschutzverein Leipziger Land e. V. haben. Entsprechend teilt mir auch der Zuschauer-Service des MDR per E-Mail mit, dass die Zuschauer-Resonanz sehr gut sei.

Die MDR-Sendung und der nach allen Plausibilitätsgründen und jeder Fundraising-Empirie zu erwartende spendentechnische „Segen“ für diesen Verein ist ein Schlag ins Gesicht all jener Tierschützer und Tierschutzvereine, die professionell und gesetzeskonform arbeiten.

FRAGE an den MDR:

2. Warum porträtiert und bewirbt der MDR ausgerechnet einen Tierschutzverein, der sich nicht an die bestehenden Gesetze hält und ganz offensichtlich gravierende Defizite in der Sachkunde dokumentiert?


Unwahre Behauptungen

Wie ich in meiner Artikel-Serie auf www.doggennetz.de, Rubrik „aktuell & kritisch“, in mehreren Artikeln dargestellt habe, trifft Hr. Holger Henkel, insbesondere im Kontext mit indirekten Spendenaufrufen, in der Sendung Aussagen, die im Widerspruch zur geltenden Rechtslage stehen.

Bei der Einschläferung des Pensionshundes „Prinz“ in Folge 2 etwa behauptet Hr. Henkel, die Kosten für die tierärztliche Behandlung dieses Pensionshundes blieben nun auch noch am Tierheim Oelzschau hängen. Diese Aussage verblüfft besonders deshalb, weil die geltende Rechtslage besagt, dass Tierarztkosten während eines Pensionsaufenthalts selbstverständlich vom Besitzer des Hundes getragen werden müssen. Die furchtbare Euthanasie-Szene aber im Zusammenhang mit dieser Behauptung von Hr. Henkel ist geeignet, bei den Zuschauern Spenden zu generieren.

Eine weitere nach meiner Meinung unwahre Aussage trifft Hr. Henkel in der letzten Folge der Soap, wenn er behauptet, die 200 Euro „Vermittlungsgebühr“ für die (illegal) aus Spanien eingeführten Welpen deckten kaum die Unkosten des Tierheims für „Wurmkur und Impfung“. Die Welpen sind bei Abgabe gemäß den Angaben in der Sendung 8 bis 9 Wochen alt; sie sind überdies krank. Sie können also gar nicht geimpft worden sein! Selbst ein gesunder Welpe hat mit 9 Wochen maximal eine Erstimpfung. Abgesehen von der Tatsache, dass hier illegal eingeführte Hunde, noch dazu krank und ungeimpft, abgegeben werden, wird auch der Eindruck erweckt, das Tierheim könne mit den erzielten Euro 200 pro Welpe kaum seine Unkosten decken. Solche Aussagen sind natürlich geeignet, bei einem durchschnittlichen Zuschauer, dem zur korrekten Beurteilung ganz natürlich die Sachkunde fehlt, Spenden zu generieren.

FRAGE an den MDR:

3. Warum gibt das öffentlich-rechtliche Fernsehen einem Verein die Möglichkeit zu indirekten Spendenaufrufe auf der Grundlage offensichtlich unwahrer Behauptungen?


Massive Intransparenz

Das Tierheim Oelzschau und der Tierschutzverein Leipziger Land e. V. sind mit der MDR-Doku-Soap „Leben für 4 Pfoten“ von sich aus an die Öffentlichkeit herangetreten und haben sich breit dargestellt. Nachfragen genau dieser Öffentlichkeit jedoch beantwortet dieser Tierschutzverein nicht. Dem für alle Vereine geltenden Transparenzgebot verschließen sich die Verantwortlichen. So etwa verweigerte sich die 1. Vorsitzende, Elvira Henkel, einer Anfrage von CharityWatch.de zu dem Jahresbericht des Vereins. Auch weitere Anfragen mit der Bitte um Stellungnahme zu den o. g. Sachfragen beantwortet dieser Verein nicht. Im Gegenteil brüstet sich die 1. Vorsitzende auf anderen Internetpräsenzen sogar damit, dass sie jede Auskunft verweigert.

FRAGE an den MDR:

  • 4. Warum gibt das öffentlich-rechtliche Fernsehen einem karitativ tätigen Verein die Möglichkeit zur Präsentation und zum Spendenakquisition, der gegen den wichtigsten Grundsatz jeden Fundraisings, gegen das Transparenzgebot, verstößt?

  • Nachdem ich verschiedentlich und sowohl auf dem E-Mail- wie dem Telefonwege versucht hatte, mit der für diese Sendung zuständigen Redaktion des MDR Kontakt aufzunehmen, was mir jedoch nicht gelungen ist, wähle ich jetzt diesen Weg des offenen Briefes.

    Ich bitte Sie, zu den von mir gestellten Fragen Stellung zu nehmen. Ihre Stellungnahme wird selbstverständlich an selber Stelle wie diese Anfrage veröffentlicht: auf der Internetpräsenz www.doggennetz.de in der Rubrik „aktuell & kritisch“.

    Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im Voraus.


    Mit freundlichen Grüßen

    gez. Karin Burger
    www.doggennetz.de

     

    Verteiler:

    -  Deutscher Rundfunkrat
    -  Redaktion „Zapp“ des NDR
    -  Stefan Loipfinger, CharityWatch.de

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     





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    Donnerstag, den 21. Oktober 2010 um 09:54 Uhr
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