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Marius und der Perückenbock
Wieder einmal eine Anfrage auf unseren Marius! Und alles hörte sich im ersten Telefonat ganz super an: 20 Jahre Doggenerfahrung, immer Notdoggen gehabt, auch Rüden, viel Platz, viel Zeit, viel Geld - schon sah ich den dunklen Perspektivenhimmel über Marius aufreißen. Ein langes, ein sehr ausführliches, ein sehr einvernehmliches Telefonat mit der Frau des Hauses. Sie konnte auch DDC-Referenzen vorweisen, die bei Rückfrage die gemachten Angaben bestätigten. Allerdings ein kleiner Wermutstropfen, den ich erst in diesem zweiten Telefonat erfuhr, fiel da doch das Reizwort "Jäger... haben eine große eigene Jagd...". Nun ja.
Eine Stunde später Anruf des Herrn des Hauses (der Mann der Interessentin) ... in Gutsherrendiktion. Man sei ja nun noch einmal im Internet gewesen, um sich den Buben anzusehen. Dabei habe er feststellen müssen, daß "der "ja kastriert ist. "Haben Sie das getan?" Dieses "das getan?" kam stimmlich so rüber, als siedele es im Verbrechensrang auf jeden Fall noch vor Säuglingsersäufung.
Ich antwortete bedacht, zwar sei ich durchaus bekennender Fan der Kastration, bräuchte aber leider immer noch einen Tierarzt für den Eingriff selbst. Nur, in diesem besonderen Falle sei ich gar völlig frei von Schuld, alldieweil Marius schon kastriert von uns übernommen worden war.
"Das ist ja wie beim Perückenbock!", empörte sich der Gutsherr. "Kennen Sie das?"
Erneut fragetechnisch an die Wand gestellt, antwortete ich demutsvoll, daß es mir offensichtlich in 20 Jahren Tierschutz nicht gelungen sei, diese eklatante Wissenslücke zu schließen. "Nein, ich weiß nicht, was ein Perückenbock ist!"
Der Jagdherr konnte es mir selbstverständlich erklären: "Wenn ein Rehbock sich an den Genitalien verletzt, dann kriegt er später Wucherungen am Geweih!"
Erleichtert antwortete ich, diesbezüglich könne ich ihn vollständig beruhigen, denn Marius habe gar kein Geweih.
Selbst das Einbringen dieser unzweifelhaften großen Stärke von Marius' nützte nix! So was "Krankes" nehme man nicht, er wolle keinen Perückenbock im eigenen Haus.
Der Himmel schloß sich wieder, die Bewerbung war erledigt und es bleibt zu fragen, welch Geistes Kinder bei uns eigentlich Tiere totschießen dürfen?



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Dienstag, den 04. November 2003 um 20:55 Uhr
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