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Aua996: Ehrliche Bilder von einem Transport der Hundehilfe Polen (2): Stellungnahmen der belieferten Vereine

 

{TS-Kritik}

 

Mit dem vom 30. Mai bis 1. Juni 2013 angekündigten Transport der Hundehilfe Polen e. V., Bilder dessen in Aua994 veröffentlicht wurden, sind folgende Tierschutzvereine und –heime beliefert worden:

               Fellgesichter in Not                 
  Tierheim Rheine  
  Tierheim Lübbersdorf  
  Hundehilfe über Grenzen  
  Tierheim Lüneburg  
  Nothilfe Polarhunde Nord  
  Tierschutzligadorf  

So gibt es auch die Aufstellung auf der Homepage der Hundehilfe Polen an.

Von dem Verein selbst ist bisher keine Stellungnahme zu erhalten. Die erste Vorsitzende befinde sich im Urlaub. Rückrufbitten dieser Redaktion an weitere Vorstandsmitglieder wurden bisher nicht beantwortet.

Hochinteressant dagegen sind die Nachfragen bei den belieferten Vereinen, die von dieser Redaktion um Stellungnahme zu den vorliegenden Bildern gebeten wurden.

 

Tierheim Rheine: Aus finanziellen Gründen

Völlig unkompliziert und ganz offen beantwortet der erste Vorsitzende vom Tierschutzverein Rheine und Umgebung e. V., Dr. Bernd Windhoff, die gestellten Fragen. Einzelheiten dieser Übernahmen sind ihm nicht bekannt. Und Windhoff sieht die Verbringung von Auslandstieren nach Deutschland durchaus kritisch. Da er als Vereinsvorsitzender aber auch für die Finanzen verantwortlich ist, betont er den pragmatischen Aspekt: Man erhalte von der Hundehilfe Polen attraktive junge Hunde, oft Welpen. Die lassen sich gut vermitteln und bessern die Vereinsfinanzen auf. Schließlich müsse der Verein auch dafür Sorge tragen, seine Arbeit zu finanzieren.

Für die Hinweise darauf, dass der durch die Fotos dokumentierte Transport doch einige tierschutzrelevante Mängel aufweise, bedankt er sich. Er nehme diese gern entgegen und werde sich kümmern.

Was immer das dann auch heißt.

 

Tierheim Lübbersdorf: Wer ist Hundehilfe Polen?

Beim Tierschutz Oldenburg in Holstein muss der erste Vorsitzende zunächst mit Namen und Fakten vertraut gemacht werden. Eine Hundehilfe Polen kennt er nicht und fragt nach, ob es sich dabei um einen Verein handele und was dieser denn so mache. Dass das zum Verein gehörende Tierheim jedoch Hunde aus dem Ausland übernimmt, das ist ihm bekannt. Der Vorsitzende hält das für eine gute Tat. Geld fließe dabei keines. Sein Verein würde auf keinen Fall für die Übernahme geimpfter und kastrierter Hunde bezahlen. Nein, keinesfalls würden die Tiere in einem LKW transportiert. Sie kämen in privaten Kraftfahrzeugen hierher.

Hans-Walter Oldenburg bietet an, sich bis zum Wochenende in seinem Tierheim zu weiteren Details hinsichtlich der Übernahme dieser polnischen Hunde zu erkundigen. Die DN-Redaktion lehnt dankend ab. Der Vorsitzende dieses Vereins und Verantwortliche für das Tierheim Lübbersdorf kennt die gesamte Thematik und Problematik nicht.

 

Fellgesichter in Not: Was soll das?

Unfreundlich und aggressiv reagiert die erste Vorsitzende von Fellgesichter in Not e. V. An den Bildern vom Transport ist sie nicht interessiert. Überhaupt verstehe sie nicht, was „das Ganze“ soll, wobei sich „das Ganze“ auf die kritische Berichterstattung über diesen Transport im Speziellen und die Proteste der polnischen Tierfreunde im Besonderen bezieht. Letztgenannte hakt Andrea Herhold unter „alte Hüte“ ab und macht aus ihrer Meinung keinen Hehl, dass man diese Proteste nicht weiter zu beachten brauche. Auf die ganz normale Frage, ob Fellgesichter in Not e. V. für die Übernahme der polnischen Hunde an HHP Geld bezahlt, antwortet sie wörtlich: „Ich glaube nicht, dass Sie das was angeht.“ Bemerkenswert. Andere Vereine (siehe oben) hatten kein Problem mit dieser Frage.

