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Aua1229P: ZDF - beste Tierschutzdoku 2014? Wie Jäger unsere Natur zerstören!

 

{TS-Kritik}  [im DNPA erschienen: 21.01.14; online verfügbar ab: 28.02.14]

 

Es ist ein wenig früh für die Verleihung des Titels „Beste Tier- und Naturschutzdoku 2014“. Doch sie spiegelt die Erwartungshaltung dieser Redaktion an die Qualität des Outputs sowohl des öffentlich-rechtlichen wie des Privatfernsehens wider. Für DN schwer vorstellbar, dass dieses Medium innerhalb eines akzeptablen Zeitfensters noch einmal eine so hervorragende Dokumentation produziert wie die der ZDF-Sendung planet-e am 19. Januar 2014: Jäger in der Falle.

Die 28-minütige Doku lässt keine Zweifel daran, dass die Jagd nicht nur nicht mehr zeitgemäß ist, nein, dass sie unsere Kulturlandschaft zerstört. In ruhiger, sachlicher, mit zahlreichen Expertenstatements abgestützter Argumentation, die vollkommen auf die bei Tierschutz und Tierrechtlern so beliebte Emotionalisierung verzichtet, wird klar: Außer den Jägern wären alle ohne die Jagd besser dran. Stück für Stück werden die gängigen Jägerlügen (Bestandsregulierung etc.) entlarvt. Das Genfer Modell wird vorgestellt, dessen Schwachstellen nicht verschwiegen. In dem Schweizer Kanton gibt es schon seit 40 Jahren keine von Privatpersonen ausgeübte Jagd mehr.

 

Patentrezept für einen modernen Tierschutz, den es nicht gibt

Die ZDF-Dokumentation kommt vollständig OHNE den Rückgriff auf die herb in der Kritik stehenden Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen mit Themenschwerpunkt Jagd aus. Kein PETA, kein Deutscher Tierschutzbund, keine Zwangsbejagung-ade, keine Anti-Jagd. Weiträumig umgeht er damit jede Kritik zu den oftmals problematischen Verbindungen mancher dieser Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen zu der umstrittenen „Glaubensgemeinschaft“ Universelles Leben (hier und hier).

Okay, Dominik Storr kriegt seinen Auftritt [vgl. Quelle 1 und 2 am Ende vom Text]. Aber nur in seiner Funktion als Rechtsanwalt und dem erstrittenen Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zum Thema Zwangsbejagung (Aua698).

Ansonsten kommen Experten zu Wort, welche die ökologischen Verheerungen der bisherigen Jagdpraxis anschaulich und mit Zahlen belegen. Auch die Politik als schützende Hand über den Jägern, kulminierend im Jägerfreund Seehofer, bleibt nicht unerwähnt. Nüchtern räumt der Film ein, dass alle überzeugenden Sachargument gegen die weitreichenden Verbindungen der Jäger-Lobby nicht bestehen werden.

Und statt langatmiger und leidenschaftlicher Verteufelungen der Freizeitmörder von Dritten stürzen die Jäger selbst ihre Zunft in den tiefen Abgrund der Perversion und des Zynismus'. Vernichtender kann das kein Tier- und Naturfreund formulieren: „Ich liebe, was ich töte!“

Die ZDF-Doku Jäger in der Falle zeigt, wie moderner Tierschutz auch bei andereren Themen wieder Anschluss an die Gesellschaft finden könnte: Verzicht auf die emotionale Ansprache des Zuschauers. Stattdessen Sachargumente aus den dazugehörigen Fachgebieten. Nicht das auf der Lichtung verstört dreinblickende Bambi über dem noch dampfenden Vater-Kadaver, sondern die anschauliche Darstellung der den Bedürfnissen einer lusttötenden Randgruppe unterworfene Umgestaltung unserer Kulturlandschaft.

 

Dafür!  © Ich-und-Du / pixelio.de

 

 





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Dienstag, den 21. Januar 2014 um 10:07 Uhr
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