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Aua1234: Sag beim Abschied leise servus: Stefan Bröckling verlässt SOKO Tierschutz

 

{TS-Kritik}    [Aktualisierung am 29.01.14  am Ende vom Text]

 

Der prominente Tierrechtler, Kameramann und Fotoreporter Stefan Bröckling hatte erst im Sommer 2013 die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. verlassen. Über die Gründe zur Trennung zwischen PETA und Bröckling wurde gemäß Berichterstattung der taz „aus juristischen Gründen“ gegenseitiges Stillschweigen bewahrt.

Solcherart gelabeltes Stillschweigen ist tatsächlich dann aber doch sehr beredt ...

Bröcklings „Karriere“ begann nicht erst bei PETA. Schon beim Skandal-Verein Arche2000 war er mit von der Partie und danach kurze Zeit beim Europäischen Tier- und Naturschutz e. V. tätig.

Seit dem 1. August 2013 engagierte sich Bröckling dann als, wie er selbst erklärt, „ehrenamtlicher Aktivist“ bei der im Dezember 2012 gegründeten Soko Tierschutz e. V. unter der Führung von Friedrich Mülln. Entgegen anderslautender Behauptungen im Internet hatte Bröckling bei der Soko Tierschutz zu keinem Zeitpunkt eine offizielle Funktion inne. Er ist auch nicht Gründungsmitglied.

In den vergangenen Monaten wurde die Soko Tierschutz e. V. von bisher unbekannten Tätern durch gefakte Pressemitteilungen und gefälschte Internetpräsenzen massiv in Misskredit gebracht. Den bisherigen Höhepunkt erreichten diese Aktionen mit dem Auftreten einer ominösen Gruppe Charitywatch.info (vgl. Aua1209, Aua1210, Aua1213). Diese verteilte großflächig und mit finanziellem Aufwand eine Pressemitteilung „CharityWatch.info warnt vor Soko Tierschutz“ im Internet, die vor falschen Tatsachenbehauptungen nur so strotzt. Darin avanviert Bröckling gleich zum ersten Vorsitzenden und Mülln wird zu dessen rechter Hand degradiert.

 

Zuhause gesucht?

Nun hat der „ehrenamtliche Aktivist“ Stefan Bröcking die Soko Tierschutz verlassen. Zur Begründung erklärt er gegenüber der DN-Redaktion:

 

              

Ich war vom 1.8.2013 bis vor wenigen Tagen bei Soko Tierschutz e.V.   als ehrenamtlicher Aktivist tätig. In der Praxis zeigte sich jedoch,   dass mein aktuelles Projekt sich nicht so in den Verein integrieren   lässt, wie es zu Anfang geplant war. [...] Über mein aktuelles Projekt kann ich derzeit noch nicht reden. Es wird aber noch in diesem Jahr veröffentlicht.

(Presseauskunft Stefan Bröcklling vom 27.01.14 an die DN-Redaktion)  

              

Über seine Zukunft scheint sich der bekannte Tierrechtsaktivist keine Sorgen zu machen:

 

              

Ich bin seit über 20 Jahren im Tierschutz/Tierrecht tätig. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Wohin die Reise geht und in welchem formalrechtlichen Rahmen sich das abspielt, kann ich derzeit noch nicht sagen.

(ibid.)

              

Den naheliegenden Verdacht, die von Mülln als zwischenmenschliches Zerwürfnis bezeichnete Trennung stehe in einem kausalen Zusammenhang zu den Schmutzkampagnen der letzten Monate weist Bröckling entschieden zurück:

 

              

Mit der Schmutzkampagne hat das nichts zu tun. Warum auch? Sowohl  Mülln als auch ich treten seit Jahren Tierausbeutern auf die Füße. Dass da mal jemand aus der Anonymität heraus mit Unwahrheiten um sich wirft, ist nicht verwunderlich. Ich wundere mich viel eher, dass das  nicht schon früher passiert ist. Und ich glaube, dass der oder die Täter nicht von ihrem feigen Vorgehen abweichen, wenn ich nicht mehr bei Soko Tierschutz bin. Großartig aufregen kann ich mich darüber ohnehin nicht. Im Internet kann jeder alles schreiben. Das trifft auch für Soko Tierschutz oder für mich zu. Der Unterschied ist aber, dass wir unsere Vorwürde IMMER beweisen konnten und dass die Überprüfung unseres Materials IMMER gerichtsfest war. Daran ändert sich auch nichts, wenn Unbekannte im Netz das Gegenteil behaupten.

(ibid.)

