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Aua1112P: Deutsches Tierschutzbüro distanziert sich von Universelles Leben

 

{TS-Kritik}    [im DNPA erschienen: 11.10.13; online verfügbar ab: 13.11.13] 

 

Im Ranking der Vorwürfe und/oder Belege gegen eine Tierschutzorganisation, welche bei Tierfreunden die nachhaltigste Wirkung entfalten, rangiert bemerkenswerter Weise und nach Beobachtung dieser Redaktion der Verdacht des Spendenbetrugs erst auf Platz 3. Platz 2 und Platz 1 werden belegt vom Extremismusvorwurf (meistens: rechts) oder einer wie auch immer gearteten Nähe zu der „spirituellen Vereinigung“ Universelles Leben (UL 

Die Bemühungen von UL, insbesondere in der Tierrechtsszene Fuß zu fassen, haben Eingang in den dazugehörigen Wikipedia-Artikel gefunden. Deutlicher wird der UL-Eintrag auf Psiram. Da es sich bei Psiram jedoch um eine umstrittene Quelle handelt, verlinkt DN nicht aktiv [siehe Quelle 1 am Ende vom Text].

Der von der DN-Redaktion nicht geschätzte, in seiner Position zu bestimmten Themen dennoch zitierungswürdige Colin Goldner sieht UL in einem Artikel von Buchlänge als Gefahr für die Tierrechtsbewegung.

 

Früchte der Tierschutzkritik

Wie in Aua1105 schon angemerkt, bringt eine erstarkende Tierschutzkritik im Internet inzwischen beachtenswerte Früchte hervor. Souverän wird diese Kritik dort, wo sie sich von Personen löst und Strukturen aufzeigt.

So geschieht es aktuell in einem interessanten Thread im Antivegan-Forum (AV-Forum).

Ausgehend von dem im AV-Forum immer noch pulsierenden Extrem-Thread zum Schweinerettungsdesaster Rüsselheim e. V. (vgl. die dazugehörige DN-Artikelserie ab Aua857; Linkliste in Aua909) spaltete sich über die Entdeckung interessanter Bankverbindungen ein eigener Diskussionsfaden zum Deutschen Tierschutzbüro (DT) ab. Denn die Rüsselheimer „Schweineretter“ geben eine Bankverbindung an, die so auch beim DT sowie bei angeblich (Behauptung im AV-Forum) weiteren Organisationen auftauche.

 

Impressum-Phänomene

Die Diskutanten des gelegentlich auch mal sehr radikalen AV-Forums decken allerlei Interessantes und Irritierendes aus dem Impressum des DT auf sowie angeblich gemeinsame Bankverbindungen mit anderen Organisationen.

Allerdings funktionieren die im AV-Forum angegebenen Links mehrheitlich nicht. Für die Initiative zur Abschaffung der Jagd lässt sich die behauptete identische Bankverbindung im Impressum nicht nachweisen (auch nicht über Wayback-Machine); ebenso nicht für Zwangsbejagung-ade.de. Lediglich bei Tierretter.de stimmt die Bankverbindung überein, was deshalb kein Wunder ist, weil das DT als Verantwortlicher der Webseite genannt ist. Eine Webseite ist kein Verein.

Was die Diskutanten im AV-Forum auf die falsche Fährte geführt haben könnte, ist das Google-Suchergebnis auf die fragliche Kontonummer. Gibt man diese als Suchbegriff ein, erhält der Recherchierende alle Treffer, bei denen auch andere Organisationen diese Kontonummer – zumeist mit dem Zusatz „Arbeitskreis humaner Tierschutz“ - einmal angegeben haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Konto des DT auch die ständige Bankverbindung davon unabhängiger Vereine ist.

 

Satzungsphänomen

Interessanter ist beim DT ein Blick in die Satzung. Die weist aus, dass der Vorstand lediglich aus dem ersten Vorsitzenden und seinem Stellvertreter besteht. Viel Last mit Vorstandssitzungen und dem Erarbeiten von Konsensbeschlüssen unter so vielen Vorstandsmitgliedern – 2 – hat man daher beim DT nicht. Beide Vorstände sind auch noch einzeln vertretungsberechtigt. Wer aktuell stellvertretender Vorsitzender dieses Vereins ist, kann zumindest die DN-Redaktion der Webseite nicht entnehmen.

Die regulären Mitgliederversammlungen finden nur alle zwei Jahre statt.

Interessant an der Satzung sind auch die für den Fall der Vereinsauflösung begünstigten Organisationen: Dann nämlich fällt das Vereinsvermögen je zur Hälfte an PAKT e. V. (Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa) und Pro Animale e. V. Zweite Vorsitzende von PAKT e. V. ist wiederum Dr. Christina S. – die frühere erste Vorsitzende von Arche 2000, dem Verein mit dem Millionen-Spendenskandal .

Zieht man die auf CharityWatch.de formulierten Seriositätskriterien für die Beurteilung von Tierschutzvereinen heran, macht das mit dem minimalistischen Vorstand irgendwie auch keinen schlanken Fuß (Punkte A4 und A8).

