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Aua1231P: Menschen- contra Tierschutz in Rumänien (20): Ein Gastbeitrag von Wolfgang Stephanow

 

{TS-Kritik}  [im DNPA erschienen: 23.01.14; online verfügbar ab: 05.03.14]

 

Die tierschützerischen Aktivitäten zum Thema Rumänien scheinen sich – parallel zu ihrer Fruchtlosigkeit - immer weiter vom gesunden Menschenverstand zu entfernen. Ein neuer Exzess brachte bei Wolfgang Stephanow, Vorsitzender des Vereins Tierschutzprojekt Ungarn e. V. [bitte Hinweis am Ende vom Text beachten!], die Hutschnur zum Platzen. Der Verein kam aufgrund seines innovativen Ansatzes im Auslandstierschutz schon einmal lobend auf DN zur Erwähnung (vgl. Aua923).

Die DN-Redaktion freut sich, mit Erlaubnis des Autors folgenden Text abdrucken zu dürfen:

 

 

 

Rumänienhunde

Jeden Tag bekomme ich mindestens eine Aufforderung, eine weitere Petition für die Hunde Rumäniens zu unterschreiben. Da schreibt dann z. B. der Verein „Hundetapsili in großer Not“ (ich hoffe diesen Verein gibt es nicht wirklich), man benötige mindestens 1000 Unterschriften, um bei der EU etwas gegen den unhaltbaren Zustand in Rumänien zu bewirken.

Gestern zum Beispiel bekam ich die Aufforderung zu unterschreiben, dass in rumänischen Tierheimen Kameras installiert werden, um das Elend der Hunde dort zu dokumentieren. GENIAL! Ich kann von meinem warmem Sofa in Deutschland aus beobachten, wie die Hunde in Rumänien erfrieren oder sich in überfüllten Tierheimen gegenseitig totbeißen. Besser geht es nicht mehr, das ist Reality-TV mit Gänsehautfaktor.

Aus verlässlicher Quelle wurde mir mitgeteilt, dass all diese Petitionen noch nicht einmal das Vorzimmer des Entscheidungsträgers erreichen und im Mülleimer landen.

Bei diesen ganzen Petitionsmails, die ich bekomme vermisse, ich z. B. Petitionen gegen den Schweinemord, den Schafmord oder Kuhmord. Auch was die Pferde angeht, höre ich sehr wenig.

Aber vielleicht verwechsele ich ja etwas, vielleicht sind nur Hunde Tiere und die Tierschützer, die diese Petitionen verschicken, erkennen andere Lebewesen nicht als Tiere an.

Bitte verzeihen Sie mir meinen Sarkasmus, aber mich kotzt es nur noch an. Erst war es die Ukraine, jetzt Rumänien und ich denke in zwei Wochen die olympischen Winterspiele. Wen interessiert es noch? Da stürzen sich Tierschützer auf ein Land und bezeichnen seine Einwohner als Barbaren und Mörder. Gibt es niemanden, der einfach einmal ein plausibles Konzept vorlegt? Waren alle diese „Petitions-Verschicker“ schon einmal in Rumänien und haben sich die Situation angesehen? Da wird ein Tierheim durch die Medien gejagt, welches eher an die Massentierhaltung der Industrie erinnert. Und des Volkes Meinung ist - hier müssen wir helfen.

Die großen Tierschutzorganisationen halten sich gepflegt raus. Sie veröffentlichen Petitionen, aber tun tun sie nichts. Denn gerade sie hätten vielleicht die Möglichkeiten, etwas zu erreichen, aber das kostet Geld. Dass die Kastration von Tieren und das wieder Aussetzen der Tiere nichts bringt, zeigt sich ganz aktuell in Rumänien. Wo die Tiere von der Straße weggefangen werden. So wurden zigtausende von Euro in den Sand gesetzt. Auf die Idee von Kastrationsaktionen für die Hunde, die einen Besitzer haben, kommen nur wenige.

Und auch Tierheime aufzubauen, die diesen Namen verdienen, ist die Seltenheit. Alle Tiere ins Ausland bringen – ist das die Lösung?

Diese menschenverachtenden Schlagzeilen „Land der Barbaren“ motiviert niemanden, etwas Konstruktives zu tun. Und auch nicht die Politiker Rumäniens.

Eine sehr große Tierschutzorganisation hat ein eigenes Büro im EU Parlament in Brüssel und lässt von dort aus beobachten. Doch was machen sie? Sie beobachten.

Leider muss ich erkennen, dass keine der Tierschutzorganisationen ein Konzept vorweisen kann, um die Situation in Rumänien zu klären.

Ich selber habe vor einigen Jahren ein Konzept zur Verhinderung der Überpopulation von Hunden und Katzen einem anderen Land vorgelegt. Die Antwort war: Sehr gut, aber leider fehlt das Geld zur Umsetzung.

Heute zweifele ich an meinen eigenen Theorien. Ist es besser, alle Hunde zu kasernieren und wegzusperren? Ich denke, derjenige der heute schreit, wie müssen etwas unternehmen, sollte Hammer und Säge einpacken, sein Sparbuch plündern und nach Rumänien fahren, um dort, vor Ort, Verbesserungen für die Tiere herbeizuführen.

Bitte lasst mich mit diesen ganzen Petitionen in Ruhe.

Wolfgang Stephanow

 

 

 

 

Hinweis: Vermutlich in Übererfüllung journalistischer Sorgfaltspflichten, deren Gültigkeit für einen Blog auch noch einmal abgeschwächt sein dürften, weist die DN-Redaktion dennoch gemäß Pressekodex (Ziffer 7) auf ihre eingeschränkte journalistische Unabhängigkeit gegenüber dem Verein Tierschutzprojekt Ungarn e. V. hin. Karin Burger ist für diesen Verein seit September 2013 redaktionell tätig. Deshalb erfolgt normalerweise keine Berichterstattung (mehr) über diesen Verein oder wenn, dann mit Hinweis auf die bestehenden geschäftlichen Interessen Karin Burgers im Zusammenhang mit Tierschutzprojekt Ungarn e. V. Diese geschäftlichen Verbindungen bestanden zum Zeitpunkt der Berichterstattung Aua923 (März 2013) noch nicht!

 

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Donnerstag, den 23. Januar 2014 um 12:37 Uhr
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