Bei derart aggressiven Reaktionen auf Presseanfragen lohnt sich immer einmal der zweite Blick auf die Vereinshomepage. Ob der Verein als gemeinnützig anerkannt ist, lässt sich der Webseite nicht entnehmen; ein Freistellungsbescheid fehlt und auch sonst erfolgt kein Hinweis auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Eine Satzung ist vorhanden. Der Verein nimmt Vollmitglieder auf.

Interessant dürfte des Weiteren sein, dass die zweite Vorsitzende des Vereins Betreiberin einer gewerblichen (!) Hundeschule ist, auf die von der Vereinswebsite auch verlinkt wird. Dort wiederum wird die erste Vorsitzende von Fellgesichter in Not e. V. als dem Trainerteam zugehörig geführt. Eine dezidierte Preisliste für Hundetrainer-Leistungen des „Teams“ ist ebenfalls zu finden. Die multitalentierten Hundetrainer-Damen bieten unter anderem auch Bachblüten-Therapie an, eine Leistung der Alternativmedizin, die üblicherweise ausgebildeten Tierheilpraktikern vorbehalten ist.

 

Tierheim Lüneburg: Dieser Transport hat Konsequenzen

Kein Problem mit Journalistenfragen hat man beim Tierschutzverein Lüneburg e. V. Die Geschäftsführerin der Tierheim Lüneburg gGmbH, Selina Martens, gibt sich große Mühe, alle Fragen zu beantworten. Von möglichen Missständen bei den Transporten war ihr bisher nichts bekannt. Sie vertraue auf deren ordnungsgemäße Durchführung durch die Tatsache, dass die Transporte über TRACES gemeldet werden:

              

Nachdem ich mir jetzt die Bilder angeschaut haben und die Boxen gesehen habe, werde ich Frau De Beau anschreiben und sie auf die Einhaltung der Maße für die Transportboxen hinweisen und ihr auch mitteilen, dass eine Zusammenarbeit nur in Frage kommt wenn die Bestimmungen eingehalten werden.

(Presseantwort der Tierheim Lüneburg gGmbH, Selina Martens, an die DN-Redaktion vom 04.06.2013) 

             

 

Nothilfe Polarhunde Nord: Gesprächsbedarf

Die Nothilfe Polarhunde Nord (NPN) hatte von diesem Transport ausnahmsweise drei Huskies übernommen. Da gerade Kapazitäten zur Verfügung standen, sagten die Polarhunde-Experten der HHP zu. Der Schriftführer des Vereins, Christian G., der in Vertretung der derzeit nicht erreichbaren ersten Vorsitzenden die Fragen der DN-Redaktion beantwortet, freut sich über die journalistische Nachfrage nach der Arbeit der Tierschützer.

Er lobt den guten Zustand der von HHP übernommenen Hunde, die munter und fidel gewesen seien. Alle drei Hunde sind kastriert und geimpft. Bei der Übernahme der Hunde vom Transport am Samstag hätten die Vereinsmitglieder auch genau hingesehen: Die Boxen wären ausreichend groß und völlig sauber gewesen. 60 Euro habe NPN für die Übernahme an HHP bezahlt.

Der gute Eindruck der Vereinshelfer vom Samstag lässt sich mit den vorliegenden Transportbildern auch für ihn nicht in Übereinstimmung bringen. Die NPN kündigt deshalb an, das Gespräch mit der ersten Vorsitzenden der HHP, Beate Du Beau, suchen zu wollen, sobald diese aus ihrem Urlaub zurückgekehrt ist.

Die vehementen Proteste polnischer Tierschützer gegen die HHP waren den Polarhundeexperten bisher nicht bekannt. Der Verein zeigt jedoch reges Interesse daran.

 

Es ist der DN-Redaktion nicht gelungen, die beiden Tierschutzorganisationen Hundehilfe über Grenzen und Tierschutzligadorf, welche ebenfalls Hunde von diesem Transport übernommen haben sollen, telefonisch zu erreichen. Rückrufbitten blieben unerfüllt.