 

Gute, langjährige Zusammenarbeit“ mit dem Brennglas-Verlag

Aufschlussreicher und überprüfbar sind jedoch die Verbindungen zu UL. Über die Personalien des DTs gelangt der Recherchierende rasch zu der umstrittenen „Glaubensgemeinschaft“. Der erste Vorsitzende Roman Kriebisch etwa habe mehrere Artikel für den Brennglas-Verlag geschrieben, der zu UL gehört. 2012 bedankt er sich – damals noch unter dem Label Arbeitskreis humaner Tierschutz – im Editorial beim Brennglas-Verlag für die „gute, langjährige Zusammenarbeit“.

 

Jan Peifer und die Green-Yellow-PR-Agentur

Auch der illustre und in der Tierschutzszene schon seit den Tagen des Deutschen Tierhilfswerks (ein weiterer Verein aus der Geschichte des Tierschutzes mit einem Spendenskandal in zweistelliger Millionenhöhe) bekannte Jan Peifer taucht im Impressum des DT als Redaktionsmitglied auf. Jan Peifer, der nach Eintrag im Antivegan-Wiki auch unter zahlreichen Pseudonymen auftrete, ist Betreiber der PR-Agentur Green-Yellow. Zu den Kunden dieser PR-Agentur wiederum gehören Tierschutzorganisationen wie Ärzte gegen Tierversuche und die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt.

 

Distanzierungserklärung

Neben diesen aufschlussreichen Verbindungen an der vorliegenden AV-Diskussion interessant ist die Tatsache, dass sich das DT am 24. September 2013 zu einer Distanzierungserklärung „von politischer Beeinflussung und spirituellen Vereinigungen“ veranlasst sah. Universelles Leben kommt darin explizit vor. Diese Erklärung nimmt auch Bezug auf die Kritik Colin Goldners, von der sich das DT distanziert.

Auch die Verwirrung (im AV-Forum) zu den Verbindungen zwischen dem DT und Arbeitskreis humaner Tierschutz e. V. werden aufgeklärt; Erstgenannter ist schlichtweg Rechtsnachfolger des Arbeitskreises. Dass dieser seinerzeit das im Brennglas-Verlag erschienene Mitgliedsjournal „Freiheit für Tiere“ an seine Mitglieder verschickt hatte, wird nicht bestritten. Dafür wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Zuge der Umbenennung des Vereins in „Deutsches Tierschutzbüro“ und des Vorstandswechsels die Zusammenarbeit mit dem Brennglas-Verlag eingestellt worden sei.

Die Distanzierungserklärung des DT ist zunächst nicht zu widerlegen. Da bleibt Kritikern und Skeptikern nur, für die Zukunft aufmerksam zu verfolgen, ob es bei dieser strikten Trennung bleibt und künftig Funktionsträger des DT wirklich nicht mehr im UL-Umfeld auftauchen.

 

PR-Agentur und FundraisingBox

Interessanter und vielversprechender erscheint dieser Redaktion ein wachsames Auge auf die besagte PR-Agentur und ihre Dienstleistungen für Spenden sammelnde Tierschutzvereine.

Doch nicht nur für PR braucht das Tierschutzbüro Profis, auch für das Fundraising „sind wir auf professionelle Unterstützung angewiesen“, wie Roman Kriebisch in einem werbenden Eintrag für die FundraisingBox verlautbart, hinter der das gewerbliche (!) Unternehmen Wikando GmbH in Augsburg steht.

Erinnert werden darf in diesem Zusammenhang insbesondere an die gerichtlich bestätigten Vorbehalte von Stefan Loipfinger gegenüber Fundraising-Agenturen .

Ob externes Fundraising oder professionelle PR-Agenturen, all diese gewerblichen Dienstleistungen werden vom Geld der Tiere bezahlt!

 

Fazit

Die „freie“, eigeninitiativ ihre Themen suchende Tierschutzkritik (wie in diesem Beispiel im AV-Forum) landet interessante Treffer, auch wenn es sich dringend empfiehlt, alle angegebenen Quellen nachzurecherchieren (falsche Behauptung gemeinsamer Konten verschiedener Vereine). Und diese Kritik wird von den betroffenen Organisationen ganz offensichtlich wahrgenommen; diese Vermutung zumindest legt die bemerkenswerte Distanzierungserklärung des DT von Universelles Leben nahe, die sich in ihren Argumenten eben nicht nur auf Goldner bezieht.

Gern hätte die DN-Redaktion noch die eine oder andere Frage mit dem Vorsitzenden des DT geklärt. Der jedoch war für die DN-Redaktion nicht zu erreichen; trotz zweifacher Zusage eines zeitnahen Rückrufs ist dieser bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels nicht erfolgt.

*** 

 

Quelle 1: http://www.psiram.com/ge/index.php/Universelles_Leben





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Freitag, den 11. Oktober 2013 um 09:01 Uhr
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