              

Immerhin bewahren beide Herren Haltung und lassen den „Streit“ nicht in die Öffentlichkeit dringen. Ganz im Gegenteil: Leicht über die Kategorisierung „Haltung“ hinauswuchernd, schaufelt Bröckling den Lorbeer nachgerade mit der Kohlenschaufel auf Müllns Haupt:

 

               Herr Mülln wird ohne Zweifel weiterhin excellente Recherchearbeit leisten. Er ist m. E. einer der besten Rechercheure in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa.

(ibid.)

              

Das ist mal menschliche Größe! DN würde sogar sagen: "Welt"?

 

 

Doggennetz.de-Senf:

Wer agiert wo mit welchen Motiven? Das ist insbesondere bei den Tierrechtlern und ihren Antagonisten aus den düsteren Konzernwelten industrieller Tierverwertung schwer bis gar nicht festzustellen oder zu beweisen. Ein parallel dazu laufender Skandal in Norddeutschland mit einem V-Mann des Landeskriminalamts, der in die Tierrechtsszene eingeschleust wurde und dort angeblich zu Straftaten aufgerufen haben soll, macht solche Mutmaßungen noch schwerer.

Aktivisten wie Bröckling finden bei politisch und juristisch sehr erfahrenen und wehrhaften Organisationen wie PETA Deutschland einen gut behüteten Aktionsraum. Dieselbe Chose im Rahmen eines gerade erst gegründeten kleinen Vereins aufziehen zu wollen, steht dann völlig anderen Schwierigkeiten gegenüber. Wobei sich an der Stelle auch die Frage erhebt, ob ein gemeinnütziger Verein die passende Rechtsform für derlei Arbeit ist.

Das ist er dann nicht, wenn die Vereinsverantwortlichen es gravierend am obersten Seriositätsmerkmal mangeln lassen, das in letzter Zeit auch in den Medien immer häufiger aufgerufen wird: Transparenz. Hinsichtlich dieser Forderung kann sich die Soko Tierschutz einsalzen lassen. Auf der Homepage findet man nicht einmal eine Satzung. Selbst die Besetzung der Vorstandsämter wird nicht kommuniziert. Aber dann weint der Vorstand Krokodilstränen, wenn anonyme Schmutzfinken sich dieses offensichtlichen Mangels öffentlichkeitswirksam bedienen.

Aber es kommt noch schlimmer: Friedrich Mülln hat allen Ernstes versucht, diese Redaktion von der Berichterstattung über Bröcklings Abgang abzuhalten. Und er war sich nicht zu schade, diesen Versuch mit dem moralischen Druckmittel zu kombinieren, das Bekanntwerden von Bröcklings Abgang schade der Soko Tierschutz.

Sorry, Herr Mülln, aber wenn die Soko Tierschutz eine gute Sache ist, der Weggang von Bröckling die Wahrheit und das Bekanntwerden der Wahrheit der guten Sache schade, dann stimmt etwas mit der guten Sache nicht?

Und dass die versuchte Einflussnahme auf Berichterstattung und Berichterstatter keine wirklich gute Idee ist, das hatte letztes Jahr gerade erst der Bundespräsident vorexerziert.

Allerdings ist dieser Vorstoß aus der Perspektive der DN-Redaktion nachgerade typisch für die Tierrechtsszene, wo jeder Akteur meint, alles und jedes habe sich der selbst deklarierten guten Sache unterzuordnen und seine berechtigten Interessen dafür hintanzustellen.

Und es gehört schon ein dicker Haufen Nichtlesen von DN dazu, ausgerechnet bei dieser Redaktion Berichterstattung beeinflussen zu wollen.

 

 

Aktualisierung vom 29.01.2014: Stellungnahme Friedrich Mülln

 

Der erste Vorsitzende der Soko Tieschutz e. V. schickt der DN-Redaktion zu obigem Artikel eine kurze Stellungnahme. DN hat angeboten, den Beitrag um diese Stellungnahme zu ergänzen, wovon Friedrich Mülln Gebrauch macht:

 

              

Ich habe nicht gesagt, dass die Kommunikation über den Weggang von Stefan Bröckling der SOKO Tierschutz schadet, sondern dass die momentane Kommunikation dieser Angelegenheit den Schmutzkampagnern in die Hände spielt und diesen Leuten nützt. Es würde diese Leute ermutigen, mit ihrer Schmutzkampagne weiterzumachen und sie würden das als Erfolg ihrer Arbeit verbuchen.

Zudem finde ich, dass eine Bitte nicht gleichzusetzen ist mit "dem Versuch jemanden abzuhalten". Jemanden "abhalten" klingt eher nach Drohung oder Unterlassungserklärung. Ich bevorzuge „bitten“:)

Das ist ein großer Unterschied.

(Soko Tierschutz e. V., Friedrich Mülln, in einer E-Mail an die DN-Redaktion vom 28.01.14)

 
              




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Dienstag, den 28. Januar 2014 um 10:26 Uhr
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