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Aua1084: Menschen- contra Tierschutz in Rumänien? (6): Der wirtschaftliche Vorteil großer Massen toter Hunde

 

{TS-Kritik}

 

Wie naiv muss man sein zu glauben, dass die aktuellen Entwicklungen in Rumänien sich „spontan“ vollziehen?

Vom Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) werden in den verschiedenen Pressemitteilungen der letzten Tage (08.09.2013; 09.09.2013; 11.09.2013) auch politische Streitthemen mit regionalem Bezug zum „Tatort“ in Rumänien benannt. Diese lassen es nachvollziehbar erscheinen, dass zumindest bestimmte rumänische Politiker ein Interesse am Thema Massentötung von Straßenhunde haben, um damit von gravierenderen Problemen abzulenken.

 

Tötungen als selbstverständlicher Lösungsbestandteil

Allerdings öffnet sich die Perspektiv des Grauens nahezu weltweit, wenn man gewisse Stichworte wie zum Beispiel Dog Control Program bzw. Stray Dog Population Control Programm recherchiert. Die Welttiergesundheitsorganisation OIE sucht schon seit vielen Jahren (Oktober 2008 Resolution) nach weltweiten Lösungen für das Straßenhundeproblem.

Tötungen sind dabei immer fast selbstverständlicher Bestandteil der Lösungsentwürfe!

DN wird in diese Richtung noch weiter recherchieren und berichten und damit Warnungen von einzelnen Tierschützern aufgreifen, die schon vor vier Jahren versucht haben, die Szene für dieses Thema und die Lösungsansätze auf politischer Ebene zu sensibilisieren. Wie ignorant die Tierfreunde darauf reagiert haben, zeigt ein eindrückliches Beispiel aus dem Molosserforum 2011.

Okay, das waren noch nie die hellsten Lichter auf der Torte!

 

Massentötungen von Hunden sind wirtschaftlich effizient

Die inzwischen leider verstorbene engagierte Tierschützerin Gabriele Hilbig (vgl. Aua966) hat in einem exzellenten Artikel mit interessanten Links die Profiteure gelistet, die ihren Reibach mit toten (Straßen-)Tieren machen. Von ihr stammt auch das Diktum „EU IST Wirtschaft!“, womit gemeint war, dass die Europäische Union immer zuerst wirtschaftliche Interessen bedient.

Dass auch das obige Stray Dog Control Program mit diesen wirtschaftlichen Interessen verknüpft ist, verrät eine Bemerkung in einer Tabelle zu den verschiedenen Euthanasiemethoden in einem früheren Entwurf der OIE (DN reicht den Link/Screen dazu nach). Diese Bemerkung dokumentiert, dass bei der Verwendung bestimmter Tötungsmittel die spätere wirtschaftliche Verwertung der Kadaver eingeschränkt bzw. ausgeschlossen sei.

Hilbigs Text listet die Vielzahl von Betrieben, die ihr Geld mit toten Tieren machen. Somit haben tote Tiere einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen.

              

So gehen wir davon aus, dass die Tötung der Straßenhunde in Süd – und Osteuropa nicht nur humanitären Zwecken dient, sondern auch wirtschaftlichen Zwecken.

(Gabriele Hilbig (†): Wirtschaftlich effiziente Lösungen zur Hunde-Populations-Einschränkung, auf: Tierfreunde ohne Grenzen)

              

Diese Annahme erhält durch die von Hilbig gelisteten Wirtschaftsbereiche und zahlreichen Interessensverbänden auf EU-Ebene hohe Plausibilität.

 

Warum wird das Stray Dog Control Program verschwiegen?

Schon die Mitstreiter von Hilbig wunderten sich seinerzeit, warum das Thema der OIE-Pläne in Deutschland kaum diskutiert und aufgegriffen wurde. Alle Versuche dieser Handvoll Tierfreunde, hierüber zu informieren, wurden torpediert.

 

Bildzitat Screenshot Google-Suche auf "Stray Dog Control Program": Erstaunlich ist die Qualität der Treffer - So eine Peinlichkeit wie das Molosserforum erscheint schon an dritter Steller der Trefferliste; an erster Stelle gar steht der Text von Gabriele Hilbig. Müssten hier nicht sofort die umfangreichen Stellungnahmen, Erklärungen etc.pp. der großen Tierschutzorgas erscheinen? Die Google-Suche im Jahr 2014 post Ionut in Rumänien belegt nach Meinung dieser Redaktion, dass hier offensichtlich wichtige Initiativen aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten wurden?

***

 

 
Bildzitat Screenshot der Google-Suche mit Begrenzung auf deutsche Treffer: Der Lösung einen Schritt näher kommt der Interessierte, wenn er die Google-Suche auf deutsche Treffer begrenzt. Die Trefferlist fokussiert das Thema Stray Dog control Program dann nämlich gleich auf das nächste brisante Thema: Die von der EU zugelasse Verwendung von Straßentieren für Tierversuche wie z. B. Toxizitätstests. DN hatte in verschiedenen Artikeln versucht, darauf aufmerksam zu machen (Aua379, Aua417, satirisch am Beispiel Rumänien Aua483) ! 