 

Doggennetz.de-Senf:

Ohne die bisher noch fehlende Stellungnahme der Hundehilfe Polen zu den Bildern des Transports vom vergangenen Wochenende ist es schwer, angemessen zu berichten. Es ist auch die Frage, warum weitere Vorstandsmitglieder auf Presseanfragen nicht reagieren, denn der Verein kann ja nicht kopflos sein, nur weil die erste Vorsitzende in Griechenland Urlaub macht. Es ist der tiefere Sinn von stellvertretenden und zweiten Vorsitzenden, eine allenfalls abwesende erste Vorsitzende zu vertreten. DN wird an diese eine schriftliche Presseanfrage richten.

Auch das zuständige Veterinäramt Harburg wird um Stellungnahme gebeten.

Die oben zitierten Nachfragen bei den belieferten Vereinen ergeben ein uneinheitliches und überraschendes Bild. Die Spannweite reicht vom offenen Eingeständnis, Auslandshunde zur Aufbesserung der Vereinsfinanzen zu übernehmen, bis zur vollständigen Unwissenheit eines Vorsitzenden hinsichtlich der Abläufe und Praktiken im dazugehörigen Tierheim. Wenn ein Vereinsvorsitzender tatsächlich glaubt, die Hunde würde im Privatfahrzeug aus Polen nach Deutschland gebracht, dann ist der Abstand zur bitteren Realität nicht vorschriftsmäßiger Tiertransporte doch erschreckend groß.

Ob die Hundehilfe Polen wirklich sinnvollen Tierschutz im Land selbst macht und dort Strukturen aufbaut, dazu konnten die abnehmenden Vereine mehrheitlich nichts sagen.

Dass es eine deutlich klaffende Lücke zwischen den Beobachtungen einiger Vereine und den Bilddokumenten gibt, ist offensichtlich. Die NPN gibt an, den drei Huskies seien ausreichend große Boxen zur Verfügung gestanden. Dem gegenüber steht der durch Foto dokumentierte Mischlingshund, der in einer viel zu kleinen Gitterbox untergebracht war. Die Abholer der NPN berichten, die Boxen wären sauber gewesen. Wie ist das möglich nach einem so langen Transport? Oder wurden die Hunde vorher umgeladen?

Fellgesichter in Not reagiert unverständlich barsch auf die Frage nach den Kosten für die Übernahme der Hunde. Wenn kein Geld fließen würde, wäre die zu erwartende Antwort: Es fließt kein Geld. Rheine, Lübbersdorf und Lüneburg geben an, die Hunde für lau zu übernehmen. Die NPN dagegen behauptet, 60 Euro pro Hund an die HHP zu bezahlen. Das ist ein legitimer Preis für kastrierte, geimpfte und transportierte Hunde.

All diese offenen Fragen sollen mit der HHP geklärt werden, wenn der Verein wieder handlungsfähig ist und sofern er Fragen beantwortet, was bei den „Auslandstierschützern“ keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Satirikerin würde noch einwenden, wie von einem Verein wirklich vorschriftsmäßige Transporte zu erwarten sind, der noch nicht einmal über ein ordnungsgemäßes Impressum verfügt und dort stattdessen einen rauen Ton anschlägt, der staunen macht und schlichten Unfug behauptet. Eine URL ist kein geistiges Eigentum!

 

  

Bildzitat Screenshot von http://www.hundehilfe-polen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=98&Itemid=74

"Impressum" der Hundehilfe Polen. Von einem gewerbsmäßig tätigen Verein sollte man ein ordnungsgemäßes Impressum erwarten können. Irritierend auch der raue Ton mit "Finger weg" sowie die abstruse Behauptung, eine URL sei geistiges Eigentum.

 

Und wie Tierschützer Bewusstseinswandel und einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Tieren in Polen erwirken wollen, wenn die Ängste und Sorgen der Menschen dort nur verächtlich als „Verleumdungen und Lügen“ abgetan werden, bleibt ein weiteres der nicht wenigen Rätsel um die HHP.





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Mittwoch, den 05. Juni 2013 um 10:09 Uhr
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