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Aua951: TV-Tipp: ARD-Weltspiegel berichtet über das schmutzige Geschäft mit dem Hundemord in Rumänien

 

{TS-Kritik}

 

Wenn Tierschutzthemen die journalistische Hochebene des ARD-Weltspiegels erreichen, dann steckt richtig fett etwas dahinter. Und in wohl kaum einem anderen osteuropäischen Land ist die Tierschutzsituation so vielschichtig und verfahren wie in Rumänien. Dort habe sich inzwischen eine regelrechte Hunde-Mafia organisiert, informiert der ARD-Redaktionstext zur Sendung am Sonntag, den  7. April 2013 (19.20 Uhr).

Natürlich geht es auch wieder um die Veruntreuung von Spendengeldern.

Wie komplex die Situation in Rumänien ist, das beschreibt auch sehr anschaulich ein ausführlicher, wenn auch schon älterer Artikel von Codrut Feher, der auf www.bello.de nachlesbar ist.

Dieser Artikel sei jedem Interessierten zur Einstimmung auf den morgigen Weltspiegel-Beitrag empfohlen.

 

Keine Konzepte deutscher Auslandstierschützer

Wer all das liest, erkennt rasch: Die Situation in Rumänien ist derart undurchsichtig und verknotet, dass sich jeder Tierfreund ernsthaft fragen muss, welche Konzepte die deutschen Auslandstierschützer dem entgegenzusetzen haben. Bisher ist von solchen nicht die Rede.

Stattdessen fährt man im alten Stil fort: Hilfsgüter rein ins Land, Hunde raus aus dem Land. Von diesem flachen Strickmuster des intellektuellen Zuschnitts eines Lieschen Müllers ist jetzt und nach rund 15 Jahren Präsenz deutscher Tierschützer in Rumänien bewiesen, dass diese angeblichen Rettungsaktionen gar nichts bewirken.

Was immer der  Weltspiegel morgen an Bildern zeigt: Jedes einzelne belegt AUCH das vollkommene Versagen Dutzender deutscher und sonstiger Tierschutzorganisationen, die sich seit 15 Jahren in Rumänien herumtreiben und für ihren angeblichen Tierschutz dort Unsummen Spendengelder gesammelt haben.

Besonders bedauerlich dabei ist, dass Carmen Arsene, Vorsitzende der Federatia Nationala Pentru Protectia Animalelor (FNPA), eine Art rumänischer Tierschutzbund, mit deutschen Vereinen kooperiert und diese propagiert, die massiv in der Kritik stehen und/oder gegen die seit Jahren deutsche Staatsanwaltschaften ermitteln.

 

Krone und FAZ lobhudeln im selben Ton

Für eins jedoch ist Rumänien immer gut: Für die degoutante Selbstdarstellung deutscher C- bis Z-Promis als angebliche Tierretter. War es letztes Jahr vornehmlich Ralf Seeger mit seinem Verein Helden für Tiere e. V. (vgl. dazu Aua769 mit Übersicht weiterer Artikel sowie Aua763), wird aktuell die deutsche Truckerin Tamara Raab in einer Art und Weise von allen Medien beworben, die Sorge macht: hier und hier und hier.

Warnsignal: Wenn die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die österreichische Boulevard-Zeitung Krone im identischen Duktus über das Raab-Phänomen berichten, kann keine Recherche dahinter stecken!

Wenn eine Zeitschrift wie das Dogs-Magazin auf öffentlich vorgetragene und fundierte Kritik (Aua943) auf die nämliche Jubelberichterstattung in keiner wahrnehmbaren Weise reagiert, stimmt ganz offensichtlich etwas nicht?

 

Tierschutz Hand in Hand mit Verharmlosung des Holocaustes?

Auch die rumänische Tierschützerin Carmen Arsene bewirbt die kontraproduktiven Hilfsgütertransporte der als Truckerin mit Herz vermarkteten Tamara Raab.

Raab zeichnet sich in ihren Texten und Berichten über diese Pseudo-Tierschutzhilfe durch bedenkliche und ein ganzes Land verunglimpfende Aussagen aus. So bezeichnet sie Rumänien als „Land des Todes“:

 

Bildzitat Screenshot von http://www.tamara-raab.de/

Wie will man einem Land wirklich helfen, dass pauschalisierend als "Land des Todes" verunglimpft wird? Wie groß wird die Akzeptanz "tierschützerischer" Verlautbarungen zu dem Hundeproblem in Rumänien beim Rest der Gesellschaft sein, wenn derart eskaliert und dramatisiert wird. Syrien oder Nordkorea als "Land des Todes" zu etikettieren, wäre noch halbwegs nachvollziehbar. Es ist diese Art von Melodram, die den Tierschutz und seine Anliegen gesellschaftlich diskreditiert.

 

Nach Meinung von DN verharmlost Raab den Holocaust, wenn die Truckerin sich allen Ernstes hinsichtlich ihrer angeblichen Tierrettung mit Oscar Schindler vergleicht.  DN wird über diese Entgleisung noch ausführlich berichten und eine Stellungnahme des Zentralrats der Juden anfordern.

