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Aua1171: NDR-Reportage Welpen zum Schnäppchenpreis mit prima Werbung für VIER PFOTEN

 

{Fernsehkritik}

 

Sie kommen mit schöner, besser unschöner Regelmäßigkeit. Sie bringen so gut wie kein Ergebnis: die Reportagen über den Welpenhandel. Das jüngste Produkt aus dieser Serie ist die NDR-Reportage Welpen zum Schnäppchenpreis vom 29. November 2013.

Die Redakteure dieser Beiträge im Allgemeinen und die Redakteure der obigen NDR-Reportage im Besonderen sind Laien zum Thema. Und das macht sich dann auch fatal bemerkbar. Eher in die Rubrik <Unfreiwillig-Späßle-g'macht> fallen da so Dilettantenkommentare aus dem Off wie der in der Tierarztpraxis-Szene. Dort ist für einen Welpen schon festgestellt, dass er Flöhe hat. Spannungssteigernd fragt die Stimme aus dem Off nun nach den Würmern. Good gracious me!

 

Muss das sein? Werbung für Stiftung-Warentest-Versager

Mehr als ärgerlich bei all diesen Fernsehproduktionen, ob des Öffentlich-Rechtlichen oder von den Privaten, ist die Zusammenarbeit mit ausgerechnet solchen Tierschutzorganisationen, denen die Stiftung Warentest jüngst ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt hat (siehe Aua1163).

Bei den Privaten fast immer mit von der Partie ist ausgerechnet Aktion Tier, ein Verein, der im obigen Test in die Rubrik der Auskunftsverweigerer fällt. 1 x  Aktion Tier gegoogelt, da müsste es den Medienleuten doch eigentlich schon reichen?

Der NDR macht mit seiner Reportage Werbung für VIER PFOTEN. Diesem Verein attestiert Stiftung Warentest unwirtschaftliches Arbeiten bei mittlerer Transparenz und niedrigem Grad an Organisation und Kontrolle (Aua1163).

Ist es Fernsehredakteuren nicht zumutbar, sich vorher über die Seriosität und Qualität von Tierschutzorganisationen zu erkundigen, mit denen man für solche Produktionen zusammenarbeitet? Ist es in Ordnung, wenn die Gelder der Gebührenzahler auf diesem Wege in die Werbung für Vereine fließen, die sich primitivsten Transparenzkriterien verweigern, die Gelder der Tiere durch unwirtschaftliches Arbeiten verdödeln und die noch nicht einmal gemeinnützig sind?

 

Schwerpunkt Landkreis Kleve

Nicht nur auf Doggennetz.de, sondern auch beim NDR führen alle Wege nach Kleve. Das mag nicht zuletzt an der prominenten Tierärztin Dr. Sylvia Heesen vom Veterinäramt Kleve liegen, deren Name auch durch ihre Engagement bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz Gewicht hat.

Nachdem das Fernsehteam erst einmal den Kardinalfehler begangen und bei einer „Züchterin“ (?) im Landkreis Kleve einen Welpen gekauft hatte, der übrigens später einfach an Tierschützer abgedrückt wurde, zieht es erst danach die erfahrene Veterinärin hinzu.

Der weitere Verlauf des Kontakts mit der verantwortlichen „Züchterin“ bei Anwesenheit der durchsetzungsstarken Veterinärin dürfte untypisch sein: Diese ist gesprächs- und kooperationsbereit, erteilt sogar Drehgenehmigung und gelobt relativ glaubwürdig Besserung.

Derartiges Vermehrerverhalten bildet nicht die Realität ab!

 

Bildzitat Screenshot der NDR-Reportage am 29.11.2013 Welpen zum Schnäppchenpreis: Ethisch mehr als fragwürdig: Die Fernsehleute kaufen einen Welpen frei, den sie anschließend an den Tierschutz abdrücken.

 

Fließende Grenze

Was die Reportage nur am Rande thematisierte, ist die hauchdünne Grenze zwischen dem Bild des Hundehändlers, der als Gewerbetreibender so auch in der Bevölkerung wahrgenommenen wird, und den vielen „Tierschutzorganisationen“, die nichts anderes machen als jene, dabei vermutlich sogar dieselben Bezugsquellen benutzen, aber ihren dreckigen Handel mit dem Tierschutzetikett aufmöbeln. Wer dächte dabei nicht zuerst an gewisse Rassehundezuchthilfevereine, die übrigens auch bei der Stiftung Warentest ausdrücklich in der Sparte der Auskunftsverweigerer gelistet werden!

In der NDR-Reportage erhalten diese Grauzonen-Hundehändler sogar noch Opferstatus mit dem Kommentar aus dem Off, dass viele Massenzüchter Tierschutzvereine benutzen würden, um ihre Betriebe zu sanieren. Diese Aussage könnte man auch vom Kopf auf die Füße stellen: Einige Rassehundezuchthilfevereine benutzen Massenzüchter, um ihre Kassen zu füllen!

 

Grusel-Unterhaltung mit Nebenwirkungen

Solche Fernsehreportagen bewirken: nix! Gar nix, null, niente. Wir sehen sie seit 20 Jahren mit schöner/unschöner Regelmäßigkeit. Hundekäufer sind offensichtlich unbelehrbar. Die Ignoranz des deutschen Beagle-Käufers auf dem tschechischen Hundemarkt hinsichtlich des fehlenden Impfschutzes für seinen Neuerwerb spricht Bände!

Wenn solche Produktionen nicht auch noch Werbung für unseriöse oder unwirtschaftlich arbeitende Tierschutzvereine machen würden, könnte man sich wenigstens damit trösten, dass sie auch keinen Schaden anrichten.

Dem jedoch ist nicht so! Journalisten, die solchen Murks zusammendübeln, bleiben hinsichtlich der Professionalität auf ähnlichem Niveau wie ihre Hauptdarsteller. Der eine verhökert Welpen mit Flöhen, der andere bewirbt Tierschutzorgas, wo mehr als nur ein Wurm drin ist!

 

  

Nur naive Laien unterscheiden überhaupt noch zwischen den unverhüllt gewerblich auftretenden Hundehändlern und jenen, die dasselbe unter dem Etikett des Tierschutzes tun. Zahlenmäßig kommen die Ersteren an Letztere kaum heran. Fernsehreportagen, die auf diese hauchdünne Grenze nicht wenigstens hinweisen oder die Tierschutzorgas bewerben, denen die Stiftung Warentest ein vernichtendes Urteil ausstellt, sind verzichtbar.

Grafik: Frühere Facebook-Präsenz Damit Tierschutz wieder sauber wird





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Sonntag, den 01. Dezember 2013 um 11:11 Uhr
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