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Aua1002: ZDF-Hundeflüsterin präsentiert blutige Lösung für fehlende Kinderbetreuungsplätze

 

{satirische TV-Kritik}

 

Die Deadline zur Einlösung des von der Bundesregierung leichtfertig herausgegebenen Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für ein- bis dreijährige Kinder rückt bedrohlich näher. Parallel dazu wird das Wehklagen von Kommunen, Eltern und der Opposition lauter. Schon wird über Haftungsfragen bei rund 150.000 fehlenden Krippenplätzen gestritten.

Ganz unerwartet präsentiert sich hierzu seit kurzem das ZDF als Problemlöser! Mit der hanebüchenen Ratgebersendung Die Hundeflüsterin, in der eine pelzgewandete Dame unklarer Qualifikation Harakiri-Dressurtipps für Hunde vorführt, scheint sich hinsichtlich der bundesweiten Betreuungslücke eine mutige, wenn vielleicht auch blutige Lösung abzuzeichnen. Denn sage und schreibe mindestens fünf Expertenvoten können bei Nachahmung dieser kynopädagogisch explosiven Brachialerziehungstipps „Beißvorfälle nicht ausschließen“.

Im kühnen Widerspruch zu sämtlichen verhaltensbiologischen Erkenntnissen sollen den dämonischen Einflüsterungen der Pelzdame gemäß sogar Kinder bei Hunden den Löwenbändiger raushängen lassen und ihren besten Freund bedrohen und einschüchtern.

 

Hohes Entfriedungspotenzial und zwei Petitionen!

Drei Expertenverbände – 1. Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater, 2. Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen, 3. Internationaler Berufsverband der Hundetrainer (IBH) – sowie (4.) die Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und –therapie plus (5.) die Tierärztin und Verhaltensexpertin Esther Würtz kritisieren die Sendung oder fordern deren Absetzung beziehungsweise sogar das Einschreiten der Behörden (hier).

Mit ihrem Entfriedungspotenzial darf die vom ZDF beworbene Hundeflüsterin sogar einen ganz besonderen Rekord verzeichnen: Zu dieser Sendung gibt es gleich zwei Petitionen: eine dafür und eine dagegen.

 

Keiner versteht das ZDF!

Das ficht das ZDF nicht an, wie der Tagesspiegel berichtet.

Zurecht, wenn man weiß, welches dem Gemeinwohl dienende ausgetüftelte Konzept hinter dieser Sendung steht: „Kinder, die vom Familienhund aus einer Defensivaggression heraus ordentlich zusammengebissen werden und danach wochenlang in Krankenhäusern liegen, drücken schon nicht mehr auf die wenigen zur Verfügung stehenden Krippenplätze. Von denen, die vom Familienwauzel final zur Ruhe gebettet werden, ganz zu schweigen!“, erklärt der verantwortliche Kabelträger des ZDF den geheimen Plan.

Mit einem Sendeplatz am Sonntagmittag stünden auch die Chancen nicht schlecht, dass Kinder ganz allein vor dem Fernseher sitzen und ohne Rücksprache oder Wissen ihrer Eltern mit dem familieneigenen Wuffi mal Klartext reden und ihm den Rambo machen. Das treibe die Situation dann ohne pädagogisches Sperrfeuer durch besorgte Eltern, die ja gern dazu neigen, das Kindswohl womöglich über das des Hundes zu stellen, der Lösung zu, wie die unbelasteten ZDF-Verantwortungsträger weiter erklären.

Nur die Orientierung an diesem übergeordneten Ziel der bundesweiten Entschärfung des Kita-Betreuungsproblems versetze auch einen öffentlich-rechtlichen Sender in die Lage, die gebündelten Expertenmeinungen so entschlossen zu ignorieren.

 

Die innere Logik des ZDF-Zuschauerbetrugs

Wie subtil dabei die innere Logik des Zuschauerbetrugs angelegt sei, erläutert der ZDF-Sprecher am Beispiel der Hündin Marcy. Wahrheitswidrig sei den Zuschauern der Eindruck vermittelt worden (1. Sendung), das Marcy führende blasse Kind sei die Besitzerin des Hundes, der von russischen Straßen kommend seine Probleme mit nach Deutschland gebracht habe.

Tatsächlich jedoch handelt es sich nur um eine unqualifizierte Pflegestelle der Hundehilfe Russland e. V. Marcy sei schon als Welpe in die BRD verbracht worden. Die junge Dame hat die Hündin offensichtlich ganz ohne Hilfe des östlichen Straßenhundeelends höchst persönlich versaut.

Hier entfaltet sich die ZDF-Botschaft mit voller Wucht: Wäre das Fräulein Tierarzthelferin in ihrer Kindheit bei den Dominanzexerzitien à la Frau Hundeflüsterin einmal ordentlich zusammengebissen worden, würde sie heute vielleicht ihre Griffel von russischen Straßenhunden lassen.

Und genau diese Chance soll, so die ZDF-Absicht, zumindest der nächsten Generation nicht genommen werden!

 

Süßer die Kassen nie klingeln

Begünstigend tritt ein im Vergleich zu den USA relativ lasches deutsches Haftungsrecht hinzu. Denn von den ersten Kindersärgen aus den gerichtsfesten Beweis führen zu wollen, dass die minderjährigen Kollateralschäden im Kausalnexus mit den von allen Experten gegeißelten Dressurmethoden des Berliner Kynologenwunders stehen könnten, dürfte kinderlosen deutschen Eltern schwerfallen.

Und zur Füllung der ihnen jetzt zur Verfügung stehenden freien Zeit bietet Frau Hundeflüsterin ein pralles Seminarangebot zu gepfefferten Preisen an. Dass die Bewegung für weniger Bewerber auf die fehlenden Kita-Plätze bundesweit Zuspruch findet, beweisen die vielen Ausgebucht-Hinweise des Seminarplans der „Hundeflüsterin“.

 

  

Bildzitat Screenshot von http://www.dog-institut.de/seminare.htm

Wenn ich Martin Rütter wäre, ich würde mich aufhängen! Egal, welchen kynopädagogischen Quark man den Leuten anbietet, wenn er nur neu ist und vom Fernsehen beworben wird, geht die gesamte Hundeerziehungsliteratur und alle wissenschaftlichen Erkenntnisse diesbezüglich in Rauch bzw. in Pelz auf! Frau Hundeflüsterin jedenfalls scheint sich gemäß der Seminarpläne enormer Nachfrage zu erfreuen, denn trotz gepfefferter Preise und massiver Teilnehmerbegrenzung (an dieser Stelle bitte die App TASCHENRECHNER runterladen) sind die Veranstaltungen schon ausgebucht. (Alle roten Unterstreichungen und Einkreisungen im obigen SS stammen von dieser Redaktion.)

 

Wer das aber aus diesen oder jenen Gründen nicht möchte, kann ja versuchen, auf der Webseite dieser kynopädagogischen Wunderkugel herauszukriegen, welche überprüfbare und zertifizierte Qualifikation die Dame eigentlich hat.

 

Weitere DN-Artikel zum Themenbereich:

Zu den Starleistungen des ZDFs beim Thema Hunde siehe auch Aua990.

Zu Hundehilfe Russland e. V. siehe: Aua301 / Aua303 /Aua306 / Aua322 /  Aua376 / Aua397 / Aua485 /  Aua488 (!!!) /

 





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Sonntag, den 16. Juni 2013 um 11:47 Uhr
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