 

Kapitale Fehleinschätzung 

Der DN-Redaktion liegt eine hochinteressante Stellungnahme dazu von Vier Pfoten, Dr. Marlene Wartenberg in Brüssel, aus dem Jahr 2009 vor! Zwar räumt Wartenberg damals ein:

              

Klar ist, dass es Behörden in Ländern - und sogar Tierschutzorganisationen - gibt, die das (tiermedizinisch betreute) Einschläfern von Streunertieren, z.B. wenn eine Tierheim-Lösung nicht möglich ist, als Bestandteil der Strategie befürwortet, manche befürworten dies nur für ausserhalb Europas, manche gar nicht - zu den letzteren zählt auch VIER PFOTEN.

(VIER PFOTEN, Marlene Wartenberg in einer Mail vom 13.01.2009 an eine deutsche Tierrechtlerin; Hervorhebg. d. DN-Red.)

              

Dann kommt sie jedoch zu folgender Prognose:

              

Abschliessend: Wir sehen im Gegenteil eine starke Bewegung hin zur Beendigung des Leidens der Streunertiere, weil die Bevölkerung zumindest in Europa Tötungsaktionen nicht mehr akzeptiert und auch keine mafiosen Verhältnisse mit Tieren auf einem schwarzen Markt in Tierheimen hinnimmt. Es gibt leider (noch) beides und nur unermüdliches Arbeiten dazu auf den unterschiedlichen Handlungsebenen und unendliches Stehvermögen werden zum Erfolg führen. Daran wird es uns - auch und gerade in Brüssel – nicht fehlen. Das kann ich Ihnen versichern.

(ibid.; Hervorhebung d. DN-Red.)

              

Eine grandiose Fehleinschätzung! Mindestens! Denn nicht nur nimmt die Bevölkerung (in Rumänien) Tötungsaktionen im Jahr 2013 hin, nein, die beschriebenen Szenarien dort lassen auf aktive Beteiligung zumindest gewisser Bevölkerungsteile schließen.

Und die „mafiosen Verhältnisse mit Tieren auf einem schwarzen Markt in Tierheimen“ sind schon längst belegt – sowohl für Rumänien wie für Italien.

Wartenberg firmierte 2009 als „Director European Policy Office“ von VIER PFOTEN in Brüssel. Wenn einer solchen Kapazität derlei Fehleinschätzungen unterlaufen, liegen die Ursachen für die jahrzehntelange Fehlentwicklung im Auslandstierschutz auf oberster Ebene!

 

 

Doggennetz.de-Senf:

Achtung und aufgepasst: Umso länger der Interessierte nüchtern bleibt, sich von der Hysterie deutscher Tierschützer nicht anstecken lässt und recherchiert, desto klarer wird: Was derzeit gerade in Rumänien passiert, ist kein Zufall! Da steckt viel mehr dahinter – meint diese Redaktion! Wenn derlei Tötungsaktionen weltweit schon länger „diskutiert“, die effizienten Tötungsmethoden dafür gelistet und die wirtschaftliche Verwertung so glaubwürdig nachgewiesen ist, werden die offensichtlich anwachsenden und tatsächlich für die jeweilige Bevölkerung zur Bedrohung werdenden Straßentierpopulationen in Süd- und Osteuropa zwangsläufig ins kapitalistische System integriert. Und das heißt: Monetik statt Ethik!

Bisher ist die DN-Meinung dazu noch reichlich nebulös und stützt sich nur auf einzelne Stichworte. Klar jedoch ist ohnehin: Überall dort, wo sich mit Tieren Geld machen lässt, hat der Tierschutz hoffnungslos verloren: ob in der Massentierhaltung, bei Tierversuchen oder in jedem anderen Ausbeutungsbereich.

Für einen tierschutzkritischen Blog dabei ist lediglich noch die Frage interessant, wie lange die großen Tierschutzorgas von solchen Programmen wie dem oben genannten schon wissen und warum das bisher nicht breiter veröffentlicht und bekannt gemacht wurde.

Und: Warum 20 Jahre Auslandstierschutz zu Zuständen geführt haben, wie sie jetzt in Rumänien vorfindbar sind und zum Anlass (nicht: Grund!) für die aktuelle Eskalation und damit möglicherweise zum Pilotprojekt für den tödlichen Teil des Stray Dog Population Control Program geworden sind! Wenn Rumänien damit - formulieren wir es flapsig - durch kommt, gibt es überhaupt keinen Hinderungsgrund mehr, diese Lösungsvariante in allen anderen Ländern mit einer Straßenhundeproblematik ebenfalls durchzuziehen.

Wenn DN-Leser irgendwo eine offizielle (!!!) Protestnote der EU zu den aktuellen Vorgängen in Rumänien finden, bitte Beschoid! Sollte die aber nicht kommen ...

 





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Sonntag, den 15. September 2013 um 10:28 Uhr
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