 

Bildzitat Screenshot von http://www.tamara-raab.de/downloads/Reisebericht_Spanien.pdf

Wissen die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Dogs-Magazin und anderen Medien, die aktuell Tamara Raab promoten, von der geistigen Verfassung der Dame, die im Reisebericht Spanien 2012 ihre angebliche Tierrettung auf eine Ebene mit den Verdiensten von Oskar Schindler stellt? Weiß der Fressnapf Nordenstadt, die Franken-Apotheke und andere hier Genannte, dass sie in diesen Kontext gestellt werden? Doggennetz.de wird zu der nach Meinung dieser Redaktion Verharmlosung des Holocaustes auch eine Stellungnahme des Zentralrats der Juden einholen. Doch Raabs "Schindlers Liste" belegt ein weiteres Mal, wie stark das Engagement deutscher "Tierschützer" mit ganz anderen politischen Zielen verknüpft wird. Der eine bemüht "Schindlers Liste" im Kontext mit Tierrettung, der andere hält seine Faust mit der HASS-Sigrunen-Tätowierung ins Bild (vgl. Aua769).

Hinzu kommen von Raab selbst dargestellte Hundeverbringungen aus Spanien und Rumänien nach Deutschland, von dem das zuständige Veterinäramt gemäß Presseauskunft gegenüber dieser Redaktion nichts weiß und von denen Raab selbst behauptet, sie unterlägen nicht der TRACES-Pflicht. Eine entsprechende ausführlichere Presseanfrage an das Veterinäramt Wiesbaden ist erfolgt; eine Beantwortung wird für nächste Woche avisiert.

 

Ebenfalls typisch: Privatkonten-Spenden erbeten!

Die grauenhafte Situation der Hunde in Rumänien ist derart komplex, dass Hilfe von (deutschen) Tierschützern nicht mehr zu erwarten ist: Korruption ungeahnten Ausmaßes; Millionen von Hilfsgeldern, die in dunklen Taschen versickern; ein undurchwirrbares Geflecht deutscher und internationaler Tierschutzorganisationen, die in Rumänien alle ihr eigenes Süppchen kochen, zueinander in Konkurrenz stehen, sich nicht koordinieren und insgesamt kein Konzept haben. Sie haben überdies nach 15 Jahren Tätigkeit vor Ort bündig bewiesen, dass sie die Situation der rumänischen Hunde nicht zu verbessern in der Lage sind.

Im Übrigen besteht der sogenannte Auslandstierschutz in Rumänien aus einer kruden Mischung von Instrumentalisierung des dortigen Tierleids zur Selbstdarstellung in allen Medien sowie zur Spendenakquise, massenhafte Tierschlepperei sowie undifferenzierter Auslandshetze und pauschalisierender Verurteilung der Rumänen als Hundemörder per se zur Bedienung einer rechtsdrehenden politischen Agenda.

Und dass Hilfsgelder auf private Konten gelotst werden, rundet das Bild vielsagend ab:

 

Aua951RaabPrivatkonto60

Bildzitat Screenshot von http://www.facebook.com/events/462616340452065/permalink/496187830428249/

Es sind keine Spezifika von Tamara Raab; es sind die Spezifika der Art und Weise, wie deutsche Tierschützer bei ihrer angeblichen Hilfe in Rumänien vorgehen: Hier werden Spender aufgefordert, auf ein privates Konto zu überweisen. Von der letzten großen Rumänien-Medien-Pseudo-Hilfs-und-Rettungsaktion bestürmen derzeit Spender die DN-Redaktion, welche damals beträchtliche Summen auf irgendwelche Privatkonten von angeblichen Tierschützern überwiesen haben und bis heute auf einen Nachweis der Verwendung dieses Geldes warten. Tamara Raab tritt auch zusammen mit dem umstrittenen Verein Europäischer Tier- und Naturschutz e. V. (ETN) auf (Screenshot dazu folgt). Was ist das für eine unselige Vermischung von Spenden auf Vereins- und auf Privatkonten? Warum bewerben von FAZ bis Dogs-Magazin Medien eine Dame, welche den fundamentalsten Seriositätskriterien beim Spenden sammeln nicht genügt?

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Bildzitat Screenshot von: http://www.facebook.com/events/462616340452065/permalink/496187830428249/

Überweisung mit Frist ("bis spätestens 15.03.2013") auf Privatkonto erbeten; oben drüber steht die Bankverbindung des ETN. Den meisten Spendern ist nicht klar, dass sie juristisch keine Möglichkeit haben, einen Nachweis über die Verwendung dieser Gelder an eine Privatperson zu verlangen. Welche Qualifikationen hat eine Truckerin, um dann in Rumänien mit diesem Geld nach eigenem Gusto zu verfahren? Wer will das je kontrollieren? Wie seriös sieht das aus?

 

Ob die Weltspiegel-Korrespondenten in ihrem Bericht den deutschen Tierschutzorganisationen mit der gebotenen Distanz und Kritik gegenübertreten, wird die Sendung morgen erweisen.

Sonst muss DN halt noch einmal nachladen ...

Wer sich dafür interessiert, wie moderner und vernünftiger Auslandstierschutz aussehen müsste, der vor Ort tragende Strukturen aufbaut, dem sei die DN-Artikelserie Ein neues Konzept für den Auslandstierschutz empfohlen: Aua914 und Aua923.

 

Aktualisierung 09.04.2013:

Leider erwies sich das oben schon ins Kalkül genommene "Nachladen" als unausweichlich ...: Aua953.

 





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Samstag, den 06. April 2013 um 08:35 Uhr
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