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Aua840: Fundtierverwaltung Landkreis Oldenburg (1): Ein Redakteur korrigiert den Fokus

 

{TS-Kritik}

 

Zwei Landkreise - ein (1) Problem.

Der eine Landkreis liegt im hohen Norden und ist ländlich strukturiert: Oldenburg.

Der andere Landkreis, ebenfalls von ländlicher Struktur,  dümpelt im tiefsten Süden vor sich hin: Sigmaringen. In beiden Landkreisen gibt es fundamentale Probleme mit der Fundtierverwaltung. Diese Probleme lassen sich in beiden Fällen auf die gleichen Strukturen zurückführen und sind Ergebnis einer kommunalen Praxis, die über Jahrzehnte hinweg eine Pflichtaufgabe ohne genaues Hinschauen ins Ehrenamt abgeschoben hat (vgl. dazu auch Aua814).


Oldenburg-Vorteil: Ein Redakteur, der das Problem fokussiert

Abgesehen von den divergierenden Himmelsrichtungen und unterschiedlichen Bundesländern gibt es zwei ganz entscheidende Merkmale, welche die Katastrophenlage der Fundtierverwaltung im Landkreis Oldenburg von der im Landkreis Sigmaringen scheidet: Erstens ist Oldenburg schon dort angekommen, wohin man sich in Sigmaringen gerade auf den Weg macht: die Abschiebung der Fundtierbetreuung an nicht ausreichend qualifizierte Tierschützer ohne die Transparenz und Kompetenz, die man von einem kommunalen Partner erwarten dürfte.

Und zweitens gibt es im Landkreis Oldenburg einen Redakteur, der diesem wichtigen Thema die nötige Aufmerksamkeit zu widmen bereit ist und der vor allem die richtigen Fragen stellt: Dierk Rohdenburg von der Wildeshausener Zeitung (i. E. Kreiszeitung) (vgl. auch Aua836).

Ganz anders in Sigmaringen: Dort ist gerade gestern ein Artikel erschienen, der Tierschutzkitsch in schlimmster Form verbreitet und sich willig vor den Karren rein kommunaler Interessen spannen lässt: Katzen fressen 20 Kilo Nassfutter pro Tag.

Doggennetz.de wird auf diesen Beitrag und seine verschwiegenen beziehungsweise von der Schwäbischen Zeitung erst gar nicht recherchierten Hintergründe noch detailliert eingehen.


Wildeshausener Zeitung widmet dem Thema eine ganze Seite

Was ist los im Landkreis Oldenburg? In Aua836 hatte Doggennetz.de auf einen Artikel der Kreiszeitung verwiesen, der berichtete,  dass die Polizei und das Veterinäramt im staatsanwaltlichen Auftrag das Tierheim Bergedorf durchsucht hatten. Das Tierheim Bergedorf, ein reiner Gewerbebetrieb, ist Partner der Kommunen für die Fundtierverwaltung,

Doch im Landkreis Oldenburg gibt es noch mehr Baustellen. Eine dieser sind die Einrichtungen der Tierschutzgruppe Wildeshausen (TSGW), ein Verein, der vor Ort schon seit Jahren heftig kritisiert wird.

Unter der Überschrift Ehemalige Vorstandsmitglieder der TSGW beklagen Elend und Misswirtschaft berichtet die Kreiszeitung am 15. Dezember 2012 über die massiven Vorwürfe gegen den Verein: Tiere seien mit verdorbenem Futter gefüttert worden, Mitarbeiten sollen schwarz bezahlt worden sein, unrechtmäßige Verwendung der Spendengelder und Tierquälerei. Auch typisch: Die Tierheimleitung soll seit Jahren keinen Sachkundenachweis vorlegen können.

Die Summe aller Vorwürfe beschäftigen nun neben der Kreiszeitung das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg, den Deutschen Tierschutzbund als zuständigen Dachverband und das Hauptzollamt in Oldenburg aufgrund des Vorwurfes der Schwarzarbeit. 

Landkreis Sigmaringen, aufgepasst: All das hat man dort erst noch vor sich, wenn im Süden nicht bald etwas passiert!

 

Korrekt fokussieren: Kommune statt überforderter Tierschützer

Die TSGW erhält bei der Kreiszeitung Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen – und weist diese, wen wollte das überraschen, vollständig zurück: Tierschutzgruppe weist massive Vorwürfe energisch zurück.

Auch wieder klassisch: Ein Teil der Vorwürfe an der TSGW wurde anonym erhoben. Wenig glaubwürdig!

Auf die Zurückweisung  durch die TSGW sei hier nicht weiter eingegangen; sie ist standardmäßig und wenig überzeugend, wenn schon einmal Behörden wie das Hauptzollamt in Betrieb gesetzt sind. Ob Tierschützer „nur kurze Zeit zu altes Futter“ verwenden oder längerfristig, das produziert nur noch graduelle Unterscheidungen.

Aber darum geht es gar nicht. Es geht nicht darum, völlig überforderte, für ihre erbrachte Leistung nicht einmal annähernd kostendeckend bezahlte Tierschützer zu kritisieren. Es geht um etwas ganz Anderes. Und das benennt Redakteur Dierk Rohdenburg  der Wildeshausener Zeitung in seinem Kommentar:

               Außerdem ist es höchste Zeit, dass sich endlich auch der Landkreis und die Kommunen ehrlich und engagiert um ihre Pflichtaufgabe der Fundtierunterbringung kümmern und sich nicht einfach freikaufen. Es zeigt sich, dass Ehrenamtliche mit einem derartigen Projekt, wie es ein Tierheimbau in der Größenordnung ist, schnell überfordert sein können. Dass die Zahl der zu betreuenden Tiere die Kraft von freiwilligen Helfern übersteigen dürfte.
Denn den Willen, Tiere, die von unserer Gesellschaft missachtet und förmlich weggeworfen werden, zu retten, zu schützen und zu pflegen, kann man allen beteiligten Ehrenamtlichen nicht absprechen.

Dabei muss es aber mit rechten Dingen zugehen. Sonst wird bald niemand mehr Geld spenden oder seine ehrenamtliche Arbeitskraft in den wichtigen Dienst für Tiere stellen wollen.

(Kommentar Dierk Rohdenburg in der Wildeshausener Zeitung vom 15.12.2012 zu den Vorgängen um die TSGW; der Kommentar ist online leider nicht verfügbar und wurde der Doggennetz.de-Redaktion freundlicherweise von der Wildeshausener Zeitung im Volltext zur Verfügung gestellt.Hervorhebung d. DN-Red.) 
              

 

Es geht darum, dass Kommunen bundesweit sich der Krücke des Ehrenamts bedienen, um ihre Pflicht abzuwickeln. Damit diese Krücke auch weit genug trägt, schaut man lieber nicht so genau hin. Und im Spannungsfeld zwischen abgeschobener Pflichtaufgabe (Fundtierbetreuung) und unter chronischer Finanzierungsnot stehendem Ehrenamt (Tierschutzvereine) pendelt die zuständige Fachbehörde (Veterinärämter), die sich im permanenten Interessenskonflikt befindet.

Da KANN nichts bei herausgucken. Da kommt nichts Vernünftiges bei heraus.

Der Landkreis Oldenburg lernt gerade – und auch nur dank der entsprechenden Aufmerksamkeit der Tagesjournaille -, dass es so nicht geht.

Im Landkreis Sigmaringen dagegen ist man aktuell damit beschäftigt, exakt die Strukturen aufzubauen, von denen man im Norden gerade erfährt, dass sie nicht tragen. Im Süden jedoch gibt es keine Tagesjournaille, die bisher Interesse daran zeigen würde, diese schwierigen Prozesse durch fundiert recherchierte Beiträge und den Mut zum kritischem Blick zu begleiten. Stattdessen wird dort frohgemut ein unerträglicher Tierschutzkitsch durch die Druckzeilen gepresst.

 

Weitere Doggennetz.de-Artikel dieser Serie:

Fundtierverwaltung Landkreis Sigmaringen: Aua814 / Aua816 / Aua821 / Aua824

Fundtierverwaltung Landkreis Oldenburg: Aua836

 





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Sonntag, den 16. Dezember 2012 um 12:47 Uhr
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